Nico Lumma: „Die Zeit der Pressemitteilung ist vorbei“ (Update)

Das ist für mich der entscheidende Kernsatz heute abend bei der Veranstaltung im Hamburger Rathaus. Während rund 90 Interessierte der Podiumsdiskussion folgen, verfolge ich den Twitterstream aufmerksam von zuhause. Da tun sich offensichtlich Welten auf zwischen den etablierten Politikern und dem Publikum. Aufgabe, Funktion und Einsatzmöglichkeiten des Social Web in der Politik. Bin gespannt auf die Blogposts morgen früh…

Ich wünsche mir jedenfalls ein „PolitCamp in Hamburg“. Ein PCHH09 rechtzeitig vor der Bundestagswahl im Herbst. Wie wäre es im Frühjahr? Im Hamburger Rathaus? Da muss der Bürger wieder selber ran. Und seine Partei über die Schwelle zum 21. Jahrhundert heben.

Update: Jetzt spricht Nico Lumma. Ich unterschreibe jeden Satz dort.

Political Networks – Politik 2.0?

Konsequent wäre ja, dass sich alle Parteien auflösen und die politischen Mandatsträger sich jedesmal von Fall zu Fall neu vernetzen. Sich zu liquiden, flexiblen Political Networks zusammenfinden. Ähnlich wie es der Wirtschaft und der Gesellschaft auch ergeht. Eben wie auch bei der Entstehung von Social oder Business Networks. Klingt etwas wie eine kleine Utopie. Ist es ja auch. Aber vorstellbar und damit machbar.

Weg von starren Programmatiken, Fraktionszwängen, Hierarchien, Parteiapparaten. Nur noch frei und unabhängig nach Wissen und Gewissen und nach Bedarf entscheiden. So wie es das Grundgesetz es ja auch ursprünglich vorschreibt. Warum eigentlich nicht?

Sowas ähnliches schwebte uns damals auch vor. Wir hatten ja nichts.

Partei 2.0

Die Wahlbeteiligung in Hamburg lag heute knapp über 60%. Das ist ein Armutszeugnis für die etablierten Parteien. Sicher lag das auch an dem aufwendigen und verquasten Wahlmodus, wo jeder Wähler insgesamt 12 Stimmen auf 4 Stimmzetteln zu vergeben hatte. Natürlich spielt Politikermüdigkeit (nicht Politikmüdigkeit) eine Rolle. Aber diese Parteien vermögen offensichtlich nicht mehr die Erstwähler und die Jüngeren mitzunehmen. Der Zug scheint abgefahren zu sein. Weder Kandidaten noch die Programme sprechen den Nachwuchs in der Demokratie mehr an. 

Zu recht.

Wir brauchen eine Partei 2.0. Vielleicht auch nur noch im Web. Oder als Game. Spass beseite, wir müssten eine Partei neu erfinden. denn die alten lassen sich erstmal nicht mehr modernisieren. Aber wieso Spass? Wir brauchen eine Partei 2.0.

Wer will kann hier beitreten:

http://partei20.mixxt.de/

Online-Partei? Parteien online? Partei 2.0?

Robert berichtet von einer Online-Partei in Australien. Vor einigen Wochen hatte ich beim Lunch genau über dieses Thema ein interessantes Gespräch mit einem nicht ganz unbekannten VC. Nicht als Projekt, sondern als reines Gedankenexperiment… Oder doch nicht?

Das wirft einige grundsätzliche Fragen. Würde das in Deutschland ebenfalls funktionieren? Warum eigentlich nicht? Was macht denn überhaupt eine Partei aus? Müssen Spitzenkandidaten wirklich immer auf die Strasse gehen? Hände schütteln? Babys hochheben und küssen? Sind Plakate nicht Umweltverschmutzung? Wäre eine Online Partei tatsächlich nicht deutlich preisgünstiger und effektiver? Das würde nur ein Test wirklich zeigen können. Am 24. Februar 2008 sind Bürgerschaftswahlen in Hamburg. Wie wär’s? Wer gründet die erste Online Partei in der Hansestadt?

Das Potential des neuen Web ist in Deutschland für eine effizientere Parteipolitik und den Wahlkampf nicht einmal ansatzweise richtig entdeckt worden. Dass die traditionellen Parteien sich sehr schwer mit dem Bürgerdialog im Internet tun, ist bekannt. Die Partei 2.0 lässt noch auf sich warten…

Engagierte Ausnahmen zumindestens in Hamburg sind die beiden prominenten Sozialdemokraten Carola Veit, MdHBü und Familienpolitische Sprecherin der SPD, und Michael Neumann, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg. Beide bloggen fast täglich über ihre Parteiarbeit.