Aufklärung im Islam..

„Es genügt ein Mensch zu sein.“ – sagt Nathan der Weise im gleichnamigen Stückvon Gotthold Ephraim Lessing

Es wird auch den großen, islamischen Aufklärer geben. Jemand, der diese verbrämten, falschen Traditionen abräumt und der den wahren Kern freilegt.

Und er wird aus Europa und Deutschland kommen. Ich spüre es. Es ist längst Zeit. Dunkel ist die Nacht, Erkenntnis ist das Licht und die Menschlichkeit.

Manche nennen es Reformislam.

Der Islamismus als Folge der Globalisierung.

​Radikale Islamisten sind in meinen Augen eher eine direkte und negative Folge der Globalisierung und eine der Spätfolgen des Kolonialismus.

Viele in der islamischen Welt haben das Gefühl, dass ihre traditionellen Werte zu Familie, Glaube und Gesellschaft vom Westen überrollt werden. Diese Grundwerte erodieren in immer schnellerem und stärkerem Maß.

Der Nahe Osten ist sowieso ein Länderkonstrukt der Allierten des Westens auf den Trümmern des Osmanischen Reichs. Und schon wieder haben die Menschen dort und die Migranten im Westen den Eindruck, der Westen schreibe ihnen ihr Leben vor

Für Westler natürlich ein sehr schwer zu verstehender Umstand. Sie wundern sich, weshalb der Nahe Osten die Werte es Westens nicht teilt. Sie sind entrüstet über soviel „Unbildung“..

Diesen Eindruck der Fremdbestimmtheit, der Ausgrenzung und  dem Mangel an Respekt haben auch sehr viele gerade junge Muslime, die im Westen aufgewachsen sind.

Der Islamismus ist der Versuch, eine Restauration der traditionellen Werte und Welten zu erzielen. Eine teilweise gewalttätige Utopie im Gewand des Glaubens. Eine fatale Reaktion.

Natürlich nutzen verschiedene religiöse und politische Gruppierungen dieses Gefühl für ihre eigenen Zwecke. Wir sollten aber dieses Gefühl der Menschen nicht gleichsetzen mit den Führern der Mörderbanden. Die eigentliche und tiefere Ursache liegt völlig woanders.

Die Globalisierung, die ich hier meine ist die der Werte – nicht nur des Kapitalismus, seiner Produkte und Errungenschaften: Der Hedonismus und der Individualismus. Die gibt es im Islam kaum. Im Vordergrund steht dort die Gemeinschaft.

Die Sozialen Medien sind dabei nur Kanäle, Verstärker und Neschleuniger von Ideen. Sie haben nicht direkt mit dem radikalen Islamismus zu tun. Im Gegenteil, er nutzt sie sogar, um seine Ideen weiter zu verbreiten. Der radikale Islamimus selber ist sehr viel älter. Seine Anfänge liegen bei den Muslim Brüdern im Ägypten zu König Faruks Zeiten. Im Kolonialzeitalter.

Das zu Schreiben erschien mir wichtig. In Zeiten des Hasses und der Ausgrenzung. Ich glaube, das ist der entscheidende Schlüssel zum Verständnis. Ich habe schon sehr lange das Gefühl, dass das so ist, konnte es aber nicht in wenigen Worten zusammen fassen.

Reformation.

Heute ist Reformationstag und das Reformationsjahr zum 500-jährigen Jubiläum zum Thesenanschlag von Martin Luther fängt heute an. Mit Martin Luther fing die Reformation an.

Ich würde mir sehr wünschen, es gäbe auch im Islam eine Reformation, damit Schein-Khalifen und politische Rattenfänger wie RTE das Handwek gelegt wird.

Eine Reformation des Islam wäre längst fällig. Sie wird schwierig.
Ich kann keinen Geistlichen erkennen, der den Mut und die Stimme dafür hätte, die auch gehört wird. Vielleicht kommt die Aufklärung von einem Geistlichen aus Europa.
Nicht nur Christentum sondern auch das Judentum haben sich aus seinerzeit ihren jeweiligen orthodoxen Glauben durch eine Reformation befreit.

Burka, Burkini, Nikab & Co.

Es gibt in Europa und Deutschland viele Missverständnisse und viel Unwissen in der aktuelle Debatte um das Verbot von Burkini, Burka und die Verschleierung von Muslimas. Es gibt viele regionale und kulturelle unterschiedliche Traditionen.

Viele Begriffe sind durcheinander geraten. Die Unterschiede. Eine Burka kommt im Stadtbild in Deutschland praktisch nicht vor. Auch ein Nikab ist eher sehr selten hierzulande.

Üblich in Deutschland sind die ersten drei Formen von links, die die Haare aber nicht das Antlitz bedecken. Eine Abart des #Schal(la) ist der weibliche Turban, den eher modebewußte, junge Frauen tragen.
Dagegen, der Schador ist im Iran üblich, der Nikab praktisch am ehesten auf der arabischen Halbinsel und die Burka nur in Afghanistan. Allein deshalb macht ein „Burka-Verbot“ in Deutschland nicht sehr viel Sinn.

Der Burkini, der Ganzkörper-Badeanzug, ist eine neumodische Erfindung. Historisch gingen Frauen in den Hamam und nicht ins Meer.
In der Türkei gehen die meisten Frauen in den Städten „offen“ – d.h. ohne jeglichen Schleier, der meist eine Tradition der Landfrauen ist.

Vergleich gerne dazu auch den schwarzen Schleier der Frauen im Katholizismus beim Kirchbesuch oder auch die Perücken der verheirateten Feauen im orthodoxen Judentum heute –  oder auch die Hauben der Frauen im europäischen Brauchtum.
Übrigens: Um die Jahrhundertwende um 1900 ist die sittsame Frau am Damenstrand und Ganzkörper-Badeanzug in die Ost- und Nordsee gegangen. Der Herr auch.

Also nichts neues unter der Sonne. Bitte weitergehen.

Radikalisierung ist ein slow-burner.

Sie entsteht nicht plötzlich und nicht über Nacht. Das sind Zirkelgedanken, die sich langsam, wechselseitig verstärken und aufbauen. Das kann Jahre dauern.

Die Radikalisierung läuft wahrscheinlicher sogar viel langsamer als die schnellen Veränderungen der Welt. Dadurch entstehen Spannungen, die sich entladen müssen, wie zwischen Kontinentalplatten.

Meine Kernfrage ist, wie man diese Zirkelgedanken unterbrechen kann. Wie man den Motor der Radikalidierung stoppt und diese Kräfte in etwas Positives umleiten kann.

Es ist als ob sich, lange zurück liegende und verschüttete seelische Verletzungen bei bestimmten Erschütterungen wieder an die Oberfläche treten.

Ich stelle mir diese Frage nur halblaut und momentan rein rhetorisch. Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Keine Rezepte. Keine geradlinigen Ursache-und-Wirkung-Kausalketten. Es ist nicht damit getan, ein Wir-Gefühl zu schaffen oder mehr Bildung. Das alles spielt vielleicht auch irgendwo eine Rolle, ist aber nicht das Entscheidende. Es scheint mir eher etwas anderes zu sein, das ich kaum in Worte fassen kann.

Da muß einiges noch vorurteilsfrei und interdisziplinär geforscht werden. Oder literarisch und künstlerisch erkundet..

„Nur wer nicht geliebt wird, der hasst.“

– Charly Chaplin

UPDATEHier noch ein guter Artikel in Spiegel-Online zu dem emotionalen, schwierigen kulturellen Thema:

 

 

 

 

„Terror ist immer erst mal eine Antwort. Es geht darum herauszufinden, auf welche Frage.“

 

Herr, erhöre uns!

Das, was im Nahen Osten jetzt und seit Jahrzehnten passiert, ist so unendlich ekelhaft, unmenschlich und brutal. So furchtbar, hoffnungslos und letztendlich unverständlich. Von allen Seiten. Sinnloses Morden ist keine Lösung. Auge um Auge ist vorsintflutlich und gottlos. Manchmal glaube ich, eine Bedrohung von außen würde alle auf wundersame Weise vereinen. Hunderttausende und Millionen Menschen sind diesem Terror schon zum Opfer gefallen. Ich kenne keine Partei, die nicht gewaltsam ihre Ansprüche durchsetzen will. In der ganzen Region. Ich mache keine Ausnahmen.

Es müsste ein Imam, ein Messias vom Himmel kommen oder ein Gandhi, um alle zur Vernunft zu bringen. Wir sind alle Kinder von Ibrahim/Abraham/Avraham. Wir haben alle die gleichen Wurzeln. Muslime, Christen und Juden. Ich fürchte, nur ein göttliches Zeichen kann diese fatale und verfahrene Situation auflösen. An irdische Mächte mag ich nicht mehr glauben.

Video: Geschichte des Islam

Robert Basic hat auf Youtube eine Videoreihe über den Islam entdeckt, die ursprüglich im deutschen Fernsehen gelaufen ist. Ich danke dir für diesen Beitrag, Robert.

Wer sich die Zeit nimmt und die Videoreihe anschaut, erfährt viel über den Islam und die drei grossen abrahamitischen Weltreligionen. Er erfährt auch, dass es zwischen dem Judentum, dem Christentum und dem Islam mehr Gemeinsamkeiten gibt als Trennendes. Das gibt Hoffnung. Aufklärung ist die Grundlage für Verständigung, gegenseitigen Respekt und Toleranz.

Hier die Geschichte des Islam in neun Teilen, von ihrer Vorgeschichte und ihrer Entstehung bis hin zu den aktuellen Ereignissen:

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8 und Teil 9

Manchmal geschehen doch Wunder

Heute hatte ich ein kurzes Gespräch via Twitter anlässlich der jüngsten Ereignisse im Gazastreifen. Der jahrzehnte anhaltende kriegerische Konflikt zwischen Israelis und Arabern, zwischen Juden und Moslems. Jemand meinte, diese ganze Sache sei sehr viel komplexer, als dass ein magisches Gespräch es „fixen“ könnte. Schuld sei der radikale Islam. Eine andere Stimme meinte im Gegenteil, Israel sei die Ursache. Dritte meinen, Krieg ist keine Lösung. nur das Gespräch wird Israel und die Hamas erlösen. Etliche Staatsoberhäupter der Welt haben sich schon in dieser Angelegenheit vergeblich nicht ganz ohne Eigennutz als Vermittler versucht und sind kläglich daran gescheitert. Man kann in dieser Situation eigentlich nur noch auf Wunder hoffen.

Das erinnert mich an den über 500 Jahre alten Konflikt zwischen Griechen und Türken. Eine alte blutgetränkte, bittere und geschichtsträchtige Feindschaft. Von der Besetzung Griechenlands durch das Osmanische Reich bis zu den EU-Verhandlungen. Hoffnungslos, diesen Konflikt zu lösen. So schien es. Bis vor kurzem.

Manchmal geschehen dann doch Wunder. Und machmal braucht man Wunder, um unüberbrückbare Gegensätze und Konflikte zu lösen. Manchmal helfen Gespräche und Verstand nicht mehr weiter. Keine Appelle an die Vernunft der Gegner. Manchmal brechen aber auch ganz einfache Taten hoffungslos verhärtete Fronten auf. Ganz ohne Worte.

So ein Wunder geschah im August 1999 beim verheerenden Erdbeben in der Türkei, östlich von Istanbul, bei dem damals fast 18.000 Menschen starben und rund 44.000 verletzt wurden. Viele Nationen schickten sofort ohne zu zögern Hilfstruppen, schweres Räumungsgerät und portable Lazarette in das Katastrophengebiet. So auch Griechenland. Die Bilder der griechischen Hilfskräfte gingen durch die türkischen Medien. Ohne grosse Worte und Kommentare. Die Bilder beeindruckten. Wenige Wochen danach gab es ein mittleres Beben bei Athen, worauf die Türkei augenblicklich Hilfe vor Ort sandte. Diese beiden Ereignisse veränderten das Verhältnis zwischen den verfeindeten Nationen vollkommen. Die Veränderung ging nicht von den Politikern aus, sondern von der Bevölkerung, auch wenn die Regierenden die gegenseitigen Hilfsmassnahmen angeordnet hatten. Die Bevölkerung verstand diese Geste und die Bilder sprachen für sich.

Unmittelbar danach wurden offizielle Gespäche aufgenommen. Ziemlich schnell normalisierte sich das Verhältnis zwischen den Türken und den Griechen. Heute gibt es einen sehr regen Tourismus und einen intensiven Warenaustausch zwischen beiden. Viele Griechen, die in den zwanziger Jahren aus der Türkei vertrieben worden waren, sind sogar wieder in ihre ehemaligen Wohnorte umgesiedelt. Ich selber war als Türke im Jahr darauf zum ersten Mal in Griechenland und war sehr angetan von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft dort. Ich bin sehr glücklich, dass sich das Verhältnis zwischen beiden Nationen so gut entwickelt hat und diese Feindschaft begraben worden ist.

Ich habe keine Rezepte für einen Frieden im Nahen Osten. Aber man darf die Hoffnung auf eine Lösung nicht verlieren. Manchmal ist es ein Wunder oder eine einfache menschliche Geste, über die man nicht viel sprechen muss. Wenn Türken und Griechen eine 500 Jahre alte tiefverwurzelte Feindschaft praktisch über nacht überwinden können, wird es Israelis und Arabern nach gerade mal 60 Jahren auch gelingen können.

Es gibt sicher viele Gründe, gegen eine Verständigung zu sein, aber nur einen einzigen dafür. Den wahren.