Das Beckstein-Register

Muss ich denn einen grünen Halbmond mit „M“ wie „Muslim“ tragen? Oder einen Stempel in meinem Perso mit „I“ wie Islam? Muss ich zur Schniedelkontrolle? Dabei bin ich nicht mal ein Konvertit. Sondern ein geborener. Man sieht’s mir nur nicht an. Muss ich denn dann trotzdem zum Check? Ob Franck Ribéry, der Mittelfeldstar von seinem Haus-, Hof- und Lieblingsverein, auch schon in seinem Register eingetragen ist? Man munkelt die Eva wird seine Pressespecherin vielleicht… Was haben wir wieder falsch gemacht, Herr Beckstein? Nicht, dass wir alle nachher dort im Register landen.

Ich werde demnächst mal einige Zeilen darüber schreiben wie ich mich als sehr gemässigter und sehr liberaler Muslim in Deutschland fühle. Ein ganz normaler Nachbar. Das schwebt mir schon seit vielen Jahren vor. Jetzt ist ein guter Moment dafür. Einige Worte vielleicht. Private. Persönliche.

Update: Morgen mit Sonnenaufgang fängt übrigens der Ramadan an, der islamische Fastenmonat. Er endet am Abend des 12.10. und im Anschluss daran das dreitägige Fest des Fastenbrechens (im türkischen das „Zuckerfest“). Eines der zwei höchsten Feste der Moslems. Das andere ist das Opferfest, in Gedenken an Abraham, der bereit war, seinen Sohn Isaak für Gott zu opfern.

Konvertitenkontrolle (Update)

Terror-Gefahr in Deutschland laut Spiegel-Bericht:

Bayerns Innenminister Beckstein will jetzt den Religionswechsel kontrollieren und Menschen überwachen, die Muslime werden.

Ohne Worte. Der neue deutsche McCarthyismus.

Update [09:30]: Herr Beckstein, überwachen Sie schon Franck Ribéry, Mittelfeldstar des FC Bayern München? Franck Ribéry konvertierte im Jahre 2002 zum Islam. Sein muslimischer Name lautet Bilal. Seine Frau, Wahiba Belhami, stammt aus Algerien.

Mügeln: Trauriger Normalfall

Der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer in einem Interview mit der tagesschau.de zum Thema Programme gegen Rechts und ihre Kritik anlässlich der Hetzjagd auf Inder in Mügeln, Sachsen:

tagesschau.de: Wie schätzen Sie die Hetzjagd in Mügeln ein?

Heitmeyer: Dies ist ein trauriger Normalfall. Als Konsequenz muss der Blick nun endlich auf die Stadtgesellschaften gerichtet werden, denn die feindseligen Mentalitäten werden vor allem von den Älteren vertreten – und die Jüngeren bringen dann die Gewalt ins Spiel. Und dann wird eine Gesellschaft plötzlich nervös. Was die Älteren an Denkmustern jeden Tag am Stamm- oder am Abendbrottisch transportieren, das wird überhaupt nicht thematisiert. Es geht nicht darum, sich gegen rechtsextreme Gruppen zu versammeln, sondern die Stadtgesellschaft ist das Problem. Wenn man die Älteren nicht mit ins Boot bekommt, dann hat man ganz schlechte Karten.

Die Analyse von Heitmeyer ist interessant. Obwohl viele Risikofaktoren im Osten eher gegeben zu sein scheinen, können die rassistischen Ereignisse ähnlich und überall in ganz Deutschland geschehen. Dass „die Alten“ und ihre Stammtischparolen den Nährboden für gewaltbereite Jugendliche aufbereiten und die Hemmschwelle in deren Köpfen für Gewalt und militanten Rassismus senken, ist kein regionales Problem. Davon kann man sich jedes Wochende in den Bundesligastadien überzeugen. Auch auf dem Rasen, übrigens.

ThinkTank zu Crowdsouring, Crowdwisdom und Crowdfunding

Je mehr Erfahrung ich in Crowdsourcing bekomme, desto mehr habe ich Lust, diese Wirtschaftsform zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen. Als Mensch der Old Economy hat mich das Web in den letzten 6-7 Jahren immer mehr verändert. Zuletzt immer schneller. Mir ist der Glaube an das herkömmliche Management und die Geschäftsmodelle mittlerweile ziemlich abhanden gekommen. Dabei frage ich mich, ob ich sie denn tatsächlich je hatte. Die Geschäftsmodelle des Web 2.0 allerdings halte ich bisher auch nicht so für nachhaltig, ehrlich gesagt.

Crowdsourcing, Crowdwisdom und Crowdfunding sind mir mehr als sympatisch. Sie beleben in mir wieder alte, längst verschütt geglaubte basisdemokratische Werte von den Barrikaden und Gräben vom Anfang der 70er Jahre meines studentischen Lebens. Peer-to-Peer Netwzwerke gefallen mir. Flexibilität und Konfigurierbarkeit von sozialen Netzwerken gefallen mir. Die verteilte Intelligenz von Netzwerken gefällt mir. Die geografische Omnipotenz der Netzwerke gefällt mir. ich glaube, man kann sehr viel mehr mit Crowds machen als nur die Wikipedia. Daniela, danke dir für diese Worte, die du wieder an die Wand geschrieben hast:

First they ignore you.
Then they laugh at you.
Then you win.

Ghandi

Ähnliches widerfährt mir seit mehr als dreissig Jahren, jedesmal wenn ich etwas neue anfange.

StartupWeekend ist das erste Experiment dazu. Unter Laborbedingungen sozusagen. Mein eigener Drache schlummert in der Schublade und wird demnächst erwachen. Mein ThinkTank dröhnt schon satt und voll während ich langsam die Drehzahl erhöhe…

PS: And Jason says: „and the world is full of scared opportunists…“

The Henry Rollins Show: America Is Under Attack

Turn up your volume, punks! Henry Rollins is teeing off: Keep the Internet Free:

Freedom is under attack. Under attack by hysterical and well funded Christian psychotics, intellectually undernourished leaders who lie and manipulate information, overfed Baby Huey coward bitch motherfuckers like Karl Rove and their suck up weakling apologists like Sean Hannity. To question authority is to be somehow unpatriotic, unAmerican and in league with terrorists worldwide? Fuck you.

With even election results becoming more and more questionable, The Constitution a thing to be manipulated, ignored and frivolously amended, even Democracy itself seems to be on the run.

Where’s one place you can go and tell your version of the truth, rail against liars, fakes and propagandists with your own unique propaganda, sign your name to it and let the world know how you feel? That’s right, the internet. Perhaps responsible for the most substantial shifts in culture in the last several decades. There is so much freedom and potential on the World Wide Web that one is barely able to get one’s head around it.

Who in their right mind would to dare to regulate or charge websites to be on the internet? Who would dare to rain on a parade so fantastic that many of us wouldn’t know what to do without our high-speed connection and our lives on the internet?

Actually some very powerful forces. Telco companies want to make you pay for your site to be carried on the internet. If you can’t afford to pay, guess what? That’s right–you’re cyber history pal. The Bush Administration wants major internet and phone companies to keep track of where their customers surf, all in the name of the War On Terror don’t ya know. How much do you want to bet they want the internet regulated, contained and thrown into a cell in Guantanamo Bay?

For a country that talks so much about freedom being on the march, seems to me that some people want anything but. If they come for your freedom you must not only resist, you must strike back with a vengeance that will stun them. On this front, if your anger and outrage are not at the forefront then you’re already dead. Dead to me, anyway. Fuck these cowards, these traitors, these enemies of Democracy.

Never relent.

Henry Rollins is God. Believe me. This guy rocks. Never relent. Never ever. Schäuble 2.0, do you hear me?

Das Recht eines Standes

In den Kommentaren von einem Artikel bei Robert, hat sich eine Diskussion um das Verständnis von Standesrecht des Rechtsanwaltberufs in Deutschland entwickelt. Viele Freie Berufe wie Ärzte, Rechtanwälte oder Steuerberater kennen in Deutschland ein Standesrecht.

Standesrecht ist in meinen Augen nicht mit der Verfassung vereinbar. Es schafft Rechtsräume ausserhalb des allgemeinen Rechts. Standesrecht ist in meinen Augen vollkommen überkommen, gehört ins dunkle Mittelalter und ist zutiefst undemokratisch.

Standesrecht dient heute nur dazu, die Angehörigen und Mitglieder seines eigenen Standes zu bevormunden, die Vorrechte der Standesmitglieder gegenüber gegenüber Nicht-Mitgliedern abzusichern sowie Fehler, Unzulänglichkeiten, Dummheit, Betrug und sonstige kriminelle Handlungen ihrer Standesmitglieder der Öffentlichkeit, dem ordentlichen Recht und der Demokratie zu entziehen. Ferner ist Standesrecht das Instrument mit dem Altvorderestandesmitglieder ihre jüngeren Standesgenossen in Schach halten.

Das Recht eines Standes wurde am 14. Juli 1789 erstmalig abgeschafft. Offensichtlich sind einige Stände dabei bis heute übersehen worden.

PS: Das gleiche könnte ich auch von der Selbstherrlichkeit der Sportgerichte der deutschen Sportverbände sagen. Beispielsweise dem DFB Sport(-Laien-)gericht.

Für Salman Rushdie

Navid Kermani ruft auf:

Erklärung deutschsprachiger Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu den neuerlichen Drohungen gegen Salman Rushdie

Das ist so seit 1989, und das bleibt so: Wenn Salman Rushdie gedroht wird, wird jedem Schriftsteller gedroht. Wenn Rushdie mundtot gemacht werden soll, geht das jeden Schriftsteller an, der die Menschenrechte und die Literatur verteidigt, und für den die Freiheit der Kunst ein nicht verhandelbares Gut ist. Wir müssen nicht gut finden, was ein anderer sagt, schreibt, denkt – aber um unserer eigenen Freiheit willen müssen wir es ertragen. Und gerade als Schriftsteller müssen wir denen zur Seite stehen, denen das Wort verboten werden soll, gleich welcher Literatur, welcher Kultur sie angehören. Deshalb verurteilen wir die Drohungen, die anläßlich der Verleihung der britischen Ritterwürde an Rushdie von offiziellen und nichtoffiziellen Stellen im Iran und in Pakistan gegen ihn laut geworden sind.

[via und hier und lese dazu hier]

Nico ist zornig!

Zurecht. Das ist an Selbstgefälligkeit und Arroganz nicht zu überbieten.

Hier ist eine gute Alternative: 23 aus Kopenhagen. Mich kann dort jeder unter meinem UserNamen Cem kontakten. Wir sehen uns gerne auf der anderen Seite.

Interessanterweise, ist von der Thermik in diesem Thema bei den amerikanischen Bloggern, A- bis Z-Liste, überhaupt nichts zu lesen. Die scheinen das Ganze überhaupt nicht mitbekommen zu haben oder sie haben es nicht verstanden oder es ist ihnen egal.