Was zum Teufel ist Relaunchr?!?

Christian Scholz hat auf dem Nachhauseweg vom Barcamp Hamburg eine sehr witzige Idee ausgebrütet: Relaunchr. Durchaus sinnvoll bei allem Spass: Es gibt mehr gescheiterte Projekte als erfolgreiche! Siehe auch das Museum of Modern Betas. Ich habe auch immer solche Schnapsideen, wenn ich von der Bar heim komme…

Aber im Ernst, warum scheitern soviele Web 2.0 Vorhaben? Wäre durchaus sinnvoll, mal irgendwo die Fehler praktisch an konkreten geborstenen und zerschellten Projekten aufzulisten und zu diskutieren. Vielleicht ehrlicherweise von den Initiatoren und Entwicklern? Man lernt aus Fehlern.

Ein Beispiel aus der Steinzeit: Ein HTML Element aus frühen Tagen war das Blink element. Sein Erfinder, Lou_Montulli hatte mal damals eine sehr selbstkritische lange Rede zu seinem Scheitern veröffentlicht („the blink tag to be the worst thing I’ve ever done for the Internet“)! Gab es da nicht auch so eine Website dafür???

Statt bei Relaunchr sollte man vielleicht gleich Crematry …

Avantgarde: Die richtige Mischung aus Beginners und Followers

Patrick Breitenbach nimmt Abschied der Avantgarde. Ein sehr schöner Post mit einigen Seitenhieben auch auf das frischabgelaufene Barcamp Hamburg, das mir aber recht viel Spass gemacht hatte. Aber auch Martin Hiegl raisoniert über die Avantgarde vs. den Erfolg

Die Avantgarde ist absolut notwendig. Denn ohne sie gäbe es keine Forschung und keine Entdeckungen. Die Avantgarde ist die Zugmaschine. Das sind die Trapper und Indian Scouts. Sie gehorchen anderen Regeln und Naturgesetzen. Das was sie entdecken, erfinden und finden, das verwerten möglicherweise andere im grösseren Stil „erfolgreicher“ – sprich machen mehr Geld damit. Diese anderen muss es eben auch geben, die im Nachgang weiterhin etwas daraus neues formen und verfeinern. Auch vielleicht neu zusammensetzen. Sich mehr Zeit nehmen, um damit zu spielen. Und vor allem dem neu entdeckten auch Zeit geben zu reifen. Es gibt auch eine Zeit nach dem Beta! Es ist immer die richtige Mischung aus Beginners und Followers. Das Mischungsverhältnis ändert sich aber gelegenlich auch. Jede Zeit hat seinen Mix. Aber zu keiner Zeit möchte ich vollkommen auf eine Avantgarde verzichten.

Nachtrag: Übrigens, Patrick, hast du dir eigentlich Yodeldidüh schon schützen eintragen lassen? Und muss das mittlerweile nicht eigentlich Yodlr heissen?? Wunnebar.

Nachlese: Barcamp Hamburg 07




Barcamp Hamburg

Originally uploaded by owagner

Die zweieinhalb Tage bei gefühlten 60 Grad im Vollwaschgang auf dem Barcamp Hamburg 07 waren recht fruchtbar und motivierend. Nach einer Stunde Vorstellung aller Teilnehmer, ausrufen und abstimmen der Sessions und organisieren des Ablaufs ging es auch schon los. Ich hatte gleich spontan eine Doppelsession im Doppelpack mit Sven Schmidt zu meinem alten Thema Outsourcing, Offshoring und Nearshoring. Sven berichtete sehr anschaulich von seinen gemischten Erfahrungen mit auswärtigen Dienstleistern und mit Service- und Freelancerportalen wie Gulp und eLance. Ich habe dann anschliessend über meine Erfahrungen mit Sourcing berichtet, das Bild im globalen Rahmen skizziert und das Augenmerk auf das Nearshoring gerichtet. Sven, es war sehr angenehm mit dir. Jederzeit wieder. Ich denke, ich werde in den nächsten zwei Tagen zu diesem Thema einen ausführlichen Post hier machen. Verbunden mit einem Angebot an alle Entwicklungsprojekte.

Meine zweite Session habe ich erst am Sonntag halten können. Sorry. Das superschwüle Wetter hat mich am Samstag ganz einfach schlapp machen lassen. Dafür war der Sessionraum aber auch knackevoll. Hatte ich nicht mit gerechnet. Wir haben sehr lebhaft und kontrovers diskutiert über wie das Verhältnis zwischen kommerziellen Anbietern und Nutzern ist.

Bei den Gründern von Qiss, Gregor Melhorn und Benjamin Dageroth aus Magdeburg, war ich das Versuchsobjekt in deren Session „Idea Engineering“. Mit einem überraschenden und erfreulichen Ergebnis. Sollte ich es umsetzen, habe ich den beiden ein Versprechen einzulösen und auch dem nächsten Barcamp Hamburg…

Viele interessante Leute wiedergetroffen und viele neu kennengelernt. Ich habe mich auch sehr gefreut, vielen, die ich hier aus dem Blog kenne persönlich zu begegnen und vielen, die ich vom Namen kenne, kurz zu sprechen. Überraschend viele Auswertige beim barcamp in Hamburg. Manchmal habe ich den Eindruck, es ist wie eine grosse Familie, deren Kern wie eine grosse Karawane mit der Lade durch die Bundeslande von barcamp zu barcamp zieht und ihre entfernten Verwandeten in den entfernten Provinzen und in der Diaspora besucht. Zumindestens vom Wetter haben wir hier mit den typischen Vorurteilen aufgeräumt, dass Hamburg am Polarkreis liegt und es hier dauerregnet. Die Stadt liegt natürlich am Äquator und an der Alster… Dank an die Organisatoren und Sponsoren!

Gute Reports und Nachlesen zum Barcamp Hamburg sind hier in einer ständig nachgepflegten Liste nachzulesen:

Weitere hier. Und Fotos Galore in flickr!

Extra! Extra!: Übrigens, das vielbeachtete Businesskaspershirt von Erik Schulze war das saucoolste Shirt im Camp!…

Eldorado 2.0 oder Die Eroberung der Neuen Welt

Die Eroberer der Neuen Welt, Marco Polo, Kolumbus, Cook, Pizarro, tauschten Glasperlen und billiges Geschmeide gegen die wertvollsten Erzeugnisse der neu entdeckten Nationen und Völkergemeinschaften gegen Gold, Kakao, Kautschuk, Sklaven. Die modernen Eroberer in der Welt 2.0 versuchen es mit Karmapunkten und Micropayments gegen Content, Kreativität und Arbeitskraft…

Die Eroberer der Neuen Welt waren und sind auf der Suche nach dem sagenumwobenen Eldorado, nach den Klunckern der Inkas und Mayas, nach den Clustern aus wertvollen Nutzern, den Communities voller aktiver User. Nach dem Gold 2.0.

Lasst uns das mal genauer betrachten. Immer wieder machen Schlagzeilen über grosse und teure Unternehmensverkäufe die Runde. Die Angaben gehen dabei häufig genug in die Milliarden. Was wird da eigentlich verkauft? Was ist den Käufern soviel Wert? Die Software aus denen die Plattformen bestehen mit Sicherheit nicht, auch nicht das Management oder die Teams der Macher. Das Branding und die aktiven User Communities sind es. Die eingebundene Nutzerbasis, die sich als Zielgruppe für Werbung eignet, als kritische Masse für Abonnements, als Baustein für Erweiterung von eigenen Angebotsportfolios etc. – Es geht um den Bestand und die Struktur von aktiven Nutzergemeinschaften. Und was haben nun diese Nutzergemeinschaften, das Gold 2.0, von solchen Unternehmensdeals? Wie wird ihre Mitwirkung, ohne die diese Deals kaum Sinn gemacht hätten, honoriert? Nada. Niente. Nil. Oder?

In welchem Verhältnis stehen nun die Anbieter zu den Nutzern hinsichtlich der Geschäftsmodelle? Das Fundament ist dabei in allen Modellen ausnahmslos immer die Mechanismen der Social Networks:

  • Nutzer als Kunden (Xing, flickr): Das klassische Modell. Einfach, klar und fair wie ich finde. Basisdienste sind kostenlos. Wer mehr will muss im Abonnement zahlen. Meistens überschaubare Monats- oder Jahresbeträge, die nach Ablauf nicht automatisch verlängert werden. Die Nutzer sind Kunden und werden auch so behandelt. Die Betreiber schaffen eine Community durch guten geldwerten Service.
  • Nutzer als Geschäftspartner (Shoppero, YouTube): Recht frisches Geschäftsmodell, dass noch in den Anfängen steckt. Die Nutzer sind mehr oder weniger am operativen Geschäftserfolg beteiligt, wie bespielsweise an den laufenden Werbeeinnahmen der Plattform. Ob dieses Modell angenommen wird, wird man in der Zukunft sehen. Resultiert in einer Reihe Microzahlungen an Nutzer mit „erfolgreichen“ Beiträgen. Das sind Beiträge, die gerne gelesen, angeschaut oder wahrgenommen werden. Manche sehen darin aber auch einen Anreiz zur Manipulation von Beiträgen. Und die Nutzer sind nicht am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens oder der Gemeinschaft beteiligt. Bei Unternehmensverkäufen, den eigentlichen „Grossen Zahlen“ gingen sie leer aus.
  • Nutzer als Mitarbeiter (Qype u.v.a.m.): Wiederum ein klassisches Geschäftsmodell der WebZwoNullWirtschaft. Allerdings das auch aktuell am meisten diskutierte. Nutzer als Contentlieferanten, als Werber via Buttons, als PR’ler via Blogartikel einspannen bzw dazu motivieren. Als Schneeballwerfer und Kettenreaktionäre im viralen Marketing. Die Betreiber argumentieren mit dem kostenlosen Spass, den sie den Nutzern bieten und verweisen wiederum auf den kostspieligen Unterhalt dieser Plattformen und die unternehmerische, betriebswirtschaftliche, organisatorische Arbeit, die damit verbunden ist. Rechtlich scheint es mir in Deutschland in den AGBs der Betreiber eindeutig geregelt zu sein. Die Kritiker argumentieren mit den Stichwort AAL („Andere Arbeiten Lassen“). Zweifelsohne beiten diese Plattformen den User ihren Spass, sonst würden sie ja nicht mitmachen. Andererseits leben diese Plattformen aber auch massiv von den Beiträgen der User. Sie sind der einzige und eigentliche Content. Der Wert ist aber hier wiederum immer die aktive eingebundene User Community sowie die Reichweite der Plattformen und nicht die „journalistische Qualität“ des Content. Ein potentieller Käufer würde die Community kaufen, nicht den Content. Der Content ist nur der „Kleber“ für die Community.
  • Nutzer als Aktionäre (?): Bisher in der WebZwoWelt noch nicht markant in Erscheinung getreten. Warum nicht die User am Unternehmenswert beteiligen? Warum nicht User-Aktionäre schaffen?? Wie würde ein Commercial Commons ergänzend zum Creative Commons aussehen???

In der reinen Form kommen diese Modelle kaum vor. Mischformen sind die Regel.

Darüber würde ich gerne Samstag auf dem barcamp Hamburg 07 sprechen, offen und gerne kontrovers diskutieren. Vorangegangene Diskussion der Problematik findet sich hier, hier und hier.

Update: Das schwüle Wetter hat mich am Samstag geschafft. Heute am Sonntag versuche ich einen neuen Anlauf auf dem Barcamp Hamburg!

Barcamp Hamburg 07

Barcamp Hamburg 07

Ich bin dabei! Am 09.-10. Juni 2007 in Hamburg. Alles weitere steht im Wiki. Bisher haben schon über 100 Teilnehmer fest zugesagt. Veranstaltungsort ist hier.

Mein Themenvorschlag lautet natürlich: Commercial Commons – Die Antwort auf User Generated Company Value (UGCV)? Kostenlose Inhalte von Nutzern für kommerzielle Webangebote? Bisherige Hintergrundinfo: 1, 2 und 3. Mich interessiert dieses Thema brennend und ich bin gerade dabei etwas auzuarbeiten, das ich gerne kurz in 5-10 Minuten vorstellen möchte und anschliessend gerne kontrovers diskutieren würde.