Und es hat Boom! gemacht.

Die Anzeichen mehren sich, dass die Blase in 12-18 Monaten platzt.

Der Motor des weltweiten Geschäfts mit dem Web sind immer noch die USA, die langsam in eine Rezession schlittern. Eine immense und steigende Staatsverschuldung drängt sie immer mehr an einen Abgrund. Rettung oder gar Heilung scheint nicht in Sicht zu sein. Wie wird die Webwirtschaft dem desaströsen Finanz-Strudel entkommen können? Die amerikanischen Investoren sind fast ausschließlich zahlengetrieben und meist durch institutionelle Anleger bestimmt. Geht ihnen das Geld aus in der Krise, werden sie sich zunächst aus den eher spekulativ orientierten Geschäftsfeldern wie das Web zurückziehen, dessen Zahlen meist nur in den hoffnungsvollen Businessplänen stehen. Das wird das Kapital killen. Und das Web.

Ferner, mir und einigen anderen, erscheinen die aktuellen astronomischen Investments in Startups, in bestehende Unternehmen oder auch in Übernahmen völlig überzogen und unrealistisch. Noch herrscht Goldgräberstimmung wie am Klondike. Nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und Asien. Fast keiner der Investments bringt gegenwärtig einen Gewinn oder einen Return in anderer Form. Nachhaltige Geschäftsmodelle sind extrem selten geworden.

Drittens, die meisten Ideen und Geschäftskonzepte der jüngsten Zeit sind für mich nicht mehr wirklich überzeugend. Oder nachhaltig. Immer mehr Copycats und Me-toos tummeln sich auf dem Markt. Es geht immer mehr darum, lokale Märkte schnell zu erobern, bevor ein globaler Player mit dem gleichen Thema national irgendwo fussfasst. Das Spiel: Der lokale Gründer will schnellstmöglich seinen Brückenkopf dem internationalen Spielmacher gewinnbringend verkaufen. Der global Player will dabei schnell Märkte erobern und die lästigen Mitbewerber loswerden. Windfall-Profits für den Kleinen. Poker Player unter sich.

Zum Schluß: Ich halte das Web für die grösste Erfindung seit geschnitten Brot. In fast vierzig Berufsjahren in der IT habe ich fast alles erlebt und manches mitgestaltet. Noch nie hat eine Innovation die Welt so verändert wie das Web. Alle Lebensbereiche von allen Menschen auf dieser Erde. Es ist einfach grossartig. Und es ist auch furchtbar geworden. Zuviele Trittbrettfahrer. Zuviele Branchenfremde, die einen schnellen Dollar oder Euro machen wollen. Spekulationsobjekt. Auch zuviel Schnüffelei. Das hat das Web nicht verdient.

Gibt es aus dieser Todesspirale einen Ausweg? Wahrscheinlich nicht. It is the Human Nature. Vielleicht Open Source. Ich glaube es aber nicht wirklich. Die Regenbogenfarben auf der Riesenblase sind zu verführerisch. Eine Blase, die zerplatzt, hat aber auch eine reinigende Wirkung. Schafft Platz für Neues. Com’on, let’s dance with the devil a last waltz. Just for the sympathy. Boom.

Diesen Text bitte in 18 Monaten wieder lesen. Danke.

Update: Wie bestellt dieser Artikel vom 1. Mai im „Business Insider“, einem der Branchendienste in den USA: „MAY DAY, MAY DAY: The Ultimate Guide To The Slowing Global Economy“.

Update 2: …und hier auch noch mal ein aktueller Artikel mit Grafik zum mutmaßlichen Ende der Blase 2.0:  Don’t call it the next tech bubble – yet (via Loic in G+).

Social Media: Des Kaisers neue Kleider.

Irgendwie glaube ich nicht mehr an (soziale) Netzwerke und Networking-Partys. Ich halte beides nicht für sehr effizient. Es kommt dabei allerdings sehr darauf an, wer man ist und was man erwartet.

Zunächst, was meine ich mit „effizient“? Wikipedia beschreibt den Unterschied zu „effektiv“  wie folgt:

Effektiv arbeiten bedeutet, eine Aufgabe möglichst gut zu erfüllen, effizient arbeiten hingegen bedeutet, ein Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz, oder möglichst großem Ertrag zu erreichen.

Effizient bedeutet also vereinfacht gesagt, dass ich mein gesetztes Ziel mit vertretbarem Aufwand erreiche, effektiv dagegen nur, dass ich es überhaupt irgendwie erreiche. Mir geht es heute um die Effienz.

In meinen Augen ist Social Media ein Konglomerat aus Plattformen hauptsächlich für C2C und B2C. Also, wie Konsumenten untereinander kommunizieren, indem sie Inhalte austauschen, teilen oder generieren. Und auch wie Unternehmen, kleine, mittlere wie grosse, mit mehr oder weniger Erfolg ihre jeweiligen Botschaften an die Konsumenten bringen oder mit Ihnen kommunizieren. Die erstere Gruppe halte ich dabei für effizienter oder produktiver: C2C.

Die Gruppe der Freiberufler und geschäftlichen Einzelkämpfer zu ihren Kunden würde ich zwischen die beiden Gruppen plazieren. Merkwürdigerweise gibt es keinen Begriff für diese Marktbeziehung, meines Wissens nach. Ich nenne diese Gruppe mal F2C oder auch F2B, also Freelancer to Consumer oder Freelancer to Business. Freiberufler haben für mich eine Zwitterrolle zwischen Business und Consumer. Sie sind Consumer-ähnlich, weil sie mit einer sehr persönlichen Stimme und für sich sprechen – Sie sind aber auch Business-ähnlich, weil es ihnen ja letztendlich auch um Geschäftanbahnung auf den Märkten geht.

Fast alles in den Social Medien ist heute und in naher Zukunft C2C. Hingegen F2B und B2C folgen in weitem Abstand  in genau der Reihenfolge bezogen in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung dahinter. Das sind meine Beobachtungen seit es Social Media gibt. Gefühlt – ich kann sie nicht mit absoluten Zahlen belegen.

Wer also, sich selber darstellen und  möglichst viele Leute kontakten will, auf möglichst vielen Parties eingeladen werden möchte, ist bei den Social Medien genau richtig. Ähnliches gilt für diejenigen, die als Einzelkämpfer ihre Kompetenzen und Leistungen entweder im Konsumermarkt oder mit grossem Glück an Unternehmen vermarkten will, kann Social Media als eine der Kanäle für Geschäftsanbahnungen nutzen. Sie sollten aber sich nicht darauf verlassen, sondern auch und insbesondere die klassischen Kanäle dafür einsetzen.

Zusammengefasst bisher: Für Konsumenten ist es ein Spass und ein guter Zeitvertreib. für Freiberuflicher darüber hinaus auch eine Gelegenheit, Geschäftskontakte anzubahnen. Mehr nicht. Das ist legitim und völlig in Ordnung. Mit dieser Meinung habe ich wahrscheinlich so ziemlich alle im Social Media Bereich gegen mich.

Was ist aber nun mit B2C und B2B? In meinen Augen, seien wir ehrlich, sind die B2C Etats verschwindend klein gegenüber den restlichen Etats der Unternehmen, soweit ich das in meinem Umfeld mitbekomme. Ausnahmen bestätigen möglicherweise diese selbstangenommene Behauptung. Zudem habe ich eher den Eindruck, es geht den Unternehmen bei Social Media eher um Beschwichtigung, negativen Druck aus dem Markt nehmen u.ä. – Die Social Media Berater mögen es mir verzeihen. Echte ernsthafte Konsumentenpartizipation ist eher selten in den Erwartungen der Unternehmen. kein Idealbild. Beim B2C im PR-Bereich geht es eher um Marktvorbereitung und -öffnung, um die Beschleuniger und Hubs im Markt zu gewinnen und als Multiplikatoren zu nutzen. Im Vertrieb schlicht nur um einen Absatzkanal.

Ich bin im B2B Bereich. Die Entscheider meiner Kunden sind meist (beruflich) nicht im Social Media Web. Ich muss sie anders erreichen. Auch deren unmittelbare Einflusssphäre innerhalb der Unternehmen ist kaum im Social Web. Beruflich nutzt mir Social Media gar nichts. Höchsten, um vielleicht den einen oder anderen interessanten potentiellen Mitarbeiter kennenzulernen. Deshalb habe ich immer gesagt, ich bin zum privaten Spass im Social Web. Aus ganz privatem Interesse. Kunden kann ich da nicht gewinnen. Den Erfolg von B2C kann ich nicht wirklich beurteilen. Vermute aber in Relation zum Gesamtgeschehen kann er so gross nicht sein. Ja es gibt eBay, amazon & Co. Sind das Social Media Plattformen? Bedingt. Google? Auch keine wirklich.

Aus diesen Gründen halte ich Social Media Plattformen wirtschaftlich für ziemlich bescheidene Plattformen. Ungeachtet der Nutzerzahlen und Umsätze, die die Plattformbetreiber erwirtschaften. Das ist wie mit den Schaufel- und Jeansherstellern während des Goldrauschs. Für des Kaisers neue Kleider.

Die reale Wirtschaft läuft (immer noch) ausserhalb der Social Media Plattformen. Oder sehe ich das verkehrt?

Update – Hier noch einige lesenswerte aktuelle Artikel zum Thema B2B und Social Media:

Anlässlich der Diskussion in den Kommentaren…

…und unabhängig davon früher (Juni 2010):

Update 2 – Grossen Dank an alle Kommentatoren für die sehr sehr gute nachfolgende Diskussion und Diskussionskultur!