Horizont: Virales Roundtable-Interview

Melanie Schehl und Olaf Kolbrück hatten am Freitagnachmittag in Hamburg für das Branchenblatt Horizont einige Gesprächsteilnehmer zu einem Roundtable-Interview eingeladen. Eingerahmt zwischen Dominic Veken, Geschäftsführer Strategie bei Kolle Rebbe, zu meiner Rechten und links von mir Markus Roder, Leiter Strategie bei Dialog Solutions, fragte uns Olaf gnadenlos zum Thema Marken und Märkte im Lichte des Web 2.0 aus.

Anfangs stand mir schon der Angstschweiss auf der Stirn, ob ich zwischen all diesen ausgewiesenen Strategen und Analysten bestehen würde, zumal das Eröffnungsthema beispielhaft der iPhoneTouchPodMac und die Marke Apple waren. Zwei Dinge, die nachgewiesenermassen bei mir bisher im Haushalt nicht vorkamen. Als blutiger und naiver PR-, Marketing- und Werbelaie sass ich da nun am runden Kaffeetisch, als Blogger und Konsument gewissermassen. Und als IT Profi von den Schlachfeldern der vergangenen drei Jahrzehnte. Als wir noch 1916 in den Gräben bei Verdun…

Melanie hatte Fragen vorbereitet. Melanie hatte das Treffen perfekt vorbereitet, die Fragen kamen von Olaf: Wie wird das Social Web Marken und Kommunikation verändern? Wie verändert sich die Markenwahrnehmung durch das Social Web? Wie können Unternehmen sich diesen Veränderungen stellen? Wieviel Dialog im Web 2.0 ist sinnvoll und effizient? Stichworte waren Breitenwahrnehmung vs. Nischenwahrnehmung, Markenkontrolle, Viralität, Networker Marke… Normalerweise alles absolute Fremdwörter für mich.

Mir fiel zunächst zum Apfelthema nur ein, dass ich vor zehn Jahren einer derjenigen war, der in der gesamten hamburger Verlagslandschaft in den Redaktionen von Gruner+Jahr, Springer, Bauer usw. den Macintosh den Garaus gemacht hatte. Ich war sozusagen der Apfelmeuchelmörder der 90er Jahre. Die Auftraggeber wollten damals den IT Bestand vereinheitlichen und der Mac erschien denen zu teuer. Eigentlich wollten die druckerzeugnisse-orientierten Vorstände den Text-Redakteuren die Freiheiten und die Macht etwas beschneiden…

Mein Fazit des Roundtables: Sehr viel Spass gehabt, viel über das limbische System gelernt (Danke Markus!) und ferner habe ich auch noch gelernt, dass die hippe Werber-Branche auch nur mit Wasser kocht und Wasser auch nicht heisser als 100 Grad Celcius wird. Meine Meinung: Marketing und Werbung sollen und können wie jeder andere Webteilnehmer mit offenem Visier und auf gleicher Augenhöhe mit allen anderen am Geschehen teilnehmen. Und sie sollten dabei wie alle anderen ebenfalls interessanten Content liefern. Sich die notwenige Reputation zu erarbeiten, und somit das Gehör, das dauert eben. Das geht nicht auf die schnelle. Das hat auch mit Budget nicht soviel zu tun. Sondern mit Glaubwürdigkeit und Beharrlichkeit. Standardsprüche, verdeckte Aktionen u.ä. gehören in die Asservatenkammer und weggeschlossen.

Am Ende sind wir dann alle doch draufgekommen, dass eine Marke im Web mehr mit dem Geist und der Haltung dieser Marke etwas zu tun hat, damit es nicht gleich zum Gespenst im Internet wird. Nachzulesen das Ganze bei Horizont in der Printausgabe gegen Ende des Jahres. Es wird recht interessanter Lesestoff!

Apropos „virales Marketing“: Bei Techcruch hat vor wenigen Tagen ein Profi seine schmutzigen Tricks verraten, wie er und sein verdecktes Team massiv Videos ihrer Auftraggeber  im Web pushen. Lesenswert. Gut 460 Kommentare – Das dürfte wohl Techcruch-Rekord sein!

Keine Monetarisierung mit Seth Godin

Im jahresendzeitlichen Boom 2.0 und allgemeinen Webrausch gibt es noch Leute, die den Kopf und ihre Würde noch nicht verloren haben. Die sich nicht beeindrucken lassen von Ausverkauf und Verramschung ihrer Blogs. Die sich weigern, ihr Blog als Billboard zu verkaufen.

Seth Godin, Viral-Marketing-Guru, will sein hochfrequentiertes Blog (Technorati Rank 16!) weder vermarkten und noch sonst irgendwie monetarisieren. Warum? Darum:

The other day, someone pointed out to me that my blog is read by more people than 95% of all the magazines published in the US. She wanted to know why I don’t try to monetize it. „Run ads,“ she said. „Or find a sponsor, or maybe even charge for it!“ That’s a lot of nickels, after all.

I tried to sum it up like this: Not only can’t I imagine charging for my blog, I’m practically in debt to the people who read it. I ought to pay them, not the other way around.

Every time you read something I write here, you’re giving me a gift… attention. It’s getting more precious all the time, you have more choices every day, and it’s harder and harder to find the time. I know. I’m grateful. I’m doing my best to make your attention worth it.

So, have a great Thanksgiving. And thanks.

Sehr kluge Worte. Im Gegenteil. Wir haben zu danken, Seth. You’ve got style. Have a great Thanksgiving too!

Real Enterprise 2.0

Mass Customization, User Generated Content, Virales Marketing, Crowdsourcing, Social Networks faszinieren mich schon seit langem… Alles Konzepte, die erfolgreich in der Internetökonomie wie in einem grossen lebendigen Echtzeit-Labor entdeckt, erfunden, zusammengemischt, eingeführt, getestet und verfeinert worden sind. Absolut faszinierend mit welcher Geschwindigkeit diese Modelle in den Köpfen der Nutzer und Surfer im Web verankert worden sind. Es sind mittlerweile fast schon Verhaltensmuster dieser Menschen geworden. Bei mir selber natürlich auch. Und das Experiment geht weiter.

Mich interesiert an dieser Sache seit langem der Umkehrschluss: Was kann ich von diesen Konzepten in die Welt der realen Unternehmen zurückführen? Mein Ideal wäre eine weitgehend sich selbst steuernde Organisation.