Jedes sechste Kind ist arm

Nach dem Report des Deutschen Kinderhilfswerkes laut tageschau.de:

In Deutschland leben immer mehr Kinder in Armut. Wie aus dem „Kinderreport Deutschland 2007“ des Kinderhilfswerkes vorgeht, ist inzwischen mehr als jedes sechste Kind zeitweise oder dauerhaft auf Sozialhilfe angewiesen. 1965 habe dies nur etwa jedes 75. Kind betroffen. Die Zahl der armen Mädchen und Jungen stieg damit innerhalb von 40 Jahren um das 16-fache. Das bedeute, dass sich die materielle Armut von Kindern etwa alle zehn Jahre verdoppelt habe. Besonders betroffen sind demnach Kinder aus Einwandererfamilien.

Das ist eine Schande. Eine ganz grosse Schande.

Mein Eindruck ist, dass sich Staat und Gesellschaft immer weniger um die dringlichen Aufgaben und Probleme kümmern. Gerade der Staat ist nur noch mit sich selber beschäftigt und verwaltet sich zu Tode. Der Staat und seine Mitarbeiter wandeln sich immer mehr zu einer Kaste, die ihr Eigenleben führt und immer stärker nur noch auf ihren eigenen Erhalt bedacht ist. Nomenklatura. Seine Kernaufgaben treten scheinbar immer mehr in den Hintergrund vor der eigenen Daseinsberechtigung.

Was kann der Einzelne tun? Was kann die gemeine Gesellschaft tun?

Das Heft in die eigene Hand nehmen. Erstens, den Gewählten die Verantwortung wieder entziehen. Bürgerstreik, die Lokführer machen es gerade vor. Zweitens, selber Verantwortung übernehmen und die anstehenden Aufgaben lösen. Einzeln oder in der Gemeinschaft.

GröFaZ, GröVaZ

Die taz berichtet aus Karlsruhe und zitiert dabei den Innenminister:

Innenminister Schäuble provozierte mal wieder, diesmal mit einem Hitler-Vergleich. „Wir hatten den ‚größten Feldherrn aller Zeiten‘, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten“, assoziierte er am Mittwochabend vor Journalisten und Richtern in Karlsruhe. Der geschmacklose Vergleich galt einer Sammel-Verfassungsbeschwerde, die der AK Vorratsdatenspeicherung, ein Zusammenschluss von Bürgerrechtsgruppen, initiiert hat.

GröVaz, Grösster Vorratsdatenspeicherer aller Zeiten, fällt mir da nur ein. Hat der sie noch alle? Grösster Verfassungsverbieger…

Generäle in den Schützengräben

Nico, Hamburger, Sozialdemokrat und Blogger, hat mein Post Scriptum gewurmt. Bloggen ist ja wie wir alle wissen eine Grassrootsbewegung. Bloggen ist basisdemokratisch. Also würde ich doch jetzt folgern, alle, die in der Stadt etwas ändern wollen, ob sie nun Parteimitglied sind oder nicht, starten zum Wahlkampf einen persönlichen Blog zu einem Thema, das sie interssiert und wo sie eine gewisse Kompetenz darin haben und ihre Meinung kundtun. Ich würde es vielleicht für die Schulpolitik tun. Es gibt in Hamburg einige hundert Tausend Eltern von schulpflichtigen Kindern. Die wissen, wovon ich rede. Meine Kompetenz sind drei eigene schulpflichtige Kinder.

Funktionäre müssen auf die Parteiraison Rücksicht nehmen, sagen sie. Möglich. Andere müssen das nicht. Gibt es genügend Leute, die im Parkett laut mit den Füssen scharren, werden die Diven auf der Bühne ebenfalls laut werden. Sagt mir mein Common Sense. Aber ich begrüsse trotzdem jeden bis dahin, der sich als General jetzt schon mit in die Schützengräben stellt.

Prominentes Gipfeltreffen von Bloggern im Hamburger Rathaus

Valentin Tomaschek, gebürtiger Hamburger aus dem Stadteil Lurup und mittlerweile Wahldubliner, in Begleitung seiner Freundin Katharina, hatte mich am vergangenen Freitag kurzerhand zur privaten Rathausführung eingeladen. Unser Guide war kein geringerer als Michael Neumann, SPD-Franktionsführer der Hamburger Bürgerschaft und Blogger, begleitet von Carola Veit, Familienpolitische Sprecherin der SPD sowie ebenfalls Blogger und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Es war eine sehr kurzweilige und informative Führung durch das Hamburger Rathaus, seine Geschichte, seine historischen Säle, vollgespickt mit Anekdoten, die Michael Neumann nicht versäumte genüsslich mit leichten Seitenhieben auf den hamburger Dünkel und auch auf den politischen Gegner (keine Blogger) zu erzählen. Ich habe den Verdacht, dass er als Student sein Geld mit Führungen verdient haben muss. Ein Highlight war natürlich, mit der kleinen Bloggergruppe im Sitzungssaal der Bürgerschaft über die hamburger Politik zu diskutieren und über die Chancen der hamburger SPD und seinen Spitzenkandidaten Michael Naumann bei den nächsten Wahlen. Ich würde mich als Vater von drei schulpflichtigen Jungs auf jeden Fall freuen über eine Personaländerung an der Spitze der hamburger Behörde für Bildung und Sport sowie der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz. Beides momentan ziemlich unprofessionell und katastrophal besetzt. Carola, wie wär’s? Die nächsten Wahlen zur Bürgerschaft werden möglicherweise am 24. Februar 2008 stattfinden und anschliessend sind wir alle schlauer.

Das historische Gruppenfoto mit Dame auf dem Balkon des Hamburger Rathauses bei strömendem Regen draussen bei der gleichzeitigen Triathlon Weltmeisterschaft in Hamburg gibt es beim Valentin zu sehen. Valentin ist übrigens nicht nur WordPress-Blogger, sondern auch Initiator und Moderator der Xing Gruppe WordPress. Ich bin dort Co-Moderator. Valentin hat das Blog sowohl von Carola wie auch von Michael aufgesetzt (natürlich mit WordPress) und ist auch noch ein furchtbar netter Kerl. Und seine Freundin Katharina ebenso. Aber sind das nicht alle Blogger? Ich freue mich schon auf den Gegenbesuch am Liffey, im Trinity College, im Stadteil Temple Bar und im Starbucks in Dublin :-)

PS: Ich teile übrigens Nico Lummas Sarkasmus nicht, dass das Thema Internet bei den Parteien und bei den Sozialdemokraten in Hamburg im besonderen, nicht ernst genommen wird. Steter Tropfen höhlt den Stein, Nico, als Hamburger und Bannerträger der Blogger, darf man nicht aufgeben. Und es ändert sich ja Schritt für Schritt, Wahl für Wahl etwas. In einer Stadt, wo die Springerpresse die Meinung auf dem Papier und am Frühstückstisch beherrscht, muss man eben über das Web die Burg stürmen und die jüngeren Köpfe erobern.

Das Jahrhundert des globalen Dialogs?

Das 19. und 20. Jahrhundert waren dunkle Jahrhunderte in der Weltgeschichte. So ziemlich alles, was die Welt in einen permanenten Krisenzustand getrieben hat, stammt aus dieser Zeit. Und alles ausnahmslos ursprünglich aus Europa. Imperialismus, Kolonialismus, Massenvernichtungswaffen, Umweltverschmutzung, menschenverursachte Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, Weltkriege, Nationalismus, Rassenhass und Völkerverhetzung, industrielle Völkervernichtung, die grösste Völkerwanderung aller Zeiten aus Armut, aus Verfolgung, aus Terror… Alles ausnahmslos Erfindungen aus Europa. Und das trotz (oder gerade wegen?) dem Zeitalter der Aufklärung und der modernen Demokratie.

Aber im Übergang zum 21. Jahrhundert scheint es auch Hoffnung zu geben. Ebenfalls aus Europa. Die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Völker in Europa. Völkerverständigung und Fall der Grenzen. Vielleicht wiederum ein Modell für die zerstörte und zerstrittene Welt. Vielleicht ist das der globale politische Auftrag Europas im 21. Jahrhundert. Die klassischen politisch-militärischen Weltmächte Amerika, Russland und China und ihre kleinen Nachahmer bekommen es ja nicht hin.

Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert des Dialogs werden. Und Europa sein Moderator.