Exzentrische Bilder.

Deine lackierten Nägel. Screenshots, was du gerade auf dem Bildschirm erlebst, siehst oder hörst. Dein Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Was du gerade beruflich tust. Dein Spiegelbild. Dein Make-up und deine Klamotten. Dein Selbstbild. Du mit anderen, wie ihr zusammen steht, grinst und euch dabei alle umarmt. Fotografien anderer Leute, die du repostest. Deine Pose als Schwarzenegger, Girlie, toller Hecht, Lebemann, Modell oder Prinzessin. Dein Schatten. Deine Schuhe und Füße. Dein Sonnenuntergang.

Ich füge hinzu: Dein Hund, deine Katze und dein Hase. Dein Baby. Langweilige Architektur. Flügelspitzen von Flugzeugen. Drahtgewirr gegen den Himmel. Dich und dich und dich. Und nochmal dich selbst. Und deine Barista-Lattes. Himmel und Wolken. Deine Hölle ist dafür wahrscheinlich interessanter.

Ich weiß. Ich habe fast alle diese überflüssigen und tot-tot-tot-mausetot-ausgelutschten und verfilterten Bilder und noch mehr auch gemacht. Mache sie noch. Ich bin auch kein Genie.

Ich respektiere jedes selbst geschossene Bild (auf welcher Plattform auch immer). Absolut. Wie gehtnichtmehr sie auch sein mögen. Freue mich aber umso noch mehr, wenn jemand selbst tot-gelutschte Motive neu sehen kann. Eine Frage der Neugier und des Blicks. Wenn jemand selbst im Banalen oder sogar im Narzisstischen etwas neues entdecken kann. Dazu genügt es häufig sogar nur einen halben Schritt aus der gewohnten Perspektive herauszutreten. Das sagt mir viel über die Persönlichkeit des Fotografen. Ein Schuss Exzentrik im besten Sinn, also etwas aus der Mitte, dem Mainstream, hinaustreten, hilft, neues zu sehen und zu erschaffen. Das gilt übrigens nicht nur für Bilder und Fotografen, sondern für alles und alle.

Mach deine Augen auf, tritt etwas zur Seite, schau dich um, schau noch mal hin, entdecke neues und mach dann dein Bild. Es gibt so vieles andere und interessanteres. – Danke.


3 thoughts on “Exzentrische Bilder.

  1. …ooooder aber, man könnte einfach mal *nicht* den tausendundersten Beitrag ins Internet schubsen, darüber, dass die Leut‘ alles in der Welt totfotografieren.

    Womöglich liegt dieser dokumentierte und dokumentierte und dokumentierte Missstand ja auch daran, dass:
    – plötzlich in jedes Handy ’ne Kamera gebaut werden kann
    – ein digitales Foto nicht mehr kostet als ein Centbruchstück Akkustrom
    – und Milliarden von Leuten täglichen, kostenlosen und niedrigschwelligen Zugang zu den Profilierungsbühnen dieser Welt erhalten haben

    Sorry, Herr Basman, aber wenn die Leut‘ über’s Totfotografieren auch noch totbloggen, hat man dem Mitteilungsoverkill, diesem Biest, eher noch das Bäuchle gekrault, als alles andere.

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