Was ist beispielweise mit den Fahradkurieren?

Fahrradkuriere ist ein oft eine Scheinselbständigkeit. Wie unzählige andere neue präkere Berufe und Erwerbsmõglichkeiten insbesondere in der digitalen Dienstleistungswelt.

Aktuelle Priorität in der Politik

Ich bin gestern vom Magazin der Metropolregion Hamburg gefragt worden, welche Ziele die Politik in der nächsten Legislaturperiode dringlich verfolgen soll. Meine Antwort darauf:

Das Dringlichste und Wichtigste ist im Augenblick die Wirtschaft anzukurbeln und den Arbeitsmarkt zu beleben, um aus der immer noch anhaltenden Wirtschaftkrise zu kommen. Das hat oberste Priorität. Sehr viele Bürger und Betriebe machen sich momentan grosse Sorgen um ihre Existenzen. Hier muss schnell, effizient und unbürokratisch gehandelt werden. Allerdings ist jede Bundesregierung dabei auch auf die aktive Mithilfe von Arbeitgebern und Arbeitnehmern angewiesen. Zudem ist diese Aufgabe nicht alleine auf deutscher Ebene zu lösen, sondern ist auch eine europäische Sache.

Cem Basman, IT-Unternehmer, Geschäftsführer AKRA GmbH, Hamburg

Bin gespannt, wo die anderen Interviewpartner ihre Prioritäten sehen. Zu lesen in der kommenden Ausgabe. Ich denke, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt die zentralen Themen im Wahlkampf sein werden und die Wahl massgeblich mitentscheiden.

Der Aufbruch der Generationen

Vielleicht bin ich ja vermessen. Jede Generation hat ihre eigene grosse und bestimmende politische Bewegung. Ihre Idole. Ihre Feindbilder. Ihre Ideologien. Ihre Symbole. Ihren Mythos. Alle zwanzig bis dreissig Jahre entsteht eine neue Bewegung. Eine Generation vor der heutigen entstand die Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine grosse umweltpolitisch-orientierte soziale Bewegung. Daraus sind weltweit die Grünen Parteien entstanden. Eine Generation davor wiederum prägte die Studentenrevolution die politischen Bewegungen. Daraus sind weltweit die modernen Bürgerrechtsbewegungen entstanden. Die neuen Linken.

Jede Generation hat seinen eigenen grossen Aufbruch. Es geht dabei immer um Freiheit und Selbstbestimmung. Gegen Hierarchien und Fremdbestimmungen. Es ist erstaunlich mit welcher Regelmässigkeit diese historischen Aufbrüche entstehen und sich entwickeln. Die jeweils aufbrechende Generation reift im Laufe ihrer Entwicklung, verkrustet, wird erneut aufgebrochen, zerfleischt sich, aus Idealisten werden Realisten, und sie wandelt sich immer mehr in das nächste neue Establishment, das anfängt seine neu erworbenen Vorrechte und Vorgärten zu verteidigen… bis die nächste grosse neue Generation kommt. Der Zyklus von Visionen, übersteigerten Erwartungen, Enttäuschungen und stückweiser Akzeptanz des Neuen im Mainstream wiederholt sich. Bis er erneut durch durchschlagende Umwälzungen gestört und unterbrochen wird und die kommende Generation ihn mit neuen Werten wieder startet.

Heute im Internetzeitalter ist es die Freiheit der Rede. Der Ideen. Der Kommunikation. Die Zensursula-Aktion ist nur ein Mosaiksteinchen dadrin. Was wird daraus entstehen? Diese Generation ist nicht unpolitisch wie viele behaupten. Ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil. Sie steht in der Tradition der grossen gesellschaftlichen und sozialen Aufbrüche. Sie hat ihre eigene Sprache und Symbole. Ihre Slogans. Ihre Leitfiguren und Leitbilder. Sie drückt ganz genau aus, was sie will und erwartet. Und wie ihre Vorgänger packt sie selber an und wartet nicht auf bessere Zeiten. Ob das nun ihre Eltern- und Grosselterngenerationen nun zulassen oder nicht. Sie wird ihren Weg gehen.

Freiheit nimmt man sich, sie wird einem nicht gegeben.

Die heutige Generation ist eine grosse soziale und politische Generation. Sie ist in den letzten drei bis fünf Jahren langsam gewachsen. Das Web war der Motor für sie. Es ist daraus eine weltumspannende Bewegung geworden. Und sie wird die nächsten zwanzig bis dreissig Jahre die Welt bestimmen. Die Welt wird nie sein wie sie vor ihr war. Das ist gut.

Re-Generation der Wirtschaft und Gesellschaft

Die sueddeutsche.de berichtet:

Deutschlands Mittelschicht rutscht ab
Die soziale Schieflage droht sich zu verschärfen: Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet vor, dass bis 2020 nicht einmal mehr jeder zweite Deutsche der Mittelschicht angehört, wenn sich die Wirtschaft nicht besser als bisher entwickelt. Gegenüber den 90er Jahren wären das etwa zehn Millionen Menschen weniger.

Das ist eine äusserst gefährliche Entwicklung für die Wirtschaftskraft und die gesellschaftliche Stabilität in Deutschland. Die Schere zwischen denen, die viel haben und wenig bis nichts, klafft immer weiter auseinander.

Die Mittelschicht ist traditionell das Rückgrat jeder industrialisierten westlichen Gesellschaft. Das sind die Lohnsteuerzahler und die kleinen und mittleren Selbstständigen. Bricht diese Schicht weg, fehlen dem Wirtschaftkreislauf wesentliche Einnahmen im Konsum und in den Investitionen. Der Staat verliert damit auch zunehmend wichtige Steuerquellen. Die Privatinsolvenzen nehmen kontinuierlich zu. Die Hauptursache dafür ist laut dem Statistischen Bundesamt die Arbeitslosigkeit. Eine Trendwende ist auch hier nicht zu erkennen.

Diese Entwicklung ist mehr als beunruhigend. Die Regierung in Berlin und auch ihre Opposition (haben wir überhaupt noch eine?) erscheinen mir eher als Verwalter der Misere, als dass sie den Mut haben, diese Trends grundlegend anzugehen und zu ändern.

Ich habe das Gefühl, die Zeit ist reif, dass eine deutliche sowohl geistige wie auch politische und wirtschaftliche Erneuerung, eine Re-Generation, eintreten muss und sogar auch bevorsteht. Ich habe das Gefühl, dass die neue Generation, die heute 20- bis 30-jährigen das einleiten können. Sie ist anders. Sie ist mutiger und frischer. Sie ist globaler. Ja, das Web hat auch damit etwas zu tun. Ich setze auf die neue Generation. Macht das! Mein Vertrauen zur Re-Generation der Wirtschaft und Gesellschaft habt ihr! Macht das jetzt und lasst euch nicht vereinnahmen und blenden von leeren Versprechen.

Partei 2.0

Die Wahlbeteiligung in Hamburg lag heute knapp über 60%. Das ist ein Armutszeugnis für die etablierten Parteien. Sicher lag das auch an dem aufwendigen und verquasten Wahlmodus, wo jeder Wähler insgesamt 12 Stimmen auf 4 Stimmzetteln zu vergeben hatte. Natürlich spielt Politikermüdigkeit (nicht Politikmüdigkeit) eine Rolle. Aber diese Parteien vermögen offensichtlich nicht mehr die Erstwähler und die Jüngeren mitzunehmen. Der Zug scheint abgefahren zu sein. Weder Kandidaten noch die Programme sprechen den Nachwuchs in der Demokratie mehr an. 

Zu recht.

Wir brauchen eine Partei 2.0. Vielleicht auch nur noch im Web. Oder als Game. Spass beseite, wir müssten eine Partei neu erfinden. denn die alten lassen sich erstmal nicht mehr modernisieren. Aber wieso Spass? Wir brauchen eine Partei 2.0.

Wer will kann hier beitreten:

http://partei20.mixxt.de/

Die Lifestyle-Wahlkampagne in Hamburg

Ole

Hamburg wählt am 24. Februar 2008 eine neue Bürgerschaft. Ich habe selten einen so inhaltsleeren, schwachen und farblosen Wahlkampf erlebt wie den der Hamburger CDU momentan. Weder jemals von irgendeiner Partei in Hamburg oder noch sonst wo auf der Welt zu irgendeiner Zeit. „Ole von Beust. Dein Bürgermeister“ (Wie lange noch?), „Hamburg boomt“ (Meinst Du?), „Wissen, wo der Schuh drückt“ (Ja, wo denn bitte?), „In guten Händen“, „Hamburg denkt weiter“ (In welche Richtung?),… leere Slogans für eine Lifestyle-Werbung mit einem überdimensionalen Ole als Testimonial. Nicht eine einzige konkrete Aussage. Das ist rekordverdächtig. Mir soll’s ja nur recht sein.

Update: Hanno Zulla weist in seinem Blog auf einen schönen Rohrkrepierer hin. Deswegen. Danke für den Hinweis. Peinlich.

Online-Partei? Parteien online? Partei 2.0?

Robert berichtet von einer Online-Partei in Australien. Vor einigen Wochen hatte ich beim Lunch genau über dieses Thema ein interessantes Gespräch mit einem nicht ganz unbekannten VC. Nicht als Projekt, sondern als reines Gedankenexperiment… Oder doch nicht?

Das wirft einige grundsätzliche Fragen. Würde das in Deutschland ebenfalls funktionieren? Warum eigentlich nicht? Was macht denn überhaupt eine Partei aus? Müssen Spitzenkandidaten wirklich immer auf die Strasse gehen? Hände schütteln? Babys hochheben und küssen? Sind Plakate nicht Umweltverschmutzung? Wäre eine Online Partei tatsächlich nicht deutlich preisgünstiger und effektiver? Das würde nur ein Test wirklich zeigen können. Am 24. Februar 2008 sind Bürgerschaftswahlen in Hamburg. Wie wär’s? Wer gründet die erste Online Partei in der Hansestadt?

Das Potential des neuen Web ist in Deutschland für eine effizientere Parteipolitik und den Wahlkampf nicht einmal ansatzweise richtig entdeckt worden. Dass die traditionellen Parteien sich sehr schwer mit dem Bürgerdialog im Internet tun, ist bekannt. Die Partei 2.0 lässt noch auf sich warten…

Engagierte Ausnahmen zumindestens in Hamburg sind die beiden prominenten Sozialdemokraten Carola Veit, MdHBü und Familienpolitische Sprecherin der SPD, und Michael Neumann, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg. Beide bloggen fast täglich über ihre Parteiarbeit.