Der andere kleine Junge im Spiegel.

Wie bin ich nur in mich hinein geraten?

Ich war ein stilles und einsames Kind. Manchmal habe ich mich vor den großen Spiegel im Flur hingestellt und mich stumm beobachtet.

entgegen. Spiddelig und rothaarig. Fern und unwirklich im Spiegelbild. Ich hatte oft das Gefühl, als ob ich die Welt wie aus zwei Augenlöchern beobachte. Als ob jemand anderer in mir stecken würde. Ein anderer kleiner Junge..

Ich zog mich immer häufiger in mein Schneckenhaus zurück. Verstummte zunehmend.

Im Sommer legte ich mich rücklings auf den Rasen. Ich hatte dabei immer die Vorstellung an der Decke zu kleben und ins grenzenlose Himmelblau hinein zu fallen. Das war schön. Und etwas unheimlich. Ich stellte mir immer vor, unendlich durch das Weltall zu schweben.

Meine Eltern brachen alle paar Jahre alle ihre Zelte ab und zogen in die nächste Stadt oder ins nächste Land weiter. Das hatte sicher ihre Gründe. Für mich bedeutete es aber: Neue fremde Umgebung, neue fremde Kultur, neue fremde Sprache, neue fremde Schule, neue fremde „Freunde“. Oft genung auch für lange alleinZeit fremd geparkt bei fremden Verwandten. Für mich war zeitweise immer Murmeltiertag.

Ich glaube, sie hatten sich darüber keine Gedanken gemacht. Kinder waren damals keine Menschen. Nur Sachen.

Ich habe immer noch sehr genaue Erinnerungen daran. Manchmal stehe ich noch vor dem Spiegel und sehe den kleinen Jungen, der mich jetzt wieder anschaut. Jetzt erkenne ich ihn aber.

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