Tod und Teufel.

Heute wurde ich gefragt, was denn nach dem Tod kommen würde. Nichts, meinte ich. Einige Male habe ich ja schon Vollnarkose im Krankenhaus bekommen. Da war ja auch nichts in dieser Zeit. Ich sollte rückwärts zählen und an was Schönes denken.

So stelle ich mir den Tod auch vor. Keine 72 Jungfrauen. Und kein Grill und Dreizack. Aber Nahtoderfahrungen wurde ich wieder gefragt. Alles Täuschungen des Gehirns bei Sauerstoffmangel, denke ich.

Aber wer weiß das schon?! No spoilers!!

Der Tod und seine Kinder.

Eines Tages kam der Christian gar nicht mehr. Wir waren damals in der zweiten Klasse. Alles Jungs. Getrennter Untericht von Jungs und Mädchen. Das war damals noch so. Volksschule hiess es damals auch noch. In einem noblen Stadtteil in Hamburg.

Schon in der ersten Klasse fehlte Christian sehr häufig. Es hieß er sei krank. Wir wußten nicht was er hatte. Unsere Lehrerin Fräulein Harder sprach damals nicht darüber.

Alle Lehrerinnen waren damals Fräuleins. Heirateten sie, mußten sie aus dem Schuldienst susscheiden. So war das Beamtengesetz noch.

Als erwachsener Mann hatte ich sie zufällig wieder gesehen. Mit einer Klasse Grundschüler der gleichen Schule auf der Straße. Sie war sehr alt und füllig geworden. Vielleicht war sie in der Schule auch nur zu besuch, denn die Klasse wurde auch begleitet von zwei jungen Lehrerinnen. Ich zögerte. Ich war auf der anderen Straßeseite. Und ziemlich viel Verkehr dazwischen. Ich sah sie noch alle um die Ecke verschwinden. Dann war es schon zu spät.

Fräulein Harder stellte sich eines Tages kurz vor die Klasse und sagte, dass Christian gestorben war. Er hätte Magenkrebs gehabt. Wir alle schwiegen.. Der Unterricht lief danach einfach weiter. Für uns war es aber ein Schock.

Das war meine allererste Begegnung mit dem Tod. Ich denke öfter mal an Christian. Ein hübscher, sehr aufgeweckter, intelligenter Junge. Weißblond mit einem runden, rosa Gesicht. Wir hatten ihn in der Klasse sehr gern.

Heute ist keine zweihundert Meter von der Schule weiter ein Kinderhospiz. Damals gab es sowas noch nicht. Der lokale Supermarkt sammelt das Geld von den Pfandflaschen und spendet es für das Hospiz.

Jedesmal, wenn ich heute an der Schule oder am Hospiz vorbei gehe, oder wenn ich Schulklassen mit Grundschülern aus meiner Schule sehe, wenn ich morgens zur U-Bahnhaltestelle gehe, muß ich jedesmal unweigerlich an Christian denken.

Throwbackfriday.

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Das Morphium beginnt zu wirken. Langsam klappen die Augen nach oben. Die Lieder sind noch halb geöffnet, das Weiße ist zu sehen. Jetzt fallen sie ganz zu. Aber ist das Schlaf? Seine Streichholzarme zucken, manchmal eine ausladende Geste, zu der sich die Lippen bewegen, sich zu einem Lächeln oder einem grimmigen Ausdruck formen, dazu die Stirn in Falten, mal horizontal, mal vertikal, mal auch beides. Dann ein Schrei, bei dem der Lautstärkeregler auf ein Minimum herabgedreht ist. Diesmal angstverzerrt. Der Atem geht flach und schwer, so, und so ist es ja auch, als könnte jedes Luftholen das Endgültige sein. Schlaf, mein lieber Freund, schlaf ein und mit ein wenig Glück hast du einen schönen, letzten Traum.

von. via.