​Radikalisierung ist ein slow-burner.

Sie entsteht nicht plötzlich und nicht über Nacht. Das sind Zirkelgedanken, die sich langsam, wechselseitig verstärken und aufbauen. Das kann Jahre dauern.

Die Radikalisierung läuft wahrscheinlicher sogar viel langsamer als die schnellen Veränderungen der Welt. Dadurch entstehen Spannungen, die sich entladen müssen, wie zwischen Kontinentalplatten.

Meine Kernfrage ist, wie man diese Zirkelgedanken unterbrechen kann. Wie man den Motor der Radikalidierung stoppt und diese Kräfte in etwas Positives umleiten kann.

Es ist als ob sich, lange zurück liegende und verschüttete seelische Verletzungen bei bestimmten Erschütterungen wieder an die Oberfläche treten.

Ich stelle mir diese Frage nur halblaut und momentan rein rhetorisch. Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Keine Rezepte. Keine geradlinigen Ursache-und-Wirkung-Kausalketten. Es ist nicht damit getan, ein Wir-Gefühl zu schaffen oder mehr Bildung. Das alles spielt vielleicht auch irgendwo eine Rolle, ist aber nicht das Entscheidende. Es scheint mir eher etwas anderes zu sein, das ich kaum in Worte fassen kann.

Da muß einiges noch vorurteilsfrei und interdisziplinär geforscht werden. Oder literarisch und künstlerisch erkundet..

„Nur wer nicht geliebt wird, der hasst.“

– Charly Chaplin

UPDATEHier noch ein guter Artikel in Spiegel-Online zu dem emotionalen, schwierigen kulturellen Thema:

„Terror ist immer erst mal eine Antwort. Es geht darum herauszufinden, auf welche Frage.“


2 thoughts on “​Radikalisierung ist ein slow-burner.

  1. Hast du den Artikel im Independent gesehen? Der könnte eine Antwort geben auf Deine Frage: Als Staat so agieren, dass unzweifelhaft ist, dass jeder im Land sagen kann: „Der hat etwas für mich getan“. So verhindert man zwar nicht zwingend Zirkelgedanken bei einzelnen, aber man vermeidet v.a. die Zersplitterung der Gesellschaft in Verlierer und Gewinner und stärkt (aus freiheitlich demokratischer Perspektive) die verschiedenen Gemeinschaften aus denen unserer Gesellschaft nuneinmal besteht und bietet damit Zirkelgedanken weniger Raum zur Selbstverstärkung.

    Das könnte – meiner bescheidenen Meinung nach – auch helfen diejenigen, die wir in den letzten Jahren an die AfD verloren haben, wieder auf demokratischen Boden zurückzuholen …

    1. Ich schrieb oben im Artikel:

      „Ich stelle mir diese Frage nur halblaut und momentan rein rhetorisch. Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Keine Rezepte.“

      Ich werde dieses Thema in den Kommentaren nicht diskutieren. Aus Gründen. Danke für dein Verständnis im Nachhinein.

      Ich hatte schon sehr große Mühen, die Kommentare in Facebook dazu abzuwehren. Ich habe den Facebook-Post daraufhin gelöscht.

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