Chancen von Magazinformaten im Web

Alexander Becker hat bei meedia einige Webunternehmer befragt, ob sie Basic Thinking kaufen würden. Ihre Antworten waren im unterschiedlichen Grad zurückhaltend bis ablehnend. Die Verkaufsabsichten dürften nicht unproblematisch sein.

Ich sehe das so: Das Problem mit „Basic Thinking“ beim Verkauf ist, dass es von Anfang an weitgehend als ein sehr persönlich gefärbtes Blog aufgezogen wurde. Das ist in diesem Einzelfall natürlich durch Robert historisch bedingt. Wäre es ein Magazin mit Fakten, Nachrichten und Meinungen zum Webgeschehen und hätte es wie beispielsweise TechCrunch oder die Calacanis Publikationen einen professionelleren Charakter, würde die Verkaufsidee und ihre Chance dafür komplett anders aussehen. Der Inhalt und die Präsentation sind entscheidend, nicht nur die Reichweite. Ich halte auch ein Autorenteam für wichtig, nicht nur einen Einzelnen. Damit ist die Bindung und Idfentifikation mit einem einzelnen Blogger etwas schwächer. Eine der wenigen Ausnahmen mag stylespion von Kai Müller als Einzelkämpfer sein.

Grundsätzlich gebe ich professionellen und journalistischen Magazinformaten im Web sehr gute Chancen. Ich halte sie sogar für die Zukunft.

Tuxamoon: Online Magazin über Gesellschaft und Kultur

Während im Web noch über das Für-und-Wider von (deutschsprachigen) Online Magazinen diskutiert wird, hat Hermann Keldenich (@hermann) in Köln schon längst Tatsachen geschaffen: TUXAMOONmagazine. Recht professionell gemacht, schön anzuschauen und interessant zu lesen. Jedem ans Herz und auf’s Auge gedrückt. Demnächst möglicherweise mit einer Community auf Laconica/identi.ca-Basis. Gehört auf jeden Feedreader von gesellschaftlich kulturbefliessenen Bildungsbürgern des Web!

Das deutsche WordPress Magazin ist online!

Hey, gut ein halbes Jahr nach dem WordCamp08 in Hamburg und der damaligen Diskussion gibt es nun ein deutsches WordPress Magazin! Grossartig! Valentin Tomaschek hat pragmatisch am Wochenende die Initiative ergriffen und es einfach realisiert. Im ersten zweiten Tweet des Magazins schreibt er:

So, Passwortschutz ist aufgehoben. Nun müssen Blogeinträge her…

Das Online-Magazin enthält schon erste Rubriken für „Blog“, „Tutorials“ sowie Hinweise für die Installation und Upgrades. Ich hoffe auf rege Beteiligung der WP-Community, damit sich das Magazin füllt.

Valentin ist der Gründer und Moderator der WordPress Gruppe in Xing. Ich durfte eine Weile co-moderieren und gemeinsam mit ihm und Vladimir Simovic das WordCamp08 organiseren.

Wer Interesse hat, beim deutschen WordPress Magazin mitzuschreiben, meldet sich in der Xing Gruppe hier oder schreibt Valentin direkt.

MagCloud – Die Zukunft des Magazins?

MagCloudJeder kann jetzt ein eigenes gedrucktes Hochglanz-Magazin auf Papier herausgeben. Ohne das Risiko unverkaufte Restauflagen in der Ecke vergammeln zu lassen. Oder lange Texte und schöne Bilder sich ermüdend stundenlang am Bildschirm anschauen zu müssen. Das geduldige unkomplizierte Papier ist wieder da.

Derek Powazek, Webworker und Liebhaber von Magazinen stellt das Projekt MagCloud vor, an dem er mit HP Labs gearbeitet hat. Voraussetzung ist eine hochauflösende Druckvorlage im PDF-Format, beispielsweise mit Adobe InDesign hergestellt. Gedruckt wird dann zentral durch HP Indigo Technologie nach Bedarf auf solidem Magazin-Papier und geheftet. Ebenfalls zentral ist der Versand an den Käufer des Magazin Exemplars. Das Inkasso für jedes Exemplar wickelt MagCloud für den Herausgeber ab. Genial. Leider nur momentan in den USA.

Die Zeiten für Verleger werden noch schwerer. Die Magazinherausgeber verlieren immer mehr nicht nur an Auflage, Reichweite und Werbeeinnahmen sondern auch an Glaubwürdigkeit. Das neue Web und der „User“ bedrohen ihre Stellung immer mehr. Jetzt auch auf dem traditionellen Papier. Mit der Schwächung der Monopole und Oligopole im Verlagswesen, mit der stärkeren Vielfalt der online und offline Pressepublikationen, könnte möglicherweise auch die Pressefreiheit gewinnen. Jedem seine Magazinpresse.

Vorschlag für ein Online-Magazin

Die Diskussion an der Blogbar um Kommerz, Haltung und Blogs bringt mich auf eine alte Idee zurück. Was wäre denn, wenn sich einige ausgewählte und aussagekräftige Blogger zusammentun und gemeinsam eine Online-Publikation auf der technischen Basis eines Blogs herausgeben? Wie kann das funktionieren?

Jeder schreibt auf seinem Blog so wie bisher über das, was ihn interessiert. Nur, dass Artikel, die der Blogger für geeignet hält, einen zusätzlichen Tag bekommen, der via RSS diesen Artikel auch in die neue Publikation einspeisst. Darüber hinaus, könnte jeder dieser Autoren natürlich auch direkt in die neue Publikation schreiben. Ein Online Magazin, das komplett Autoren gesteuert ist und das jedem von ihnen die Freiheit überlässt, ob und wie er für dieses Magazin publizieren will. Ein föderales Magazin von einem kleinen Team von Bloggern, die sich gut ergänzen.

Die Auswahl der Autoren sollte möglichst einen interessanten Content in einem breiteren Spektrum liefern können. Einer von ihnen (oder ein anderer) sollte dafür den technischen Rahmen liefern können. Handwerklich keine allzu grosse Sache. No rocket science. Blogger Generated Magazine Content. So ähnlich wie das viel diskutierte The Issue u.ä. …Aufgemacht wie ein dynamisches Magazin.

Vorteil könnte sein, dass man durch die Aggregation möglicherweise ein dichteres und abwechslungsreiches Contentangebot und eine grössere Reichweite hätte, die es kommerziell attraktiver macht. Mein Argument war in der Diskussion dazu, dass man mit „Haltung“ trotzdem „Einnahmen erzielen“ kann ohne sich verbiegen zu müssen. Das einzelne Blog scheint dafür zu schwach zu sein in Deutschland.

Auf dem WordCamp08 hatten wir eine ähnliche Diskussion wegen eines WordPress Magazins.

Nur so ein naiver Gedanke. Von diesem Vorschlag sind viele Varianten denkbar.

Nachtrag: Man sollte als Autor (via Tag/Toggle) entscheiden können, ob man einen Blogpost nur in seinem eigenen Blog publizieren will oder auch im Magazin oder nur im Magazin (um übermässige Dopplungen zu vermeiden).