Der Mann der Friseuse. (Frankreich, 1990).

Wie gerne würde ich diesen Film wieder sehen. Le Mari De La Coiffeuse. Der Mann der Friseuse. Mit dem wie immer grossartigen Jean Rochefort und der sensiblen, sinnlichen und leicht melancholischen mediterranen Anna Galiena. Ein leichter und stiller Film über Liebe, Romantik, Erotik. Und viel arabischer Musik. Eine amour fou. Mit einem traurigen Ende. Ein Märchen.

Der komplette Film im französischen Original mit englischen Untertiteln ist auch auf Youtube zu sehen. In sieben Teilen. Ich habe ihn mir aber heute auf amazon bestellt.

Almanya – Willkommen in Deutschland

Almanya ist ein wunderbarer, warmherziger, zärtlicher und wahrhaftiger Kinofilm über das Gefühl, als Türke in Deutschland zu leben und zu arbeiten und nach 40 Jahren als Grossvater und Familienoberhaupt mit seiner eingebürgerten Familie wieder in die „Heimat“ zu fahren. Amüsantes Spiel mit den Klichées. Gute Schauspieler. Gute leichtfüssig erzählte Geschichte ohne sozio-kulturellen Ballast und ohne erhobenen Zeigefinger. Eine wechselsvolle Familienkomödie von den Schwestern Yasemin und Nesrin Şamdereli zwischen vorsichtiger Annäherung, Integration und Assimilation. Eine Melange mit Tempo und auch mit Tiefe. 100 Minuten Spass. Sehenswert.

Schön ist die Situationskomik, die nie platt wirkt, die überraschenden Zeitsprünge, der Sprachwitz und vor allem die vielen verschiedenen Sprachebenen in „Deutsch“, „Türkisch mit Untertiteln“, „deutsch-türkischem Mischmasch“ und der „Deutsch-Lautmalerei“ wie ihn die anfangs deutsch-unkundigen Türken verstehen. Gegen Ende des Films wird es surreal, die Zeitebenen verschmelzen sich auf wundersame Weise und die Helden, Kleine wie Grosse, begegnen sich. Eine schöne intelligente Komödie ohne in Plattitüden zu verfallen. Sehr viel gelacht und auch mal heimlich eine Träne verdrückt. Ich bin ein Fan geworden.

Danke liebste Resi, dass du mich heute ins Kino geschleppt hast!

Nachtrag: „Die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, Regisseurinnen von „Almanya- Willkommen in Deutschland“, erzählen von ihren persönlichen Kindheitserinnerungen in Deutschland und der Türkei, von der Bedeutung des Weihnachtsfestes für ihre Familie und welche Erfahrungen in den Film eingeflossen sind.“

Bücherbogen Am Savignyplatz in Berlin

Architektur. Kunst. Grafik. Design. Fotografie. Film. Bühne. Tanz. Kostüm. Mode. Modernes Antiquariat. Berlins schönste und reichhaltigste Buchhandlung zu diesen Themen. Und vielleicht nicht nur Berlins. Herrlich zum Stöbern und Entdecken. Hier gibt es Bücher, die es sonst kaum gibt. Und zwar geballt. Das Fatale an diesem Laden: Man kann nicht rausgehen, ohne mindestens einen dieser wunderbaren Bildbände gekauft zu haben. Dafür hätte ich fast einen Punkt abgezogen.

PS: Der Lokalreporter schreibt, selbst ein Karl Lagerfeld würde hier seinen Tagesbedarf an Bilderbüchern decken. Und das heisst schon etwas. Der Mann hat einen Riesenbedarf an Inspiration.

Buster

buster1Mein absoluter Held aus der Stummfilm-Ära. Buster Keaton. Diese Aufnahme ist entstanden unter der Brooklyn Bridge in New York City im Sommer 1964 während der Dreharbeiten zu Samuel Becketts „Film“. Ich hatte ihn mal vor sehr vielen Jahren im Fernsehen im Nachtprogramm gesehen. Ein absurder Slapstickstreifen nach dem Skript des grossen irischen Schriftstellers. Das Foto hat der Cartoonist Alex Robinson im Nachlass des Grossvaters eines Freundes gefunden.

Filmstoff

Wo ich Herrn Merlix‚ augenzwinkernd handgeschriebenes Horoskop der Woche regelmässig unregelmässig so lese, frage ich mich jedesmal, ob Sternendeuter nicht doch irgendwie damit Schicksal spielen. Ein Horoskop nicht als Vorherschau der Möglichkeiten, sondern als selbsterfüllende Prophezeiung. Gar als ein subtiles Machwerk, um sich und sein Umfeld in die gewünschten Bahnen zu lenken. Als eine kleine Manipulation und Weichenstellung zu Liebe, Geld und Gesundheit in seinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis. Ein Nebensatz hier und da. Eine winzige Wendung in der Wortwahl. Schon zupft man leicht am Schicksalsfaden in die ersehnte Richtung. Strippenzieher in der Comédie Humaine. Die Versuchung wäre gross, bestimmte Sternzeichen zusammen oder auch auseinander zu bringen. Als Lenker im Hintergrund. White magic. Or black.

Doch Herr Merlix ist zertifizierter Astrologe und unbestechlicher Herr der Zahlen und Tabellen. Und moralisch von höchster Reinheit. Ich weiss das. Ich kenne ihn. Sowas macht er nicht. Niemals. Im alten Babylon und im Ägypten der Pharaonen bis hin zum zaristischen Russland war das aber durchaus nicht unüblich…

Es wäre ein grossartiger Stoff für eine Novelle oder einen Film in der Jetzt-Zeit. Der Astrologe des Lokalblatts als Drehbuchautor des Lebens in seinem Viertel. Daraus ergäben sich fantastische Geschichten über Irrungen und Wirrungen. Passend dazu die Musik von Robert Plant und Allison Krauss mit folgenden Worten.

Der Film: Der Baader-Meinhof-Komplex

Als am 18. Oktober 1977 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden wurden, endete die erste Generation der RAF, der ersten deutschen Stadtguerilla. Ulrike Meinhof hatte sich schon einige Monate zuvor in ihrer Zelle erhängt. Ich war damals 24 Jahre alt.

Ich gebe zu, dass ich zunächst ziemlich skeptisch war, als ich mich in den Kinosessel setzte. Die beiden bisher bekannteren filmischen Vorgänger zum Thema, Stammheim (1986) von Reinhard Hauff und Deutschland im Herbst (1978, unmittelbar nach den Ereignissen), waren schwere Kost gewesen. Dramaturgisch waren das Prozessaktentheater und engagierter Dokumentarfilm. Der Baader-Meinhof-Komplex hat mich jedoch sehr positiv überrascht. Grosses Kino.

Der Baader-Meinhof-Komplex erzählt die Geschichte der ersten Generation der RAF, ihre Vorgeschichte und die Hintergründe nach einem Buch von Stefan Aust, der übrigens auch die Vorlage zum Film „Stammheim“ lieferte. Die Geschichte wird konsequent aus der Perspektive der RAF-Mitglieder gezeigt. Ohne Anbiederung, ohne Schnörkel, ohne klare Helden, Identifikationsfiguren, Sympathieträger. Der Film erinnerte mich in seiner Haltung stellenweise an Filme in der Tradition wie „Z“ von Costa-Gavras. Politisches Kino.

Der Baader-Meinhof-Komplex erzählt eine der grossen modernen deutschen Geschichten, einen Mythos. Er zeigt die Motive der Handelnden. Ihre Leidenschaften. Ihre Konflikte. Aber auch ihren Irrsinn und das Morden. In einem rasanten Strom von Ereignissen und Szenen.

Eine äusserst komplexe und vielschichtige Geschichte der polischen Gewalt. Lauter einzelne Puzzleteile aus den Geschichten der einzelnen Personen und der Zeit, die in einem grossen Spannungsbogen auf ihr gewaltsames Ende zulaufen. Er zeigt viele Szenen der Gewalt, die zu dieser Geschichte gehören, direkt und ohne hollywoodhaft voyeuristisch zu wirken. Gut erzähltes deutsches Kino.

Der Film zeigt aber auch die Politisierung und eben auch die Radikalisierung der damaligen Jugend und Gesellschaft. Ein merkwürdiger Kontrast zu der scheinbar unpolitischen heutigen Weichspüler-Zeit. Auch damals übrigens herrschte eine Grosse Koalition. In den Siebziger Jahren lagen die Anfänge eines modernen Polizeistaates mit Rasterfahndung per Computer und systematischer Überwachung.

Verblüffend die Ähnlichkeit der Schauspieler mit ihren realen Vorbildern, bis in die kleinen Nebenrollen hervorragend besetzt, durchgängig stimmig die Details, die Originalschauplätze, die Sprache, die unterlegte Pop- und Rock-Musik der Zeit, die ganze nachempfundene Atmosphäre der Ära. Unauffällig Perfekt. Fast beiläufig.

Grossartig die drei Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu (Baader) als geltungsbedürftiger und antiautoritärer Anführer, Martina Gedeck (Meinhof) als Intellektuelle mit scharfem Verstand und ganz besonders Johanna Wokalek (Ensslin) als kompromisslose Leidenschaftliche. Regisseur Uli Edel (Christiane F., Letzte Ausfahrt Brooklyn) hat eine schwierige Geschichte in Bilder umgesetzt und ohne allzu grosse Erklärungen mitnehmend erzählt. Ich bin gespannt, wie diejenigen, die diese Zeit selber nicht miterlebt haben, diesen Film, seine Geschichte und die Zeit verstehen werden.

Der Baader-Meinhof-Komplex soll als deutscher Beitrag für den Oscar nominiert werden.

Update: Der Baader Meinhof Komplex – Extended Trailer bei den fünf Filmfreunden.
Update: Pepe Wietholz und bosch haben den Film auch bereits gesehen.
Update: Anke Gröner kommt zu einem etwas anderen Schluss als ich.