Isabella Rossellini über die Liebe.

Frage: „Verstehen Sie die Liebe mit zunehmendem Alter mehr oder weniger? Muss man erst mit sich im Reinen sein, bevor man sich einem anderen geben und öffnen kann?“

Isabella Rossellini: „Ja, und das ist schwierig! Es ist nicht so einfach, dahin zu kommen, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Das ist ein immerwährender Prozess, der seine Zeit dauert. Wenn man aber durch ein Trauma aus seiner Kindheit belastet ist, glaube ich nicht, dass man sich einem anderen öffnen kann. Dann will man der Liebe aus dem Weg gehen, weil man sich sonst dem anderen zu sehr ausliefert.“

Zitiert aus einem Interview mit Mariam Schaghaghi, veröffentlicht in der Print-Ausgabe der Hamburger Morgenpost vom Sonntag, 9. September 2012 anlässlich ihres Films „Late Bloomers“. Mehr über Isabella Rossellini in der Wikipedia. Und hier ihre Autobiografie, die ich vor vielen Jahren gelesen hatte.

Plötzlich ist das Meer voller Joghurt…

Ein herrlich skurriles und amüsantes taz-Interview mit Harry Rowohlt. Stichwortgeber ist sein alter Bekannter Ralf Sotscheck. Kostprobe:

Urlaub in Griechenland, wie immer?

Ja, aber es wird wieder mal kein Urlaub sein. Ich nehme mir Arbeit mit. Ich frage, was ist das für ein Urlaub? Zwölf Tage ist man da und kommt mit achtzig übersetzten Gedichten von Shel Silverstein zurück. Mein Freund und Genosse Laiki merkte immer, wenn ich so was Dichterisches bekam, und fragte dann lauernd, ganz Altstalinist: „Soll ich für Ruhe sorgen?“ Und das in der Kneipe! Ich hab da immer auf dem Papiertischtuch gedichtet. Unser damaliger, inzwischen verstorbener Gemeindehirte Barba Christos – Onkel Christus – kletterte bei unserem inzwischen auch verstorbenen Nachbarn Iórgos aufs Dach, wo sich zwei deutsche Touristinnen oben ohne bräunten, und der Hirte fragte, ob er vielleicht mal deren Brüste berühren dürfe. Ja ja, dürfe er. Ganz vorsichtig mit seinen „hornigen Händen“, wie es bei Ringelnatz heißt, erst die erste, dann die zweite, dann die dritte, dann die vierte, und dann sagte er: „Plötzlich ist das Meer voller Joghurt, und ich habe keinen Löffel.“

Harry Rowohlt auch über das Uebel & Gefährlich in Hamburg: „Ich dachte, es hätte was mit Tina Uebel zu tun, das ist eine Hamburger Autorin und auch Waldorfschülerin – eine absolute Traumfrau: schön, klug, schmutzig redend und trinkfest wie ein Hafenlotse.“ – Was will mann mehr?

Eine seiner ersten Übersetzungen aus dem Irischen habe ich im Regal: Flann O’Brien: Der dritte Polizist, 1975. Ein Geburttagsgeschenk an mich damals™. Ich erinnere mich nicht mehr, ob er eine Widmung reingeschrieben hatte. Beim Umzug demnächst werde ich es wissen.

Mein Radio-Interview bei Fritz RBB

Gestern abend hatte mich Holger Klein angetwittert und angemailt, ob ich Lust hätte dass ich dringend bei ihm 20 Minuten später um Punkt 22:00 am Telefon bei Fritz Radio vom RBB auf der Matte stehen und ihm „live on air“ ein Radio-Interview geben möge. Er hätte sein nächtliches Programm Blue Moon komplett umgeschmissen, nachdem er diesen Artikel bei mir gelesen hätte. Ich bin dieser dreisten späten Nötigung doch gerne nachgekommen und hier das Ergebnis als Podcast für alle, die zu früh ins Bett gegangen sind oder nicht in Berlin wohnen oder den Link nicht auf Anhieb zum Livestream im Web gefunden haben:

Hanno und ich wollen in den nächsten Tagen unsere Gedankengänge bei einer Tass‘ Kaff‘ oder auch mehr in Hamburg vertiefen. Übrigens, Holger twittert unter @holgi und bloggt wunderbares Zeuch bei stachenblochen. Und ich mochte seine provokative und frische Art zu fragen sehr. Danke, Holgi.

Interview mit Rias A. Sherzad, Gründer von salambc

Heute habe ich anlässlich des Relaunch von Salam Business Club, dem weltweit ersten sozialen Business-Netzwerk vor allem für die arabische, asiatische und muslimische Geschäftswelt, ein Gespräch geführt mit dem Gründer Rias A. Sherzad, den ich aus der hamburger Web-Community und aus persönlichen Beziehungen gut kenne und schätze. Weiterer Anlass für das Interview ist die wachsende Bedeutung der islamischen Welt für das Web 2.0. Eine Bedeutung und vorallem ein Markt, der im Westen sehr stark unterschätzt wird. Ich bin übrigens bei salambc hier zu finden.

Cem: Für wen ist Salam Business Club gedacht? Wieviele Mitglieder habt ihr aktuell und woher kommen die?
 
Rias: Zielgruppen sind primär Geschäftsleute aus dem arabischen, asiatischen und muslimischem Raum und solche, die mit diesen ins Geschäft kommen möchten – also auch aus dem Westen. Die Mitgliederzahlen werden wir in wenigen Monaten veröffentlichen, im Moment geht es uns um die Funktionen auf der Website die wir weiter ausbauen möchten. Vorab sei gesagt, daß es eine kleine aber feine fünfstellige Zahl an Mitgliedern ist die sich, seitdem wir mehr oder weniger still und leise gelauncht und gerelauncht haben, angemeldet hat. Die Mitglieder stammen mehrheitlich aus den großen arabischen und muslimischen Ländern, allerdings finden sich auch die USA und Deutschland in der Top 10.
 
Cem: Worin unterscheidet sich Salam Business Club von anderen sozialen Business-Netzwerken? Weshalb ein Netzwerk mit islamischem Schwerpunkt?
 
Rias: Wir haben eine Zielgruppe die religiös geprägt und im geschäftlichen Leben von der westlichen Welt teilweise abgeschottet ist. Das hat zu einem großen Teil kulturelle Gründe, denn die Art und Weise, wie Geschäfte betrieben werden, unterscheidet sich sehr von der westlichen. Es wird intensiver genetzwerkt und kennengelernt, bevor wirklich investiert wird. Wichtig ist hier auch, Sprachbarrieren abzubauen und wir werden dazu weitere Sprachversionen launchen. Als erstes kommen Arabisch und Urdu im Dezember, vorher aber noch die deutsche Sprachversion.

Desweiteren sehen wir den Salam Business Club als guten Einstiegspunkt in die arabische/muslimische Geschäftswelt, sozusagen als vertrauensförderndes Element für beide Seiten. Das haben auch die geschätzten 7-10% nicht-arabischen/nicht-muslimischen Mitglieder erkannt die bereits registriert sind. Ein grundlegender Unterschied zu XING & Co. wird der Fokus auf das Thema Islamic Finance* sein – welches übrigens der weltweiten Finanzkrise getrotzt hat, auch weiterhin mit 12 – 20% pro Jahr wächst und schon seit langem das Interesse der westlichen Finanzwelt geweckt hat.
 
Cem: Wie finanziert sich Salam Business Club?
 
Rias: Der Salam Business Club ist bisher komplett durch meine Person finanziert.
 
Cem: Weshalb hattest du muslimBC in Salam Business Club umbenannt?
 
Rias: Wir versuchen damit möglichst früh auf die Entwicklung auf der Plattform zu reagieren. Es sind die nicht-muslimischen Mitglieder die sich immer häufiger registriert und Geschäftskontakte in unseren primären Zielregionen gesucht haben als auch die Tatsache, daß wir niemals über die Plattform religiöse Botschaften verbreiten wollten. Ziel war und ist auch weiterhin, eine islamkonforme Plattform anzubieten, über die Geschäfte abgewickelt werden. „Islamkonform“ bedeutet, daß die Propagierung von Geschäften mit Bezug zum Glücksspiel, der Pornographie oder auch Alkohol nicht gestattet ist. Auch zinsbasierte Geschäfte werden wir nicht aktiv bewerben lassen – eine grundlegende Säule des islamischen Wirtschaftswesens. In dem Bereich Islamic Finance sehen wir ein extrem großes Potenzial und haben dazu interessante Kooperationen geschlossen.
 
Cem: Was ist Dein persönlicher und beruflicher Hintergrund? Mit welchen Projekten beschäftigst Du Dich sonst?
 
Rias: Initiiert wurde die Plattform zwar durch mich, aber mit der helfenden Hand meines Partners Farid. Er pendelt zwischen Deutschland und Dubai hin und her und kümmert sich um unsere dortigen Aktivitäten und geschäftlichen Verbindungen. Farid stammt aus der Investmentbranche und war u.a. bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt im Institutional Sales beschäftigt. Ich bin seit 13 Jahren als Gründer und IT-Consultant tätig, davon die letzten 9 Jahre im Java/JEE-Umfeld in Deutschland, Großbritannien und Qatar. Wir sind beide in Afghanistan geboren, leben aber seit 22 (Farid) bzw. 27 Jahren (ich) in Deutschland. Für weitere Projekte bleibt nicht viel Zeit, außer meiner Plattform http://www.theserverside.de wo ich, gemeinsam mit Gastautoren, gelegentlich IT-Artikel veröffentliche.

Anmerkung: Islamic Finance* = Siehe auch hier http://de.wikipedia.org/wiki/Islamic_Finance

Spam Annual Report 2007

Daniel Bürger, 28 Jahre, hat im Juli an der FH Düsseldorf sein Kommunikationsdesign-Studium mit einer sehenswerten Arbeit abgeschlossen: Spam Annual Report 2007.

Der Report enthält nicht nur viele Fakten und anschauliche Grafiken sondern ist auch wunderschön anzusehen wie die Fotostrecke zum Interview auch zeigt. Übersichtliche Bilder zeigen die Zusammenhänge auf diesem dubiosen Markt.

Im Interview schätzt Daniel die aktuelle Lage dramatisch ein:

Zeitweise sind bis zu 98% der täglich weltweit versendeten E-Mails reiner Datenmüll. {…] „Two years from now, spam will be solved. I promise a spam-free world by 2006.” Davon war Bill Gates 2004 überzeugt. 2007 konnten die Spammer diese Ankündigung eindrucksvoll widerlegen: Durchschnittlich 79 Mrd. Spams pro Tag wurden versendet.

Frühstückslektüre

  • Fraunhofer-Studie: Soziale Netzwerke mit enormen Datensicherheitslücken – Blogpiloten: „Die Forscher haben sich als normale Nutzer bei den Netzwerken LinkedIn, XING, MySpace, Facebook, StudiVZ, wer-kennt-wen und lokalisten angemeldet und anschließend versucht, über spezielle Suchmaschinen auch auf angeblich geschützte oder gar gelöschte Daten zuzugreifen.“
  • „USA erklärt“ Das (nicht-)autorisieren von Interviews im Unterschied zwischen dem Angelsächsischen und Deutschland. Übrigens, ich lese Interviews grundsätzlich nie gegen und wundere mich gelegentlich über den Unsinn, den ich manchmal von mir gebe. Interviews sind der Job des Interviewers, nicht der des Interviewten, finde ich.
  • „Schwarzer Himmel, schwarzes Meer“ – Die Lange Nacht der türkischen Literatur im Deutschlandradio, 11. Oktober, 00:05 Uhr und Deutschlandfunk, 11. Oktober, 23:05 Uhr, Moderation: Jochanan Shelliem. Teaser: „Die politischen Wirren in der Türkei Ende der 70er-Jahre, die mühsame Abkehr vom tradierten Frauenbild in der türkischen Gesellschaft oder die Geschichten vom schwierigen Miteinander unterschiedlicher Völker und Kulturen, von Griechen, Juden, Armeniern und Türken im heutigen Istanbul haben durch Fatih Akin in seinem Film „Auf der anderen Seite“ eine unvergssliche Bildsprache gefunden. In diesem Spannungsfeld von gelebten und ungelebten Träumen, von erfüllten und unerfüllten Hoffnungen in einer sich rasant verändernden Gegenwart bewegt sich auch die aktuelle Literatur der Türkei, Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus und dem Kulturamt der Stadt Köln stellt die „Lange Nacht“ der türkischen Literatur sechs herausragende türkische Autorinnen und Autoren vor und gibt Einblicke in die Bücher von Izzet Celasin, Asli Erdogan, Sebnem Isigüzel, Sema Kayguzus, Mario Levi und Murathan Mungan.“ [Linktipp via Mail von FoodFreak, Danke!]
  • Google behauptet heute 10 Jahre alt geworden zu sein durch Einblendung einer entsprechenden Logo-Kreation. Es kursieren unterschiedliche Angaben über den Geburts-Tag. Sicher ist nur, es war irgendwann im September 1998. Die Testversion jedenfalls soll am 7. September online gegangen sein.
  • Heute und Morgen: BarCamp Stuttgart. All tags #bc0711.

5 Fragen in 5 Minuten

Gerald Angerer, der lokalreporter aus Berlin, hat mir gestern fünf ungewöhnliche Fragen aus der gastronomischen Welt gestellt. Ich habe sie in fünf Minuten beantwortet, Er hat mir freundlicherweise einige Ehrentitel verpasst, neben „Urgestein“ (stimmt wohl), wie „Gründervater der deutschen Bloggerszene“, die glaube ich anderen verdienten Mitgliedern der Community eher zustehen. Auch wenn ich schon ganz lange dabei bin. Auch sehe ich mich ebenfalls eher als Unternehmer als ein Unternehmensberater. Tat statt Rat ist mir lieber.

Die Fragen fand ich aber erfrischend anders als das übliche. Danke für die Gelegenheit, Gerald.