Die Digitale Soziosphäre

Mein Blog „Sprechblase“ wird mittlerweile um ein Vielfaches mehr über Twitter und ähnliche Microbloggingdienste verlinkt als über andere Blogs. Auch die Verlinkung auf die „Sprechblase“ via Facebook und weitere soziale Netzwerke hat signifikant zugenommen. Die Verlinkung von Blog zu Blog dagegen hat zahlenmässig fast keine Bedeutung mehr. Ich selber dagegen verlinke gerne auf andere Blogartikel übrigens.

Diese Verlagerung der Verlinkungsquellen hat mindestens zwei Gründe: Zum Einen nutze ich selbst diese neuen Netzwerke ziemlich extensiv seit über 500 Tagen, zum anderen gilt das auch für die Leser dieses Blogs. Die Zugriffszahlen auf mein Blog haben in dieser Zeit stetig und konstant zugenommen. Ich glaube, diese Verlagerung der Verlinkung aus Twitter, Facebook, Posterous & Co. gilt für viele andere Blogs auch.

Die klassischen Blogcharts, die nur die Blog-zu-Blog-Verlinkungen aufführen, tragen dieser generellen Entwicklung nicht oder kaum Rechnung. Sie geben ein stark verfälschtes Bild wieder. Für alle, denen eine Quantifizierung wichtig ist, ist eine Messung gefordert, die den ganzen Raum der sozialen Netzwerke berücksichtigt. Reine Blogcharts wären damit überholt. Bezugspunkt ist demnach nicht das Blog, sondern ein Objekt, meist eine Person, und ihr Referenzraum in ihr komplettes soziales Universum. Nur, wie misst man das? Was ist die Kennzahl? Gibt es dafür überhaupt eine Grösse? Gibt es einen „SocioRank“ ähnlich wie Googles „PageRank“?

„Reputation“ in der Digitalen Soziosphäre ist heute sehr viel komplexer zu erfassen, als noch vor ein oder zwei Jahren. Was ist überhaupt „Reputation“ heute? Ist es die Anzahl der Referenzlinks von woher auch immer? Oder ist es ganz etwas anderes, das sich quantifizieren liesse? Der Begriff der „Reputation“, wie er heute in der Blogosphäre verwendet wird, stammt ursprünglich aus der Verwendung dieses Begriffs aus der akademischen Welt, wo sie an der Anzahl der Literaturverweise auf einen Wissenschaftler gemessen wurde. Das halte ich heute für überholt.

Eigentlich müsste es darum gehen, wieviele neue positive Impulse jemand in die Digitalen Soziosphäre liefert und wie diese neuen Anregungen, Ideen, Initiativen, Aktionen von den anderen angenommen werden, sich dort fortpflanzen, die Entwicklung in der Digitalen Soziosphäre befruchten und voranbringen. Das allerdings halte ich für schwer oder fast gar nicht messbar. Es bleibt also nur die subjektive Einschätzung im Auge des Betrachters. Oder?