Radieren im Internet?

Think!

Ich habe festgestellt, dass wenn man eine Weile nicht mehr gebloggt hat, wie ich zwei Jahre lang, verschwinden doch eine recht grosse Menge der Informationen aus den Suchmaschinen wieder bzw. rutschen ganz ganz tief in die hintersten Suchränge, ins Fast-Nirvana. Natürlich könnte ich oder jemand anderer den Scheiss per Waybackmachine irgendwie wieder zurück holen.

Gut wäre ja im Gegenzug auch ein Art von Bleacher-Eraser-Washer-Cleaner-Shredder-Service für’s Internet, ein „Rub-and-Out“ aus den Annalen des Web! Muss nur noch erfunden werden. Start your companies, entrepreneurs! … Für diese Idee bitte 2% der Aktien an mich, denn 98% sind Blut, Schweiss und Tränen!

Etikett erstellt mit dem Warning Label Generator.

Dumpfbacken

Thomas Knüwer vom Handelsblatt hat in seinem Blog einen längeren Roman als Eintrag geschrieben. Lesenswert. Er beklagt darin zurecht die Dumpfheit und Unsicherheit von Deutschlands Entscheidern mit der Internetökonomie.

Ich behaupte sogar, Deutschlands Entscheider in Grossunternehmen sind eigentlich nur an ihren Karrieren interessiert. Weniger an Innovationen. Fast allen fehlt es an Gefühl für die globalen Entwicklungen. Ein wichtiger Faktor ist auch – man mag es kaum glauben – die meisten beherrschen kaum eine Fremdsprache bzw interessern sich nicht dafür. Damit schneiden sie sich ab von aktuellen Trends und Entwicklungen. Sie nehmen kaum an der weltweiten Diskussion teil. Oder kennt jemand inspirierende Reden, Engagements oder Diskussionsbeiträge von Siemens, Telekom oder Deutsche Bank?

Ganz anders die Welt links vom Rhein oder rechts von der Elbe. Deutschlands Entscheider sind nicht international. Waren es auch nie.

User Generated Company Value (2)

Lange Rede (Teil 1) kurzer Sinn: Warum eigentlich nicht die Nutzer, die durch ihre (bisher) kostenlose Mitarbeit einen entscheidenden Anteil am Unternehmenserfolg haben, angemessen am Unternehmen beteiligen? Warum sie nicht bei operativen Gewinnen oder insbesondere beim Verkauf des Unternehmens beteiligen? Aktien an die Nutzer! Shares for Users!

Contentlieferung ist Arbeit. Neben Kapital und Innovation einer der drei Faktoren der Internetökonomie.

Wie würde denn so ein Geschäftsmodell aussehen? Was wäre denn ein „angemessenener“ Anteil? Gibt es denn schon irgendwo diesen Ansatz? Cambrian House behauptet von sich, das erste Web 2.0 Unternehmen zu sein, dass seine Nutzer über Aktien am Unternehmenserfolg beteiligt. Was sich zunächst sensationell anhört, ist bei näherem Hinsehen, Augenwischerei und wie ich finde ein Marketing-Gag: Es stellt gerade mal 1% seines eingetragenen Aktienkapitals dafür zur Verfügung. Schlau, aber nicht klug. Beworben wird das Ganze mit einem stylishen Button einen modischem keulenschwingenden Vikinger (Der Kambrier) in grün-orangen mit der Tagline: „I own this company!“

I own Cambrian House, Home of Crowdsourcing

Nutzer wollen keine Karmapunkte oder Sternchen ins Klassenbuch. Nutzer wollen Aktien! Nutzer, die einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg besteuern, wollen auch am Unternehmenserfolg beteiligt werden und mitverdienen!

Wie das funktionieren soll und umgesetzt werden kann, das erzähle ich im dritten und letzten Teil. Jetzt fängt es an, Spass zu bringen!

User Generated Company Value (1)

Einer der Fragen in der Internetökonomie ist für mich, wie wir mit “User Generated Content” (UGC) umgehen. Einem der Grundpfeiler des sogenannten “neuen Web”. Hier gibt es viele ungeklärte Fragen auf unterschiedlichen Ebenen: Rechtliche, ethische, unternehmerische, betriebswirtschaftliche, organisatorische und natürlich auch technische. Aus dieser Frage ergibt sich wiederum die Frage nach der Bewertung von Beiträgen der Nutzer zum Unternehmenswert, dem User Generated Company Value (UGCV) wie ich es nennen möchte.

Für diesen wichtigen Bereich UGCV fehlen praktikable Geschäftsmodelle, die den Interessengruppen besser gerecht werden. Worum geht es dabei?

Ich habe dazu früher schon in einem Kommentar ausgeführt. Auch international stellen sich manche die ersten Fragen angesichts der monetären Entwicklungen von Web 2.0 Unternehmen. Es ist natürlich das alte Thema bei allen (kommerziellen) Crowdsourcing Projekten. Crowdsourcing, so die Wikipedia, setzt

“auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.”

Was passiert nun, wenn das Projekt i.d.R. nach 2-3 Jahren versilbert werden soll? Also entweder an die Börse geht, ein grosser Investor einsteigt oder ähnliches? Das ist ja der Moment, den die eigentlichen Initiatoren oder Gründer abwarten. Das ist ihr vorgeplanter Ausstieg. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Dieser Ausstieg wird für die fürstlich entlohnt. Auch gut. Was haben aber die tausenden Amateur-Content-Lieferanten davon?

Beim Verkauf von YouTube an Google bekammen die zwei Gründer weit über eine Milliarde Dollar. Was haben die User bekommen, die den eigentlichen Inhalt (und damit den Wert von YouTube) geliefert haben bekommen??

So gesehen versteht man die Motivation von einem Unternehmen bzw Projekt wie Dealjaeger. Ähnliches gilt für alle anderen kommerziellen Crowdsourcing Projekte … “Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte”.

Die Argumentation der Gegenseite lautet stereotyp “Die User haben ihren Spass dafür kostenlos”. Das berühmteste Beispiel, wo Arbeit als Spass verkauft wurde, sind “Die Abenteuer des Huckleberry Finn”, wo Huck, der eigentlich den Zaun streichen soll, Tom Sawyer gegen Geld den Zaun streichen lässt. Aber jetzt schweife ich doch ab …

Wie könnten Lösungen aussehen? Dazu mehr im Zweiten Teil.