Potenzial-Matrix von Social Software in Unternehmen

Björn Ühss hat seine Diplomarbeit in „Social Software in Unternehmen“ geschrieben. Ich hatte das Vergnügen, vor einiger Zeit im Rahmen seiner Recherche ein längeres Telefon-Interview zu geben und heute seine Arbeit gegenzulesen. Da die Diplomarbeit mit Unterstützung von IBM erstellt wurde, ist sie noch nicht öffentlich verfügbar, aber Björn hat schon eine kleine Kostprobe in seinem Blog veröffentlicht, die ich dankbar bei mir ebenfalls zeigen darf – Eine Potenzial-Matrix von Social Software in Unternehmen:

Eine Matrix, die viel Raum für Phantasien über zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Social Software in Unternehmen zulässt. Eine hervorragende Arbeit, Björn.

Vergleiche dazu auch meine Ausführungen von neulich zu Microblogging, Blogs, Wikis, Foren, Chats – Die Unterschiede.

Tausend mal tausend Dank!

Geburtstagsglückwünsche in sozialen Netzwerken sind ein Kommunikations-Phänomen. Ich bin erschlagen und überwältigt von allen Tweets, Kommentaren, Mails, SMSsen, Anrufen, ja ich habe sogar auch einige Postkarten (auf Papier) erhalten. Tausend mal tausend Dank! Ich werde versuchen, alle nach und nach zu beantworten. Aber an dieser Stelle ein grosses Dankeschön in die grosse Runde!

PS: Übrigens, der Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti über 7+ Kommunikations-Phänomene in Netzwerk-Sozialitäten ist recht lesenswert, wenn auch in einigen Passage akademisch etwas schwer verständlich in der Wortwahl. Musste ich anmerken, Christiane.

Corporate Inhouse Social Software

Gestern hat mich Björn Ühss aus Wien für seine Diplomarbeit bei IBM interviewt. Sein Thema lautet „Nutzen von Social Software für Unternehmen anhand Best Practices verglichen mit IBM“. Dabei haben wir auch über die Zukunft von Social Software in (grossen) Unternehmen gesprochen, der klassischen Klientel von IBM. Björn meinte völlig zu recht, die Einführung von Wikis, Blogs und anderen Social Tools in diesen Unternehmen sei wegen der mangelnden Akzeptanz (im Management) sehr schwierig. Von Twitter ganz zu schweigen.

Dabei kam mir folgender Gedanke. Ich glaube, der Weg mit dem geringsten Widerstand die neuen Corporate Social Services, so nenne ich sie mal, einzuführen ist, sie auf den vorhandenen Messaging Servern aufzusetzen und diese um „soziale Funktionen“ aufzubohren. Was heisst das?

Man nehme einen Mail/Messaging Server von einem der beiden Marktführer, IBM Notes oder Microsoft Exchange, und bohre sie auf zu Inhouse Social Network Plattformen. Die Server enthalten ja schon mal alle Nutzerprofile des Unternehmens, Diese gilt es nun um relevante weitere userbezogene Daten zu erweitern. Die Grunddaten dazu gibt es überall im Unternehmen, insbesondere in den Organisations- oder Personalabteilungen. Je nach System und Ausprägung können diese erweiterten Profile im Active Directory (AD) und/oder im LDAP abgelegt und automatisch mit den Quellensystemen ständig synchronisiert werden. Diese „angereicherten Profile“ bilden die „Knoten“ des internen sozialen Netzes, dass es nun zu weben gilt.

Die „berufsbedingten sozialen Beziehungen“ zwischen diesen Knoten ist der „Social Graph“, den diese Mailsysteme noch nicht haben. Diesen Graph gilt es als Add-on den Servern hinzuzufügen. Relativ simpel am praktischten eben auch im AD oder LDAP. Und schon hätte man ein „Corporate Inhouse Social Software“ basierend auf den schon vorhandenen Messaging Servern. Warum ist das interessant?

Die Organisationsstrukturen von Grossunternehmen (10.000+ IT-Arbeitsplätze) werden flacher, verteilter und dadurch de facto vernetzter. Sie wandeln sich immer mehr von hierarchisch starren Strukturen hin zu flexiblen serviceorientierten Gebilden. Die Linien lösen dadurch natürlich nicht vollständig auf, aber sie werden komplexer. Es ist für den einzelnen Mitarbeiter nun viel wichtiger, aufgabenbezoge Beziehungen im  Unternehmen zu knüpfen und zu pflegen. Einfache Adressbücher, auch hierarchisch gegliederte interne „Gelbe Seiten“, reichen da nicht mehr aus, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Unternehmen werden i.d.R. nicht ihre sensitiven personenbezogenen Daten in externe webbasierte Services wie LinkedIn, Xing o.ä. herausgeben. Webbasierte Services, die mittlerweile Alltag in der Web 2.0 Welt sind und die wir alle privat und viele auch berufsbedingt nutzen. Vorallem Freiberufler und Selbstständige. Aber die haben andere Anforderungen als (grosse) Unternehmen.

Im Gegenzug macht es auch keinen Sinn, sogenannte „White Label“ Lösungen dieser öffentlichen webbasierten Plattformen zu verwenden. Solche Lösungen bedeuten deutlich mehr Entwicklungs-, Wartungs- und Pflegeaufwand für die Softwarehersteller, dessen Geschäft es ja gerade ist, einen einheitlichen Dienst im Internet allen anzubieten. Jede Version für einen Kunden würde eine eigenständige Aufmerksamkeit (Entwickler) bedeuten. Das ist meist nicht wirtschaftlich für die Anbieter.

Eigenständige Inhouseprodukte wie beispielsweise das wikibasierte SocialText bringen uns in dieser Grössenordnung auch nicht weiter. Meist ist es so dass IT Abteilungen die Einführung zusätzlicher technologischer Plattformen, die schwer mit der restlichen Infrastruktur zu integrieren sind, scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Zu recht. Denn das bedeutet Mehraufwände im Betrieb, Sicherheitsrisiken, Bedenken in der Kette der Verfügbarkeiten und mehr.

Deswegen finde ich meinen Ansatz eigentlich am attraktivsten. Man nimmt, was man schon hat und kennt, was sich bewährt hat und bohrt es nur auf. Und man muss nicht über so abstrakte Begriffe wie „Neues Web“, „Web 2.0“ oder „Cool“ argumentieren. Der Bedarf ist da. Ich bin schon mehrfach in grossen Intranetvorhaben nach solchen praktikablen Lösungen gefragt worden. So etwas kann man auch als Add-on Produkt entwickeln und vertreiben.

Mehr Webmedien, mehr Webkanäle, mehr Webaktiviät

Alexander Becker fragt im ethority Blog, ob sich das klassische Verhalten der Blogger mit dem Aufkommen von Twitter, Friendfeed und vielen weiteren Social Medien und Kanälen verändert hat. Ob vielleicht die neueren Entwicklungen zu geringerem Bloggen geführt haben könnten, wie Robert Scoble es behauptet.

Die Kommunikation und die Vernetzung ist reichhaltiger geworden. Die Vielfalt der Informationen, die ausgetauscht werden, hat zugenommen. Das Bild, dass ich von den einzelnen Netzteilnehmern habe, ist heute sehr viel differenzierter als früher. Ich würde nicht sagen, dass das Bloggen auf Kosten der anderen Kanäle abgenommen hat. Im Gegenteil, ich bekomme jetzt viel mehr Anregungen über Ideen und Themen zu bloggen als vorher. Allein, die Links und Content-Partikel in Twitter sorgen schon dafür, nicht den Kontakt zur Blogosphäre zu verlieren und sich manches nochmal im Web anzuschauen und darüber nachzudenken. Ferner bemerke ich auch einen Traffic zwischen den Welten. Durch Twitterbezüge in den Blogposts finden viele Blogleser bei mir zu Twitter und umgekehrt. In meinem Fall gewinnen beide Seiten dadurch.

Alle diese unterschiedlichen Medien und Kanäle haben das vernetzte Leben reichhaltiger gemacht. Die Kommunikation im Web ist heute bei mir höher und intensiver als sie je zuvor war. Ich blogge heute mehr. Die Gefahr, websüchtig zu werden, ist nicht geringer geworden.

Xing-Profile per Google…

durchsuchen. Knapp 20.000 Google-Seiten auf Deutsch á 100 Einträge = 2 Millionen Profile.  Social Searching. Beindruckend oder Erschreckend? Von Xing oder von Google?? Bin mir nicht so sicher… Andererseits, man möchte ja auch im Web gefunden werden und hat ja in Xing sein Profil für Suchmaschinen freigegeben. Aber es stimmt schon etwas nachdenklich, wenn man sich vorstellt, dass auf diese Weise Google einen Grossteil der Profile von Social Networks u.ä. in ihren Datenspeichern hat. Das dürfte kein geringer Teil der weltweiten Creative Class sein.

PS: Wofür früher Geheimdienste Jahre gebraucht haben, kann jetzt jeder „Depp im Web“ fast jeden anderen und alles andere finden und kombinieren. Heisst das jetzt aber, das Geheimdienste nun ihre Existenzberechtigung verloren haben? Oder, dass sie sich neue Betätigungsfelder suchen? Und ausserdem gibt es ja noch das Dark Web.

PPS: Ausserdem, einer meiner ehemaligen Informatik-Professoren, sagte mir mal in den siebziger Jahren zu recht, wirklich Geheimes gehöre nicht in den Computer – damals hatten wir noch kein Internet und die schöne neue Welt…