Türkei: Radikale Veränderungen passieren in großen Schüben.

Wenn der Druck zu groß wird. Wenn die Situation nicht auszuhalten ist. Wenn die dynamischen Prozesse in der Gesellschaft heißlaufen. Dann entlädt sich dieser Druck schlagartig. Wie bei einem Erdbeben. Das kommt nicht überraschend. Werden die Zeichen der gesellschaftlichen Vorbeben nicht erkannt oder ignoriert oder sogar verächtlich gemacht und unterdrückt, dann trifft es die Ignoranten um so heftiger. Große tektonische Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, wenn die Zeit reif ist. Sie entstehen an den Randzonen der Gesellschaft und beeinflussen sie nach und nach vollständig.

Rock’n Roll, die 68er, die Anti-AKW-Bewegung, aber auch die friedliche deutsche Revolution im Osten von 1989, und vieles mehr waren solche großen Schübe, die die Gesellschaft im Nachhinein sehr verändert und sehr geprägt haben. Bis heute. Die 68er beispielsweise hatten in Hamburg und Berlin als Proteste an den Hochschulen begonnen, die 1968 eskalierten. „Der Muff von tausend Jahren unter den Talaren“ wurde weggeweht. Ähnliches droht jetzt dem Mufti von Ankara.

Die Bürgerrechtsbewegungen von heute, selbst im Web wie der Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung, gehen in ihren Wurzeln historisch auf die Haltung dieser damaligen Proteste zurück.

Letztendlich sind diese gesellschaftlichen Erdbeben nichts anderes als das Streben der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung und gegen die Machtwillkür, Bevormundung, Korruption und Vetternwirtschaft. Es ist gewissermaßen ein Marsch gegen die Verarschung.

Nichts anderes passiert gerade in der Türkei und nun auch in Brasilien. Die Anlässe sind scheinbar marginal. Der Abriss eines Parks oder Fahrpreiserhöhungen. Die Ursachen liegen in den zu großen Spannungen zwischen den Herrschenden und den von ihnen Beherrschten. Übrigens, dass die Herrscher gewählt worden sind, ist keine Entschuldigung für Ignoranz der Ermächtigten. Hitler ist 1933 in der Weimarer Republik auch gewählt worden. Seine Demagogie und eine schwache und zersplitterte parlamentarische Opposition hatte das möglich gemacht.

Lernen wir aus der Geschichte.

Radikale Veränderungen entkrusten die Gesellschaft und schaffen freie Räume, damit sie sich weiterentwickeln kann.

 


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