Wiederholt sich Geschichte?!

Ich bin kein studierter Historiker. Aber gewisse Parallelen drängen sich mir auf.

Ich weiss nicht, ob es Zufall ist, aber vieles vom Anfang dieses Jahrhunderts erinnert mich an den den Anfang des vergangenen: Die Roaring 1920s. Was damals die röhrenden Motoren, die moderne, rasante Musik, der Futurismus und die Geschwindigkeit, ist heute die Digitalisierung und das Smartphone. Auch politisch ist wie damals das Reaktionäre auf dem Vormarsch. Damals Reichspogromnacht, brennende Synagogen, geplünderte und boykottierte Geschäfte von jüdischen Deutschen, heute brennende Flüchtlingsheime und ermorderte Migranten.

Geschichte wiederholt sich nicht. Wird gesagt. Oder doch? Ich sehe doch gewisse Parallelen zu damals..

In fast allen wichtigen Industrie- und Schwellenländern ist in den letzten Monaten ein deutlicher Ruck in Richtung Rechtspopulisten und Faschisten eingetreten. Auch und gerade auch in Deutschland. Ich habe kein gutes Gefühl für dieses Jahr des Feuer-Affen. Als ob sich etwas zusammenbrauen würde gerade..

Ich fürchte ernsthaft, wir nähern uns immer mehr den Verhältnissen in der Weimarer Republik von 1918-1933 an, an deren Ende der Anfang vom totalen Ende stand. Auch wenn die zeit schwer vergleichbar zu heute ist. Eine zerstrittene, schwache, kriselnde Regierungsbank, eine wachsende rechte, faschistoide (größtenteils außerparlamentarischen) Opposition, ein destabilisierter, führungsloser Sozialstaat, lokale und überregionale Politiker und Funktionäre, die sich auf die Seite des Mobs und der Strasse schlagen..

Momentan wird Deutschland eher nur von der Zivilgesellschaft zusammengehalten. Was wird aber sein, wenn die Bürger keine Kraft mehr haben oder aber auch die Motivation verlieren.

Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, aber vieles Anfang dieses Jahrhunderts erinnert mich an den den Anfang des vergangenen: Die Roaring 1920’s. Was damals die röhrenden Motoren, Musik, der Futurismus und die Geschwindigkeit, ist heute die Digitalisierung und das Smartphone. Auch politisch ist wie damals das Reaktionäre auf dem Vormarsch.
Geschichte wiederholt sich nicht. Wird gesagt. Oder doch? Ich sehe doch gewisse Parallelen zu damals..

Meine naive/nicht-wissenschaftliche Erklärung für diese scheinbare Parallelität der Ereignisse und Entwicklungen ist, dass in Zeiten sehr großer politischer und kultureller Veränderungen die Reaktion (daher ja auch der Begriff) folgerichtig daraufhin folgt.

Don Dahlmann, Journalist in Berlin, schreibt dazu in Facebook:

Die 20er Jahre waren in Deutschland ja eher geprägt durch den Verlust von WK1 und einem Machtvakuum durch den Rücktritt des Kaisers. Dazu der Quasi-Verlust der Souveränität Deutschlands durch den Versailler Vertrag. Mag sein, dass diese Dinge sich teilweise auch im Gemüt einiger Ostdeutscher wiederfinden, wobei ich das aus der persönlichen Beobachtung nicht so bestätigen kann.
Auffallend ist aber, dass man heute, wie in den 20ern, komplexen Problemen mit simplifizierten Lösungen begegnet. Man sucht leichte Erklärungen und Modelle. Mißtrauen, Irrationalismus, Angst, völkischer Narzissmus und die Suche nach einem einfachen „Schuldigen“ („die anderen, die nicht der eigenen Meinung sind“) führen dann halt zu kurz gedachten Lösungsansätzen. Das ist eine Parallele zu den 20ern, aber auch zu vielen anderen extremen Entwicklungen in der Geschichte, wie zum Beispiel die Inquisition.

Was mir an der momentanen Situation am meisten Sorgen macht, ist die Tatsache, dass diese Form des Denkens nicht allein auf einen Staat begrenzt ist, sondern sich als Wucherung vor allem in den Mitteleuropäischen Ländern (Skandinavien, England, Niederlande, Frankreich, Polen, Ungarn, Schweiz) findet. Das ist in der Form neu und erschreckend.

 


2 thoughts on “Wiederholt sich Geschichte?!

  1. Einige Parallelen sind tatsächlich kaum zu übersehen. Man fragt sich wo das noch hinführen soll…
    Da kann ich nur hoffen, dass das Ende von damals und am Besten auch einige der vorherigen Stationen sich nicht wiederholen werden und sich die Situation wieder normalisiert. Wenn doch fürchte ich mich vor allem was da kommen mag…und manche Bekannte von mir fragen sich wohl auch wohin es sie im Fall der Fälle verschlagen würde.
    Einerseits sagt man sich, es wird schon nicht so kommen wie damals und man versucht sich die Sorgen auszureden, andererseits will man nicht wissen, was passieren könnte, wenn man zu spät reagiert.

  2. Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten diese Fragestellung zu betrachten:

    1. Geschichte wiederholt sich zwangsläufig. Dann sind aber die teilnehmenden Akteure determiniert und es kommt halt so wie es kommen muss. Keine Chance auf Veränderung. Geschichte ist vorgeschrieben. Das erzeugt natürlich so seine Probleme.

    2. Geschichte wiederholt sich nicht zwangsläufig, aber Menschen greifen immer wieder auf Erzählstränge und Haltungen der Vergangenheit zurück. Somit verläuft Geschichte eher schleifenförmig, sie zirkuliert. Das heißt hier entscheidet der Mensch unbewusst (unreflektiert) bewusst (reflektiert) welchen Erzählstrang er/sie in Zukunft gerne folgen würde. Ein möglicher Erzählstrang ist der Nationalismus, ein anderer möglicher Erzählstrang ist das kosmopolitische usw. Einer ist Konkurrenz der andere ist Kooperation. Wir entscheiden uns immer für solche Erzählstränge und führen zugleich diese Erzählung durch Kommunikation und Handlung fort und agieren zugleich als Vorbild für andere. Wir reproduzieren Erzählstränge anhand derer wir leben.

    Ich entscheide mich (weil prinzipiell unentscheidbar) für die zweite Variante, weil sie mir mehr Optionen schenkt und sie mich in die Verantwortung nimmt selbst bewusst zu entscheiden welchen Pfad der Geschichte ich nicht nur mittrage, sondern gar aktiv gestalte.

    Geschichte hat weder Anfang noch Ende. Sie zirkuliert. Sie reproduziert sich, aber nur in dem Maße wie Mensch das zulässt. Wenn also „Weimarer Zeit“, was allein durch andere und neue Faktoren nicht 1:1 reproduzierbar ist, dann nur weil Menschen die Erzählstränge aus der Weimarer Zeit aufgreifen und fortsetzen. Ich meine zu erkennen, dass du dich eher auf sich wiederholende Erzählungen beziehst und weniger auf einen klaren Historizismus, der eine unveränderliche Richtung und zum Teil auch Wiederholung der Geschichte propagiert. Historizismus ist sozusagen der Fundamentalismus in der Geschichtswissenschaft.

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