Herrenrunde: Chocolate Wednesday

Mit zwei gelernten und formidablen Köchen, Rezepteschreibern und -erfindern sowie Foodstylisten in die beste neue Bar der Welt zu gehen. In Begleitung eines ausgewiesenen Gourmets. Das hat schon was. Vergangene Nacht war ich mit Herrn Paulsen, loco en la cocina und einem weiteren Freund im Le Lion in Hamburg. Und wie in jeder erstklassigen Bar, ist man gut beraten, der Empfehlung und der Kreativität des Bartenders zu folgen. Eine gute Gelegenheit neue Erfahrungen zu machen und sich überraschen zu lassen. Ihm eine Richtung zu zeigen, einen Drink zu nennen, den man gerne mag und dann ihm freie Hand zu lassen, sich daraus inspirieren zu lassen, etwas neues zu kreieren. Das ist uns gestern Nacht auf allerbeste Art gelungen. Wir waren bei der Geburtsstunde eines neuen Cocktails dabei. Und nicht nur das: Wir hatten die Ehre, nein, loco en la cocina hatte das Vergnügen, dem Kind einen Namen zu geben. Herausgekommen ist dabei eine Variation des Old Fashioned, einem der Bar-Klassiker. Das genau Rezept folgt noch. Wobei beispielsweise der Zucker durch Drambui ersetzt wurde und einige weitere kleinere Änderungen. Das Ganze mit erstklassigen Zutaten, die vom Barchef des Abends Mario Kappes gemixt wurden. Der Cocktail hatte eine ganz wunderbare leichte herbe Schokoladenbeinote. Der Name? Gestern war Mittwoch. Deshalb: „Chocolate Wednesday“. Bestellen probieren.

Lounge & Bar 20up in Hamburg

Eine der schönsten Aussichten nachts auf das Lichtermeer der Stadt und den Hamburger Hafen. Ein weiter Blick bis über Bergedorf und die Boberger Dünen im Osten, bis hinten zu den Harburger Bergen im Süden und im Norden weit über Altona hinweg. Tief unten die Elbe, die Docks, die Hafenbecken, Kreuzfahrtschiffe und Barkassen, die Dächer und Strassenschluchten des Amüsierviertels in St.Pauli. Sogar einen Blick auf die roten Lichter der Herbertstrasse kann man von oben riskieren. Ein nächtliches Panorama in Vogelperspektive aus dem 20’sten Stock des Empire Riverside Hotels. Beeindruckend die Lage des Lounge & Bar 20up. Am besten zu geniessen von einem Platz ganz vorne an der Stirnseite des langen schlauchförmigen Raums parallel zum überlangen Bartresen. Einmalig. Damit enden auch schon leider die Superlativen. Sehr schade.

Es fängt an mit dem Empfang. Zwei herrische „Türsteher“ fragen barsch nach einer Reservierung. Dann fordern sie einen auf, die Garderobe abzugeben (Sie „bitten“ nicht). Anschliessend wird man durch die gut gefüllte Lounge zum Platz geleitet. Die Stehtische mit Hocker etwas lieblos. Der Service ist nicht allzu freundlich. Die Cocktails empfand ich als etwas dünn und wässerig. Die Musik ist nicht schlecht. Die Gäste durchwachsen und viel aus dem hamburger Umland. Das 20up verspricht nach Lage und Auftritt exklusiv und hochwertig zu sein, erfüllt dieses Versprechen aber mit Ausnahme der grandiosen Aussicht nicht.

20up und das neue Viertel auf dem ehemaligen Gelände der St.Pauli Bavaria Brauerei stehen für das neue St.Pauli. Nach dem Tod vom ungekrönten Kiezkönig Willi Bartels in 2007 ist das Grosskapital der Immobilienfonds und der Grossinvestoren eingezogen. Das Viertel ändert sich rapide. Der Hafenrand ist begehrt. Die dritte Nachkriegsgeneration bestimmt nun das Spiel: Vom Rotlicht des Paten Bartels (Eroscenter, Herbertstrasse, zahlreiche Stripclubs) nach dem Krieg, über die kreative alternative Szene in der Renaissance von St.Pauli der 80er und 90er Jahre (Schmidts Tivoli, Szenelokale) wandelt es sich immer mehr in Richtung Bauspekulation und schicke internationale Langeweile. Das St.Pauli, für das es mal bekannt war, existiert kaum noch.

Aus dem 20up kann man aber noch einen letzten wehmütigen Blick darauf werfen.

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