Fressen, gefressen werden oder einfach verhungern lassen.

Wo ich gerade diesen schönen Artikel in Carta lese, wie aus Internet-Plattformen Verlage werden, fällt mir ein:

Bei Microsoft gab es mal in den 90er Jahren den Spruch: „embrace, enhance, extinguish“. Verdrängungswettbewerb Galore! Umarme deinen Wettbewerb, erweitere gemeinsam mit ihm den Markt, um ihn dann am Ende zu schlucken oder zu vernichten. Hat bei Microsoft damals recht gut funktioniert. Später haben sie dann so ziemlich alles verschlafen oder die falschen gefressen.

Gleiches machen die Platzhirsche im Web wie Google, Amazon, Facebook und Twitter mit ihrem online Wettbewerb oder mit den Papier-Verlagen zum Teil. Fressen, gefressen werden oder einfach verhungern lassen. Ein Haifischteich. Oder wie die Amerikaner sagen: The 800 Pound Gorilla Game.

Ansichten eines modernen Journalisten

Werden Papier-Zeitungen so selten sein wie Vinyl-Platten heute? Brauchen wir noch grosse Verlage? Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Don Dahlmann meint, weg mit den Verlagen, her mit den Redakteuren:

Ein moderner Journalismus kann sehr gut im Netz und ohne Verlage überleben, da die Kosten deutlich niedriger liegen als bei einem gedruckten Exemplar einer Zeitung. Auch wenn die Erlös- und Vermarktungsituation im Moment für Seiten unterhalb von 500.000 1 Mio Uniques noch unbefriedigend ist – ewig wird dies nicht so sein. Es ist noch Zukunftsmusik, aber ich bin durchaus der Meinung, dass sich dezentrale Redaktionskonzepte dank immer einfacher CMS Systeme in Zukunft durchsetzen werden und in Konkurrenz zum etablierten Verlagsgedanken treten werden. Und genau hier liegt da auch wieder die Chance, dem Journalismus in Deutschland neues Leben einzuhauchen. Das die Übergangsphase nicht leicht wird, ist klar und es ist bedauerlich, dass ausgerechnet jetzt, wo man einen starken Journalismus mehr denn je benötigt, dieser, zumindest in vielen Bereichen des Tagesgeschäftes, kaum noch wahrnehmbar ist. Hilfreich für eine Demokratie ist das nicht, womit ich wieder bei meiner Ausgangsthese wäre – wir brauchen einen starken Journalismus.

Grossartig auf den Punkt gebracht. Deckt sich mit meinem undifferenzierten Unmut.

Schön auch, dass es dabei nicht darum geht, dass Online-Journalismus das Ziel ist, sondern dass es ein Mittel zum besseren und freieren Journalismus sein kann. Ich denke, dass Journalisten sehr wohl ohne Verlage leben können. Die Mittel dazu sind ja alle schon da.

BuzzMachine: Turn off the Press

Benjamin Birkenhake hat mich per Mail auf den recht lesenswerten Artikel von Jeff Jarvis Google as the new pressroom hingewiesen. Im Artikel sagt Jarvis, dass die Verlage im falschen Geschäft sind. Zeitungen und Verlage sind weder in der kostenintensiven Fertigungs- oder in der Absatzwirtschaft noch in der IT, da seien sie eben ziemlich schlecht. Sie sollten sich lieber fragen, was eigentlich ihr Kerngeschäft ist. Jeff Jarvis‘ Rat:

So take the advice, papers: Get out of the manufacturing and distribution and technology businesses as soon as possible. Turn off the press. Outsource the computers. Outsource the copyediting to India or to the readers. Collaborate with the reporting public. And then ask what you really are. The answer matters dearly.

Währenddessen hatte einer in England den selben Gedanken. Ben meinte daraufhin in seiner Mail: „Verdammt, die Zukunft überholt mich auf der rechten Spur“ – Ben ist Teamleiter für DIE ZEIT.

MagCloud – Die Zukunft des Magazins?

MagCloudJeder kann jetzt ein eigenes gedrucktes Hochglanz-Magazin auf Papier herausgeben. Ohne das Risiko unverkaufte Restauflagen in der Ecke vergammeln zu lassen. Oder lange Texte und schöne Bilder sich ermüdend stundenlang am Bildschirm anschauen zu müssen. Das geduldige unkomplizierte Papier ist wieder da.

Derek Powazek, Webworker und Liebhaber von Magazinen stellt das Projekt MagCloud vor, an dem er mit HP Labs gearbeitet hat. Voraussetzung ist eine hochauflösende Druckvorlage im PDF-Format, beispielsweise mit Adobe InDesign hergestellt. Gedruckt wird dann zentral durch HP Indigo Technologie nach Bedarf auf solidem Magazin-Papier und geheftet. Ebenfalls zentral ist der Versand an den Käufer des Magazin Exemplars. Das Inkasso für jedes Exemplar wickelt MagCloud für den Herausgeber ab. Genial. Leider nur momentan in den USA.

Die Zeiten für Verleger werden noch schwerer. Die Magazinherausgeber verlieren immer mehr nicht nur an Auflage, Reichweite und Werbeeinnahmen sondern auch an Glaubwürdigkeit. Das neue Web und der „User“ bedrohen ihre Stellung immer mehr. Jetzt auch auf dem traditionellen Papier. Mit der Schwächung der Monopole und Oligopole im Verlagswesen, mit der stärkeren Vielfalt der online und offline Pressepublikationen, könnte möglicherweise auch die Pressefreiheit gewinnen. Jedem seine Magazinpresse.