Was wir von ERCO auch lernen können.

Ab und zu stellt sich einem diese Frage. So auch heute morgen im Top-Management. Da fällt mir immer wieder dazu beispielhaft folgende Geschichte ein:

Sie spielt bei einem namhaften deutschen Hersteller von Leuchten von Weltgeltung ab: ERCO.

Es sind die sechziger Jahre. Das Familienunternehmen stellt bis dato Nachttischlampen her. Rosa. Mit Trotteln. Passend zur Gelsenkirchener Schlafgarnitur. Tochter des Hauses verliebt und verlobt sich mit einem jungen Tunichgut. Ihr Vater ist entsetzt, bietet dem Schwiegersohn in spe gönnerhaft einen Posten in der eigenen Fabrik an. Die junge Familie muss ja von irgend etwas leben.

Der junge Mann, Klaus-Jürgen Maack, schaut sich das ganze ein bis zwei Wochen an und sagt dann dem Alten, er nähme den Job an – aber nur unter einer Bedingung: Alles müsse sich ändern und alles müsse so sein wie er sich das vorstelle. Eine ziemlich jugendliche Frechheit. Alte ist geschockt, aber, oh Wunder, er willigt ein. Und das Wunder passiert.

Der junge Mann trommelt erstmal die Belegschaft zusammen und fragt:

In welcher Branche sind wir eigentlich Was stellen wir her?

Alle antworten: Wir stellen Lampen . Nachttischlampen. [Pause]. Der junge Mann sagt darauf hin: Falsch. Unser Geschäft ist „Licht“. Nicht Lampen. Der Satz „Licht statt Leuchten“ wird Programm.

Es geht nicht um das Mittel, sondern um das Ergebnis. Das ist das, was den Kunden interessiert. Beispiel: Wenn ein Unternehmen Controlling-Software für Krankenhäuser erstellt, sollte nicht mit Softwarehersteller werben, sondern vielleicht mit „Wirtschaftlichere Kliniken“. Diese Haltung zum Unternehmen, hilft das Ganze ganzheitlicher zu sehen: Nicht nur Software, sondern isbesondere auch die Beratung für Kliniken sufzubauen und u verkaufen. Also, Licht statt Leuchten. So wie Hongkong auch das natürliche Sonnenlicht einzusetzen und zu verksufen und nicht nur die Spotlights aus Lüdenschridt. Q.E.D.

Aus ERCO ensteht einer der renomiertesten und erfolgreichsten Unternehmen in Sachen Licht in Deutschland. Die Erfinder der „Spots“. Das wohl bekannteste Objekt, was sie ausgestattet haben ist die Hong Kong and Shanghai Bank in Hongkong von Norman Foster. Eine Ausleuchtung in einer Kombination aus natürlichem Licht mittels eines Spiegelsystems, das Tageslicht kontrolliert in das haushohe Atrium wirft, und aus künstlichem Licht. Das Gebäude gilt immer noch als Paradebeispiel für geniale Ausleuchtung.

Ich weiss nicht, ob sich die Geschichte exakt so zugetragen hat, aber sie ist einer meiner Lieblingsgeschichten

Ab und zu muss man sich das fragen: In welcher Branche sind wir eigentlich? Es ist sehr wichtig, zu verstehen, in welcher Branche man als Unternehmer man ist. Was man überhaupt herstellt. In einer Art und Weise, die jeder versteht. Das ist manchmal nicht ganz einfach.

Übrigens, ich hatte diese Geschichte vor vielen Jahren mal in einem Gastblog erzählt und hatte einen wunderbaren Kommentar von Herrn Maack bekommen. Ich hatte mich darüber sehr gefreut damals.

Teil der Micro-Serie Enrepreneurs, Einsichten und Eingebungen von und über geborene Unternehmer.

2 Kommentare zu „Was wir von ERCO auch lernen können.

  1. Tja lieber Cem, die besten Geschichten schreibt das Leben! In diesem Sinne ein guten Rutsch in Richtung 2017! Und lass uns doch im nächsten mal wieder Geschichte schreiben ;-). Grüsse aus Kamilari nach Hamburg s.

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