Instagram und meine Metaphysik.

Ich habe mir meine eigenen Instagram Bilder lange angeschaut. Was ist das Gemeinsame an ihnen? Während ich die Bilder mache, habe ich kein bewusstes Konzept. Ich denke nicht lange darüber bei der Aufnahme nach. Ich sehe etwas, was mich interessiert, wähle den Ausschnitt und mache das Foto. Selten wechsele ich meine augenblickliche Position, mache selten mehr als ein Foto vom Motiv. Ich gehe auch sehr selten extra irgendwohin, um ein bestimmtes Motiv zu suchen. Oder gar auf Fotosafaris. Schon gar nicht in einer Gruppe. Ich kann das nicht. Ebenso wenig arragiere auch das Gesehene. Rücke weder Gegenstände zurecht, noch lasse ich Leute posieren. Die Fotos sind fast immer das, was ich auf meinen täglichen Wegen sehe. Und ich gehe sehr viel zu Fuß. Immer die gewohnten wenigen Wege. Immer den Blick abseits des Gewohnten. Nie als Tourist. Postkarten interessieren mich meist nicht so sehr.

So gesehen sind die Fotos realistisch. Und doch. Irgendwas ist anders und den meisten meiner Fotos gemeinsam. Sie sind realistisch, aber nicht unbedingt sachlich im engen Sinn. Technisch und handwerklich sind sie eher durchschnittlich, wenn ich Glück habe. Da gibt es weit bessere Amateurfotografen. Die einfache Nachbearbeitung ist momentan auch meist medioker. Der Ausschnitt und der Blickwinkel ist aber fast immer der, den ich beabsichtigt hatte. Und praktisch fast immer der, den ich gesehen habe, als ich das Motiv entdeckt habe. Sie entstehen spontan und ohne großen Nachdenken auf meinen alltäglichen Wegen. Meistens mit sehr wenig Nachbearbeitung. Sie sind nicht perfekt. Einem Profifotografen oder einen ambitionierten Amateur wären sie ein Graus. manchmal auch Kitsch vielleicht. Das ist mir egal. Die Bilder sind für mich und mein Plaisier.

Eine Sache noch: Ich habe mir seit längerem angewöhnt, allen Bildern einen Titel zu geben. Es sind meist keine beschreibenden Titel, sondern sehr häufig Titel aus Gedichten oder Songs und manchmal auch auch Zitate, oder was mir dazu spontan einfällt, die das Motiv häufig aufnehmen und das Gesehene oft in einen anderen Kontext stellen. Manchmal ironisieren sie das Gesehene auch. Oder stehen im vollkommenen Kontrast. Die Titel der Bilder sind sehr wichtig. Sie geben dem Bild erst die Bedeutung. Zu mindestens für mich. Erst im Zusammenspiel von Bild und Titel ergibt sich die Bedeutung für mich. Es sind fast immer meine „inneren Bilder“.

Was ist jetzt aber das Gemeinsame an meinen Bildern? Gibt es eine Schublade für sie? Ein Etikett? Man soll ja seine eigenen Werke nicht interpretieren, und doch tue ich das jetzt mal für mich. Sie sind realistisch, aber keine simple Abbildungen. Durch den Titel kommt eine gewisse zusätzliche Metaphysik rein. Für mich sind meine Bilder unbewusst magischer oder auch metaphysischer Realismus. Im Gegensatz zur Neuen Sachlichkeit in der Fotografie und in der Kunst überhaupt, der mir zu nüchtern ist. Zu mindestens erlebe ich es so.

 

Diese Zeilen sind nur für mich als Tagebuchnotiz geschrieben, um mir einiges bewusster zu machen. Nicht um mich anderen zu erklären. Nur ein Blick in meinen Kopf und meine Vorstellungen. Nach ziemlich genau zwei Jahren Instagram (106 Wochen um genau zu sein)  und über 700 Fotos.

Wer sich ein eigenes Urteil bilden will, hier sind meine Instagram Bilder: http://instagram.com/cbasman. Ihr werdet sie natürlich anders sehen als ich. Und das ist auch euer gutes recht und gut so. Alle Fotos sind ohne Ausnahme mobil mit meinem Smartphone aufgenommen. Und im Laufe der Zeit und mit der Erfahrung hat sich der Stil leicht verändert. Aber nicht viel. ich versuche auch nicht, dabei eine Spiegelreflexkamera nach zu ahmen. Die Fotos sind ziemlich unperfekt.


2 thoughts on “Instagram und meine Metaphysik.

  1. „Ich bin eine Kamera mit offenem Verschluß, nehme nur auf, registriere nur, denke nichts … Eines Tages werde ich alle diese Bilder entwickelt, sorgfältig kopiert und fixiert haben.“ Christopher Isherwood

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