Die aktuelle Gesellschaft in der Türkei.

Ich empfinde die gegenwärtige Gesellschaft in der Türkei zunehmend als erzreaktionär, als rassistisch und sexistisch, homophob, nationalistisch und chauvinistisch, höchst intolerant gegenüber jeder Abweichung und als feindselig gegenüber allen anderen Kulturen. Selbst in gebildeten Kreisen.

Eine Art von Bunkermentalität also.

Und sie alle halten sich für den Nabel der Welt. Die meisten haben keinen Reisepass und haben kaum oder nichts anderes von der Welt gesehen.

Dank RTE. Das war schon mal anders.

Wir erreichen die Türkei nicht mehr. Wir haben sie verloren. Wir, die Europäer und die westliche Welt..

Sind Diktatoren aber einmal an der Macht, vergiften sie das ganze Land und das Volk moralisch auf Jahrzehnte auch weit nach ihrem Tod.

Die Demokratie ist in der Türkei erloschenDie Türkei ist nun ein einziges Gefängnis geworden. Ein ganzes Volk ist in Isolationshaft genommen. Was sagt Europa? Was macht Europa?

Leute, die korrupte Diktatoren wählen, sind keine Opfer sondern Komplizen.

Bei Facebook sind sehr viele seiner Anhänger, Büttel, Schergen und Wähler. Sie denunzieren,sie schüchtern ein, sie bedrohen, sie verfolgen und sie entwürdigen andere.

Noch ein Wort vor dem Anpfiff

Fussballnationalmannschaften sind auch Spiegelbilder der Gesellschaft. In Südafrika läuft in wenigen Stunden ein sehr junges, spielfreudiges, kreatives und starkes Team auf, das Deutschland nicht nur sportlich, sondern auch die multikuturelle Realität und Einheit im Land widerspiegelt. Neben den deutschen Leistungsträgern spielen Hochleistungsfussballer mit Migrationshintergrund aus Polen, der Türkei, Ghana und weiteren Ländern. Sie alle stammen und spielen noch in der Bundesliga. Sie alle sind in Deutschland geboren oder fussballerisch hier aufgewachsen. Die Mannschaft wirkt wie aus einem Guss.

Zu keinem Zeitpunkt vor oder während der Weltmeisterschaft in Südafrika habe ich in der Öffentlichkeit ein abfälliges Wort über die Herkunft einiger Spieler gehört. Im Gegenteil, die Berichterstattung, auch von den einschlägigen bebilderten Revolverblättern,  ist überaus positiv. Auch in den Gesprächen, die ich so auf der Strasse, in der U-Bahn oder auch bei der Arbeit zufällig mitbekomme, herrschen die gleichen Stimmungen und Meinungen.

Die Migranten der zweiten und dritten Generation sind angekommen. Das erfüllt mich mit grosser Freude und Stolz. Sie haben zu den von manchen als typisch deutsch bezeichneten Charaktereigenschaften wie Fleiss, Zuverlässigkeit, Präzision auch den Spritzer Frische, Kreativität und Intuition mitgegeben. Das ist gut. Nicht nur für den Fussball. Sondern auch in der Gesellschaft. Ein multikuturelles Team, das sich gut versteht und akzeptiert, ist robust, optimistisch, überraschend und reich an Ideen. Sie vereint in einer raffinierten Mischung das Beste aus allen Welten aus dem eigenen Land.

Wie ein guter Cocktail. Unschlagbar gut.

Deswegen glaube ich, dass heute Nachmittag die deutsche Mannschaft die Engländer auf dem Rasen schlagen wird. Während die englische Presse und Öffentlichkeit immer noch dem ewig gestrigen Deutschlandbild voller Ressentiments nachhängt und nicht gemerkt hat, oder nicht merken will, dass sich die deutsche Gesellschaft vollkommen verwandelt hat in den letzten 20-30 Jahren.

Freuen wir uns auf einen schönen, fairen und erfolgreichen Kick!

Update: Chronistenpflicht: Deutschland hat gegen England 4:1 gewonnen. Super!

Die Gesellschaft ist tief in ihren Katakomben im Umbruch.

Am Sonntag nach der Bundestagswahl sehen wir, wo wir ungefähr stehen. Ich glaube, am Sonntag wird es eine Veränderung geben. Vielleicht sogar eine Überraschung für viele. Ich glaube, am Sonntag wird auch für Deutschland das vergangene 20. Jahrhundert endgültig zu Ende gehen.

Es rumort schon lange in der Gesellschaft. Eine neue Generation mit frischen eigenen Ideen steht ungeduldig bereit. Ideen und Konzepte und vorallem einer Haltung, die durch das Web mitgeprägt ist. Es sind nicht die Nerds und Geeks einfach, wie mancher vermutet. Es sind nicht einfach die Piraten, die sich so schön in eine Ecke stellen lassen.

Es ist eine Generation, die selbstbewusst und über viele Parteigrenzen hinweg, in allen Parteien und ausserparlamentarischen Gruppierungen allmählich erkennt, dass sie die Gesellschaft verändern kann und muss. Während die Gestrigen mit den Ideologien und Parolen von vorgestern vorgeben, die Probleme von heute und morgen zu lösen und eigentlich nur auf Machterhalt aus sind. Das wird keinen Bestand haben können auf Dauer. Die neue Generation, die entschlossen ist, die politische Landschaft von innen und aussen zu verändern. Es wird ihr gelingen. Es bleibt ihr nichts anderes übrig. Wie jede Revolution und wie alle Jungtürken kommen sie von unten. Am Sonntag nach 18 Uhr wissen wir mehr.

Versteht diesmal euer Wahlrecht als eure Pflicht zu Veränderung und zum Aufbruch.

 

Tuxamoon: Online Magazin über Gesellschaft und Kultur

Während im Web noch über das Für-und-Wider von (deutschsprachigen) Online Magazinen diskutiert wird, hat Hermann Keldenich (@hermann) in Köln schon längst Tatsachen geschaffen: TUXAMOONmagazine. Recht professionell gemacht, schön anzuschauen und interessant zu lesen. Jedem ans Herz und auf’s Auge gedrückt. Demnächst möglicherweise mit einer Community auf Laconica/identi.ca-Basis. Gehört auf jeden Feedreader von gesellschaftlich kulturbefliessenen Bildungsbürgern des Web!

Das Leben ändert sich

In den letzten 10-20 Jahren hat sich Leben in der Gesellschaft stark verändert im Vergleich zu den Jahrhunderten davor. Gerade in den vergangenen 5 Jahren hat es nochmal einen starken Veränderungsschub gegeben.

Zwei Trends fallen mir auf. Einerseits die Atomisierung der Gesellschaft in die Einzelnen, andererseits die stärkere Vernetzung der selben Akteure. Das, was Webbies im Netz als neue Avantgarde mit den Sozialen Netzwerken vorführen, kann man ebenfalls ausserhalb des Netzes in technologiefernen Gesellschaftsbereichen beobachten. Auflösung und neue Zusammensetzung in grössere, komplexere Gebilde. Langjährige Partnerschaften oder Freundschaften wandeln sich um in losere, aber umfangreichere Beziehungsgeflechte. Man deckt seine Bedürfnisse nicht bei einigen wenigen ab, sondern sucht und findet sich je nach Einzelaspekten in einem grösseren gesellschaftlichen Raum. Beruflich wie auch privat. Die Stärke der einzelnen Verbindungen im Gefüge wechselt ständig. Aber ohne, dass die Beziehungen wirklich beendet werden.

Die Gesellschaft ist liquide geworden. Wie das Web.

Bekanntschaften, Freundschaften, Liebe, Sex, Partnerschaften, Ehen wie auch Jobs, Aufgaben, Aktivitäten haben eine deutlich kürzere Lebensdauer als früher. Ob das Internet damit zu tun hat, kann ich nicht sagen. Oder ob das Internet der Spiegel der Gesellschaft ist. Wahrscheinlich ist beides nicht ganz falsch. Nicht richtig dagegen, wäre zu behaupten, diese Beziehungen wären dadurch oberflächlicher. Das glaube ich gar nicht. Im Gegenteil. Traditionalisten mögen diese Veränderungen als Bedrohung für sich und für ihre Gesellschaft als Ganzes empfinden. Ich sehe sie als Chance zu einem intensiveren und freieren Leben. Dass daraus Konflikte in der Gesellschaft entstehen, ist verständlich.

Wir leben mittlerweile in einer anderen Welt, als die, in die wir hineingeboren wurden. Und das ist gut so.

Nachtrag: Vergleiche auch komplementär dazu diesen hervorragenden Beitrag des elektrischen Reporters: Clay Shirky über die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet.

Nachtrag 2: Paul hat diese morgendlichen Gedanken in seinem Blog weitergeführt. Seine Überlegungen beziehen sich hauptsächlich auf virtuelle Netzwerke. Unglücklicherweise in Englisch :-) [Irgendwie funktioniert sein Trackback nicht]

Die 10 glücklichsten Länder der Welt

Bei chronischer Depression empfehle ich einen Urlaub in Dänemark.

Zu diesem Schluss komme ich jedenfalls laut der kombinierten Liste der voneinander unabhängig durchgeführten Studien der britischen University of Leicester und der Erasmus University in Rotterdam: 

  1. Dänemark
  2. Schweiz
  3. Österreich
  4. Island
  5. Bahamas
  6. Finland
  7. Schweden
  8. Bhutan
  9. Brunei
  10. Kanada

Deutschland liegt je nach Studie etwa bei Rang 20 bis 30. Bei negativer Tendenz.

Das Web ist nur der Teilchenbeschleuniger

Julius Endert vom Handelsblatt hat erkannt, dass der klassische Journalismus die Zeichen der Zeit nicht erkennt:

Die Position der klassischen Medien ist bedroht. Doch nicht Onlinemedien schlüpfen in die Rolle von Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern, sondern die neuen sozialen Netze im Internet.

Grosser Text. Abgesang auf das Papier? Ich glaube, eher auf die Köpfe dahinter.

Ich spüre überall einen grossen Generationenwechsel. Alle 20 Jahre gibt es eine grosse Änderung der Geisteshaltung in der Gesellschaft. Wir sind mittendrin in einem aktuellen Umbruch gerade. Die Veränderungen im Journalismus und bei den Verlagen sind nur ein Aspekt davon. Es betrifft alle Lebenslagen. Es erfasst langsam alle und alles. Am Ende dieser Metamorphose wird es eine neue Gesellschaft geben. Schneller und radikaler als je zuvor eine Änderung stattgefunden hat. Das Web ist nur der Teilchenbeschleuniger des Ganzen. Es sind die Köpfe, die sich ändern.

’48, Wiederaufbau und Neubeginn. ’68, Rebellion gegen das Establishment. ’88, Hedonismus und Yuppies. 2008,…