Altes Arbeitstier


Ich finde es ja beeindruckend, dass ein so grosses und altes Arbeitstier wie diese Maschine mitten in einer Wohngegend steht. Ein Schaufelbagger aus den 20-30’er Jahren. Das genaue Modell habe ich nicht herausbekommen können. Das Stadtteilarchiv Ottensen schreibt über den M 152 der Firma Menck & Hambrock:

Er ist blau, fast 4 Meter hoch, 7,4 Meter lang und wiegt über 40 Tonnen. Etwa 1954 verließ er das Werk in Ottensen und arbeitete zuletzt bei einer Tochterfirma der Philipp Holzmann AG in Würzburg, wo er 1992 ausrangiert wurde.

Menck & Hambrock

Der Bagger, auch „Menckmal“ genannt, steht in Hamburg-Altona, an der Strassenecke Am Born/Nöltingstrasse, im Stadtviertel Ottensen, einem Jahrhundertwende Arbeiterviertel mit ehemals Kleingewerbehöfen sowie vielen kleinen und mittleren Fabrikgebäuden um 1900, die heute als wiederbelebte Kulturdenkmäler und Lofts genutzt werden. Ein kulturell sehr quirliges Viertel.

Mehr Fotos vom Bagger >

Schockwellenreiter Reloaded

Blogmeister Jörg Kantel, der ewige Schockwellenreiter aus Berlin-Neukölln, der durchgängig Dienstälteste in Kleinbloggersdorf, der Doyen des Deutschen Blogger Corps, Master of the Old Fart MP3 Competition, Mister Agility, ladies and gentlemen, please give him a big hand, the Man Himself, unbeirrt von allen Strömungen, Klüngeln und Moden, hat heute Geburtstag! Alle rüber und gratulieren! Das ist ein Befehl! Harzigen Glühstrumpf!

PS: Ich erkläre mich hiermit eigenmächtig zum Zweitältesten.

Vienna, Austria

Don Dahlmann über Wien:

Das fängt zum Beispiel schon mal damit an, dass es in Wien keine „Kamps“ Bäckereien gibt. „Kamps“ ist das Ikea des Brotes.

Made my day.

Übrigens, ich habe sehr schöne Erinnerungen an den 7. Bezirk. Kirchengasse, III Stiege, im Haus mit einem der Ateliers von Alfred Hrdlicka. Ganz lang ist’s her. Ich mag den Dialekt immer noch gerne hören. Und das Mädchen aus St.Pölten damals.

8. Mai 1945


Das Datum markiert die Befreiung vom Nationalsozialismus. Generalfeldmarschall Keitel unterzeichnete im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die Bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht, an dem Tag endete der Zweite Weltkrieg in Europa (V-E Day).

Wir gedenken den Opfern. Unseren Nachbarn, die gedemüdigt, entrechtet, deportiert und ermordet worden sind. Die Stolpersteine mahnen uns daran jeden Tag.

Blähosphäre 07

Warum müssen sich eigentlich immer die gleichen Leute alle zehn Tage irgendwo unter einem riesen Marketinggedöns treffen, sich immer die gleichen Texte in neuer Verpackung um die Ohren hauen, sich dabei ständig gegenseitig in gestellter Coolness abfotografieren, verflickrn und sich anschliessend wechselseitig doppelt und dreifach verlinken, endlos kommentieren oder sich hinterrücks auch noch trackbacken?

Und das in einer immer rasanteren Spirale und in rascherer Folge. Das ist die Soziale Inzucht der Blogosphäre und von WebWasWeissIchWasZwoNull. Dieser Müll stinkt schon aus allen Netzwerken! Hoffentlich platzt diese unsägliche Blase bald!

Ein Abend mit Orhan Pamuk in Hamburg

Orhan Pamuk Hamburg

Es war ein schöner und grosser Abend. Ausverkauftes Haus mit 1.200 Zuschauern. Etwa 20 Bild- und mindestens nochmal ebenso viele Print- und Rundfunkjournalisten im Gedränge vor der Bühne. Zivile Sicherheitskräfte mit Knopf im Ohr in den Gängen und in der Kulisse. Keine (!) kulturpolitischen Vertreter der Hansestadt. Ausser fünf bis sechs stylish schwarzuniformierte hamburger Polizisten, die demonstrativ vor dem Eingang auf dem Bürgersteig abhingen. Kein Bügermeister. Kein Senator.

Die Premiere der Deutschlandtour von Orhan Pamuk gestern abend in Hamburg ist mittlerweile der zweite Anlauf, nachdem der türkische Literaturnobelpreisträger aus Sicherheitsgründen seine Tour vor einigen Monaten verständlicherweise schon einmal abgesagt hatte.

Orhan Pamuk wurde gestern Abend im Deutschen Schauspielhaus von Michael Krüger, seinem Verleger bei Hanser begleitet, der auch die deutsche Texte vorlas, von Hubert Spiegel, dem Literaturchef der FAZ, der süffisant moderierte, und von Recai Hallaç, der übrigens hervorragend mit seiner sonoren Stimme dolmetschte. Eine sehr hochkarätige Runde. Der Übersetzer der Texte von Pamuk, Gerhard Meier, war an diesem Abend leider nicht auf der Bühne vertreten.

Das Publikum war eine gute Mischung aus mehrheitlich hanseatischem Bildungsbürgertum, einem gesunden Anteil Volkshochschülern aus den Kursen „Türkische Literatur“ und „Orhan Pamuk“ sowie einer nicht geringen Anzahl junger intellektueller Frauen und Männer sowie Studenten aus der Türkei, die mit grösseren Freundesgruppen gekommen waren. Schöne Frauen darunter. Pamuks Bücher und Vita waren bekannt, so auch die näheren politischen Umstände, sodass an diesem Abend darüber nicht weiter eingehend diskutiert werden brauchte. Fans und Freunde eben.

Ich habe mich gefreut, das eine oder andere Gesicht aus früheren Tagen wieder zu sehen. Ganz besonders als ich Cornelius Bischoff wiedertraf, den ich seit meinen Kindertagen kenne und lange nicht mehr gesehen hatte. Er ist für mich der grosse Übersetzer aus dem Türkischen, jemand, der ein besseres Türkisch spricht als einer aus der Türkei. Und dabei einer der freundlichsten und warmherzigsten Menschen ist, die ich kenne. Ein grosser Freund Istanbuls. Ein wahrer Istanbuler.

Orhan Pamuk ist ein schlaksiger, etwas linkischer Mann, mit leicht graumelierten Haaren und Brille, etwas an einen Buchhalter erinnernd, helle Stimme gegen den sotto voce des Dolmetschers, kein ausgesprochener Vorleser, aber durchaus faszinierend seinen Ausführungen im Original zu folgen. Überhaupt war es für mich eine besondere Erfahrung, den Abend im Wechsel der beiden Sprachen zu erleben. Es war interessant und auch etwas fremd für mich, mit meinen eigenen Wurzeln und einem wichtigen Teil meiner Vergangenheit in dieser Mischung aus Fragen und Antworten auf der Bühne und Lesungen in Türkisch und Deutsch konfrontiert zu werden.

Eines der zentralen Themen war der „Hüzün“, den Pamuk in seinem Istanbulbuch beschreibt. „Hüzün“, das ist die kollektive latente Melancholie, der leise Blues der Stadt. Diese merkwürdige Stimmung, den Verfall und Niedergang einer grossen Weltstadt zu betrauern, die grosse Vergangenheit von Byzanz, Konstantinopel und das osmanische Istanbul mit Wehmut zu betrachten. Das kenne ich ich auch zu gut. Ein Merkmal aber vielleicht eher der Generation Pamuks, die auch meine ist – Ich bin ein Jahr jünger und sogar aus dem gleichen Stadtteil wie er. Wir entstammen beide einem ähnlichen Milieu. Die heutige junge Generation Istanbuls ist anders drauf.

Interessant auch seine Ausführungen über das Wechselspiel von „Erleben“ und „Denken“, sowie über die verschiedenen Perspektiven beim Schreiben. Ab nächstes Jahr möchte er, als verhinderter Maler aus seiner Jugendzeit, an „seiner“ Columbia Universität als Gastprofessor über das Erzählen in einer gleichwertigen Mischung aus Texten und Bildern in Büchern lehren. Multimedia würden wir heute dazu sagen. Durchaus ein moderner Autor also.

Verständlich, dass Orhan Pamuk sich politisch nicht vereinnahmen lässt:

Meine Aufgabe besteht nicht darin, den Europäern die Türken und den Türken die Europäer zu erklären, sondern gute Bücher zu schreiben.

Er ist Schriftsteller und kein Politiker oder gar Agitator, eine Brückenbauerfunktion zwischen Orient und Okzident lehnt er gleichwohl ab, wiewohl er natürlich eine klare Position hat und dazu steht. Es gibt Stimmen, die ihn als Präsident der Türkei sehen wollen, ähnlich wie der Schriftsteller und mehrfache Nobelpreiskandidat Vaclav Havel erster Präsident der Tschechischen Republik war. Ob er sich das vorstellen kann, wage ich zu bezweifeln. Ob er vorallem bei den türkischen Generälen Bestand hätte erst recht. Aber es würde ihm und dem Land in dieser Zeit sehr gut anstehen.

Der Abend war gelungen. Die Autogrammschlange war kilometerlang und es war viel zu dunkel zum fotografieren mit meinen bescheidenen Mitteln, meiner Handykamera. Also habe ich keine signierte Buchtrophäe oder ein Handyfoto was ich als Beweis hier zurschaustellen könnte. Dafür habe ich für mich einige Wahrheiten mitgenommen. Und ich werde jetzt seine Bücher mit noch kundigeren Augen lesen. Für mich war der Abend eine grosse Bereicherung.

Identity Management: Skepsis und Notwendigkeit

Mario Sixtus interviewt den Identitätssystem-Skeptiker Ralf Bendrath über die Risiken von Online-Identitätssystemen. Nächste Woche ist beim elektrischen Reporter als Ausgleich der Identitätssystem-Architekt Dick Hardt zu sehen und zu hören. Unvergessen seine rasante legendäre Präsentation über Identity 2.0!

Wer eine elegante Lösung findet, um einfach und sicher mit Identitäten im Web umzugehen, der hat das zentrale Schloss für alle Schlüssel im Netz. Im Prinzip geht es dabei um eine Art webweites modifiziertes „Single Sign-on“, um sich als User mehrfaches und teils wiedersprüchliches Hantieren mit Benutzernamen und Passwörtern zu ersparen. Aber auch um Vertrauen und Reputation besser managen zu können. Ich halte die Lösung dieses Problems massgeblich für den weiteren Erfolg von webbasierten Diensten. Aber sagte ich das nicht, glaube ich, schon vor über einem Jahr coram publicum in Düsseldorf …

Nachtrag vom 7.5.2007: Beim elektrischen Reporter ist heute nun auch das zweite Video Dick Hardt über die Vorteile von Online-Identitätssystemen erschienen. ich bitte um die geschätzte Aufmerksamkeit.