Sommerlöcher (Update)

  • Twitter Search ist aus dem Ruder gelaufen. Die kleine Suchbox in der rechten Spalte bei Twitter liefert seit Wochen und Monaten keine vernünftigen Ergebnisse mehr: Viele aktuelle Tweets werden nicht mehr gefunden. Wobei Standardsuchbegriffe wie „Twitter“ oder „Search“ schon, aber zu häufig nicht mehr alle Tweets zu individuelleren Begriffen wie „Oetting“ oder „Elbe“ beispielsweise. Eine Zwei-Klassen-Suchmaschine? Korrupte Datenbank? Werden nicht alle Hashtags und Tweets aufgenommen? Oder nur mit grossem Zeitverzug? Twitter Search hat damit bei mir den Nimbus einer Real-Time-Suchmaschine vorerst verloren. Was wohl Google darüber denkt?
  • Update zu Twitter Search: Siehe hier. Hat tip to Marco. Macht aber die Sache auch nicht besser…
  • Popkulturjunkie hat Technorati nun endgültig als Referenzmedium für die Deutschen Blogcharts rausgekickt. Meine Geduld mit dem amerikanischen Blogverlinkungs-Buchhalter war schon seit langem zu Ende. In seinem Blogpost erklärt Jens Schröder wieso, weshalb und warum und was sein Plan B ist und welche Auswirkungen das hat. Good bye Technorati!
  • Probiert: Hamburger Schlemmersommer: @NutriCulinary hat gebloggt: Hungrig im Hotel Atlantic
  • Der Sommer ist noch nicht zu Ende.

Twitterwartung wegen Iran verschoben

Twitter hat seine geplanten Wartungsarbeiten wegen den Ereignissen im Iran auf den 16. Juni 2009 01:30 Ortszeit Teheran verschoben. Thank you!

However, our network partners at NTT America recognize the role Twitter is currently playing as an important communication tool in Iran. Tonight’s planned maintenance has been rescheduled to tomorrow between 2-3p PST (1:30a in Iran).

Der Microbloggingdienst ist wegen der schwierigen und zensierten Nachrichtenlage momentan einer der wenigen aktuellen ungefilterten Nachrichtenquellen aus dem Gebiet. Unzählige Twitterati hatten gestern gegen die geplante Twitterpause protestiert.

Twitter-Follower-Spam: Fake Popularität

Ich brauche ein Tool mit dem ich (halb-automatisch) offensichtliche Spam-Follower erkennen und blocken kann. Spam-Accounts unter den Twitter-Followern nehmen überhand.

Spammer dringen massiv in Twitter und andere Social Media Dienste ein. Sie sammeln mit hoher krimineller Energie und mit allen Tricks Accounts, die sie dann versuchen vollzumüllen. Ferner blähen sie die Followerzahlen der anderen dadurch mächtig auf.

Ich möchte solche Spam-Follower blocken, weil ich nicht möchte, dass sie meine Tweets lesen und die Accounts, die dadrin vorkommen wiederum ernten. Ich will die Verbreitung von Spam eindämmen. Bisher habe ich das gewissenhaft und manuell gemacht. Ich komme jetzt aber nicht mehr dagegen an.

Gestern abend habe ich beispielsweise @tweetranking, ein Dienst aus Deutschland, mit dem man interessante Twitterer mit typischen Hashtags versehen und weiterempfehlen kann. Eigentlich eine gute Sache. Der Effekt war aber, dass nach wenigen Minuten schlagartig ein Haufen Spammer sich an meine Fersen geheftet haben. Bis heute morgen habe ich etwa 30-40 neue Follower fast ausschliesslich aus den USA, alles Spammer und Ego-Twitterer, die nur auf hohe Followerzahlen aus sind. Das kann kein Zufall sein. Ich vermute stark, dass diese schlicht bestimmte Hashtags im Twitterstream erkennen und folgen, oft mit Autofollow-Mechanismen. Oder sie scannen und räubern solche Empfehlungsdienste direkt aus. Um es aber noch einmal klar zusagen: TweetRanking ist nicht der Spammer. Es ist aber ein strukturierter Account-Pool für Spammer. Wie kann man das verhindern?

Twitter-Antispam-Verfahren sind gefordert. Sonst kannibalisiert sich das System selbst. Keine einfache Herausforderung an die Entwickler. Bin gespannt auf die Lösungen.

Wie gross ist eigentlich der Anteil der Spammer bei Follower von A-Twitterern mit Mega-Followerzahlen ? Karteileichen-Quote bei Followern liegt ja bei 60+%… Bereinigt man diese Zahlen, dann dürften manche ganz schön ernüchtert sein. Aufgeblasene falsche Popularität will keiner.

Tipp am Rande: Mit Untweeps.com kann ich wenigstens die inaktiven Accounts, die Karteileichen, unter denjenigen erkennen und ent-followen, denen ich selber folge und die seit geraumer Zeit nichts mehr selber ge-tweetet haben. Login per oAuth bei eingeloggtem Twitter-Account übrigens, Passwort ist also nicht erforderlich.

Workshop: Show! Don’t Tell!

Habe heute einen ganztägigen Workshop zu Microblogging und Twitter gemacht. Komplett interaktiv und online in freier Rede – ohne jegliche Präsentationsfolien. Powerpoint ist doof und langweilig. Oder jede andere Folienshow. Es war ein Wagnis. Es hat funktioniert. Fanden die Teilnehmer auch.

Ich habe einfach Twitter live gezeigt, Basisfunktionalitäten vorgeführt, Teilnehmer Accounts anlegen lassen, die Arbeit mit verschiedenen Tools gezeigt und ausprobieren lassen, Tipps und Tricks gegeben, Zahlenmaterial in Echtzeit an Monitoring- und Analysewerkzeugen demonstriert. Zusätzlich habe ich, um einige Aspekte in der Metadiskussion und den Nutzen zu erläutern, einige ausgewählte und gut strukturierte Blogartikel aus der „Sprechblase“ eingeblendet, Fragen beantwortet und neue aufgestellt, gemeinsam braingestormt und Ideen entwickelt. Es war kurzweilig und hat alle Teilnehmer von Anfang an zum Mitmachen animiert.

Mein roter Faden speziell für diesen Kunden dabei: (1) Was ist Twitter und wie funktioniert es? (2) Wozu ist es gut? (3) Wie kann ich es für mein PR, Marketing und Sales einsetzen? (4) Wie kann ich es in meine Produkte einbetten und verwenden? (5) Treffen nach 2-3 Wochen, um erste konkrete Umsetzungen im Haus zu besprechen.

Mir hat diese Arbeitsweise Spass gemacht. Den Teilnehmern gleich praktische Erfahrung und erste Erfolgserlebnisse beschert. „Show! Don’t Tell!“ wie Hollywood es sagt. Berichte nicht, zeige es. Rede nicht darüber, sondern mach es. Sei nicht langweilig und besserwisserisch, sondern informiere und unterhalte.

Wieviel Social Network braucht der Mensch?

Boogie hat zu dieser Diskussion in Facebook, die ursprünglich durch einen Tweet in Twitter ausgelöst wurde, einige kluge Gedanken in audioboo.fm mit seiner wunderbaren mitternächtlichen Radiostimme gesprochen (04:48 Minuten). Bitte alle mal reinhören.

In diesem Wirrwarr der Plattformen und virtuellen Vernetzungen, ist es manchmal wohl doch effizienter sich morgens zum Kaffee zu treffen und sich die Zeit für die Zwischentöne in einem persönlichen Gespräch zu nehmen. Manchmal vergessen wir Webbies das. Der allergrösste Teil der Menschheit und unserer Lieben telefonieren lieber oder schreiben mal höchstens eine Mail, anstatt sich zuzutwittern und vollzubloggen. Ist einfach nun mal so.

PS: Boogie, du solltest Mitternachtssprecher „for the lonely“ im Radio werden. Frag doch mal bei Byte.FM nach. Ruben, hörst du mich?

Massive Spam- & Phishing-Attacken in Twitter & Facebook

In den letzten Tagen häufen sich wieder Spam- und gerade Phishing-Attacken in zwei sehr grossen und wachstumsstarken Kanälen: Twitter und Facebook.

Beispielsweise empfangen momentan viele Facebook-Nutzer Mails mit der Betreffzeile „Look at this“ und einem Verweis auf eine Webseitenadresse, die wie eine belgische Domain aussieht, mit der Endung „.be“, die aber natürlich gefälscht ist. Klickt man drauf, wird man nach seinem Facebook-Passwort gefragt, die dann für weitere Mails an seine Facebook-Freunde verwendet wird. So entstehen lawinenartige Spammails. Vermehrt wird in Facebook und Twitter vermutet, dass die Drahtzieher dieser Aktionen in China sitzen sollen. Bei solchen Mails sofort die Nachricht ungelesen löschen und auf gar keinen Fall auf irgendwelche Links klicken. Der Grundmechanismus dabei ist immer, das vorgegaukelt wird, dass diese Mails vertrauensvoll von den eigenen Freunden aus dem Netzwerk kommen.

Ähnliches geht schon seit längerem bei Twitter vor. Die New York Times berichtete ebenfalls darüber am Wochenende. Erschwerend für die Nutzer kommt in diesen Medien noch hinzu, dass die verseuchten Links oft hinter Links stecken, die abgekürzt sind durch diverse Services wie tinyURL odere bit.ly oder ähnliches und damit der eigentliche Link unsichtbar bleibt zunächst.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass diese relativ jungen und unausgereiften aber enorm wachstumsstarken Plattformen, noch keine Schutz- und Abwehrmechanismen besitzen wie Mailanbieter. Virenschutzsoftware wie für Clients und Server handelsüblicher Systeme greifen hier so gut wie gar nicht. Die Attacken sind ja momentan auch keine technischen Viren, sondern gehen eher „semantisch“ vor. Sie erschleichen sich das Vertrauen der Nutzer und betrügen. Da die neuen Social Media Plattformen webbasiert durch ihre Anbieter betrieben werden, haben Nutzer und Konsumenten auch keine Chance, eigene proaktive technische Massnahmen zum Schutz zu ergreifen. Alles passiert unsichtbar und ohne Einfluss der Nutzer hinter den Kulissen von Twitter, Facebook & Co ab.

Ich halte die Bedrohung der neuen Medien durch Spam- und Phishingattacken für sehr ernsthaft. Sie gefährden das Vertrauen der Nutzer und somit ihr Vertrauen in diese neuen Plattformen und damit auch die Existenzberechtigung dieser Dienste. Ich denke, die Anbieter werden sich hier sehr schnell etwas einfallen lassen müssen. Sie haben dafür die volle Verantwortung. Das scheint mir die zentrale Aufgabe in diesem Jahr zu sein. Die Stunde der Experten naht, denn alleine scheinen sie diese Probleme offensichtlich nicht in Griff zu bekommen… Social Media Security Experts? Alles ist denkbar.

Allererste Massnahme der Betroffenen: Sofort Passwort wechseln. Sollte erstmal postaktiv reichen. Informiere und warne deine Follower und Freunde darüber. Denke ich. Gute Besserung.

Update: New York Times [May 26, 2009, 7:08 am] Phishers Now Hitting Twitter. Facebook is no longer alone in its troubles.

Rest in Peace: RSS

Steve Gillmor, editor at TechCrunch IT and Head of the Gillmor Gang, sayz:

It’s time to get completely off RSS and switch to Twitter. RSS just doesn’t cut it anymore. The River of News has become the East River of news, which means it’s not worth swimming in if you get my drift.

He continues further on:

Twitter, Facebook, FriendFeed – whatever they grew from, they morphed into a realtime CMS for the emerging media. Twitter, not RSS, became the early warning system for new content. Facebook, not RSS, became the social Rolodex for events, casual introductions to RSS’ lifeblood, the people behind the feeds. FriendFeed, not RSS, captured the commentsphere. RSS got locked out of its own party.

Dave Winer, inventor of RSS, comments on this:

Nicely written piece, and you can tell that you love RSS, which of course I do too. :-)

Sad to say, but I believe Mr.Gillmor is right. Almost.