Das Besondere und das Allgemeine. Zwei Philosophen.

Was mein Denken und Schreiben vielleicht am meisten beeinflusst hat: Die Schriften von Roland Barthes („Mythen des Alltags“) und Ludwig Wittgenstein („Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“), den frühen wie auch den späten. Barthes wahrscheinlich mehr als Wittgenstein. Gegensätzlicher hätten beide nicht sein können. Beide Denken habe ich in meinen frühen Zwanzigern kurz nach der Schulzeit für mich entdeckt.

Was ich an Roland Barthes immer geschätzt habe, sind seine sehr  genauen Beobachtungen des Alltäglichen und auch des Besonderen in der Kultur, den offenen und freien Diskurs, der immer den Leser miteinbezieht in seine Denkprozesse und seine Rückschlüsse vom konkreten Detail aus dem beobachtetem Leben ins philosophische Allgemeine. Heute würden wir vielleicht dazu sagen Bottom-up.

Bei Wittgenstein die Präzision der Sprache und die Erkenntnis seines grandiosen Scheiterns darin. Er hatte versucht, aus einer Reihe von einfachen Axiomen und Postulaten, das Leben und die Komplexität der Welt zu erklären. Ein klassischer Top-down nach den strengen Regeln der Logik. Sehr präzise und rein in der Sprache. Aber falsch. Richtig war aber sein Mut, seinen falschen Ansatz öffentlich zuzugeben. Das Leben ist unscharf. Und lässt sich nicht in einen Setzkasten einordnen.

Beides sind meine Helden aus der Philosophie der Gegenwart. Präzises Beobachten und das Allgemeine im Besonderen entdecken. Und sprachlich versuchen ebenfalls präzise zu sein.

Zu oft gelingt mir das leider nicht. Aber manchmal.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s