Offenheit und Transparenz

Stefan Niggemeier möchte für eine Zeitschrift einen Artikel über Offenheit und Transparenz schreiben. Auf gut Deutsch: Bestechlichkeit, Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme. Bakschisch. Schmiergeld. Im Klartext: Siemens, VW, das Stromkartell & Co.

Dazu sucht er nach Beispielen aus dem Leben, wo Unternehmen öffentlich in vollem Umfang ihre Fehler und Sünden eingestanden und anschliessend sich in den Staub geworfen haben. Stefan war so freundlich und hatte mich gestern auch per Mail danach gefragt. Ich war wohl aber nicht der Einzige, der gemeint haben muss, dass ihm reumütige und beichtende (deutsche) Firmen im realen Leben bisher nicht in eigener Anschauung begegnet sind. Denn er sucht immer noch nach Augenzeugen und Berichterstattern.

Unter uns Betschwestern: Offenheit und Transparenz in der Wirtschaft sind eine völlige Illusion. In allen Ländern der Welt. Ohne Ausnahme. In der Privatwirtschaft wie insbesondere auch bei der Öffentlichen Hand. Über sämtliche Hierarchien hinweg. Ein absoluter Hohn, dass sich die obersten Wirtschaftkapitäne im Fernsehen zu Corporate Governance Richtlinien bekennen. Mit einem leicht verlegenen Lächeln. Frömmelnde Scheinheiligkeit. Es ist ein abgekartetes Spiel. Schon immer gewesen. Selbst Staatoberhäupter in der EU lassen Offenheit und Transparenz vermissen. Jüngst hat sich ein Sarkozy seine teuren Urlaube und alle seine eitlen Annehmlichkeiten von einem französischen Unternehmer bezahlen lassen. In aller Öffentlichkeit. Keiner ist davor gefeit. Keiner. Deshalb, lassen wir die bigotte Forderung nach Offenheit und Transparenz. Wir sind keinen Deut besser als orientalische oder südamerikanische Potentaten. Undemokratisch? Ja. Die Lösung?

Hat jemand dafür eine praktische Lösung? Eine Lösung wie wir Korruption verhindern können? Oder hat Bestechlichkeit sogar einen volkswirtschaftlichen Nutzen gar? Aber kommen Sie mir nicht mit der Moral.