Wechselwirkung zwischen Blogging und Microblogging

Mir fällt auf, dass zunehmend starke Wechselwirkungen zwischen Blogging und Microblogging herrschen:

  1. Microblogging löst zunehmend den Feedreader ab. Man sucht, scannt und surft nicht mehr systematisch die Blogs ab. Sondern lässt sich lesenswerte einzelne Artikel ausserhalb der Stammblogs aus dem unüberschaubaren Meer der anderen Blogs empfehlen und findet eher. Der Feedreader seinerseits hatte vor einiger Zeit die Blogroll de facto abgelöst. Heute gilt: Finden statt suchen.
  2. Microblogging treibt Blogs neue Leser zu und erhöht den Traffic. Durch Linktipps in Twitter & Co. von Bloglesern sowie durch „schamlose Eigenwerbung“ (Linkbaits) von Bloggern.
  3. Die Textlänge der Kommentare in den Blogs verkürzt sich. Fast wie auf Message-Länge in den Microblogs. Gelegentlich habe ich sogar in Blogkommentaren #hashtags gesehen. Die Schreibgewohnheiten in den Microblogs färben auf Blogs ab.
  4. Blogs verlieren Kommentare an Microblogs. Zunehmend werden von Blog-Lesern Kommentare zu Blogartikeln ausserhalb auf Microblogging-Plattformen abgesetzt.
  5. Blogs und Microblogs wachsen im Verhalten der Nutzer immer mehr zusammen. Ein interessantes konzeptionelles Experiment, das diesem Verhalten Rechnung trägt, ist 83degrees, dass Tweets als Blogkommentare benutzt. Dadurch entsteht eine extrem virale Verbindung zwischen beiden Medien. Jeder Kommentar wird unter allen Abonnenten des Kommentarautors verbreitet.
  6. Microblogging ist in Wahrheit Micromessaging. Technisch gesehen.

Ich glaube, dass diese Tendenzen sich in naher Zukunft noch mehr verstärken werden und in dieser Melange neue Formen der Kommunikation enstehen.

PS: Ungeachtet dessen ist natürlich ein Blog immer noch die beständige Heimat eines Netizen – Aber der Mix macht es eben. Vergleiche hierzu auch Roberts Gedanken.