Final Times Deutschland.

Final-Times-Deutschland-07122012

Shamani schreibt einen Aufruf an die Online-Gurus, Internetvordenker, Social Media Masterminds, true Digital Natives: Rettet den Journalismus! Ich gehe davon aus, dass in 2013 die Medienbranche entscheidende neue Formate für Nachrichten und Meinungen bekommt. Sie werden nicht aus den etablierten Medienhäusern kommen. Sondern aus der Start-up-Szene.

Zeitung und Fernsehen im Jahre MMIX

Weshalb sollte ich eigentlich noch regelmässig Zeitungen lesen oder Fernsehen schauen? Frage ich mich langsam nach einigen Monaten Abstinenz. Es gibt kaum noch Gründe dafür:

  • Aktuelle Nachrichten (und bewegte Bilder) erhalte ich schneller und direkter aus dem Web per diversen Feeds in meinem Reader. Ich kann dabei durch einen Mix konträrer Quellen meine eigene Meinung bilden. Ferner kann ich, wenn ich mich mehr für ein aktuelles Thema interessiere, im Kontext ad hoc recherchieren und tiefer drillen. Ich kann aus der gigantischen Auswahl an Quellen mich auf diejenigen mit meinen eigenen Themenschwerpunkten konzentrieren. Die 20 Uhr tagesschau ist dagegen nur noch ein lauwarmer zweiter Aufguss. Bedrucktes ist der dritte oder vierte und gerade gut genug für den Fisch vom Markt.
  • Gestern abend der Einmarsch der Israelis in Gaza war ein gutes Beispiel dafür. Bevor eine Nachrichtenagentur die Meldung überhaupt auf den Ticker für ihre Abonnenten in den Redaktionen bringen konnte, war in den diversen Microblogging Communities diese Nachricht schon längst rum. Dank lokaler Microblogging-Quellen und direkten Augenzeugen-Mitteilungen vom Schlachtfeld aus dem Nahen Osten. Selbst eine „CNN Breaking News“ war später dran.

Es gibt aber einige wenige Punkte, die ich an den Medien 0.0 doch noch schätze:

  • Lokale Geschichten aus meinem urbanen Kiez um die Ecke und den Lokalteil der anderen Stadtviertel in meiner örtlichen Tageszeitung
  • Durch eigene Reporter gut recherchierte eigene originäre Geschichten mit Hintergrundinformationen
  • Ein gutgeschriebenes Feuilleton mit Entdeckungen und Ansichten über Autoren, Werke, Inszenierungen, Ausstellungen
  • Ein interessantes Reisemagazin mit Reportagen über besondere Orte
  • Ausserdem in meinem Stammstrassencafé lese ich lieber in Ruhe eine Papierzeitung, am liebsten eine dicke mit vielen engbedruckten Seiten und breite sie während eines doppelten Espressos oder Milchkaffees weit um mich herum aus. Gerne eine Süddeutsche. Manchmal auch eine Die Zeit, wenn das münchner Blatt vergriffen sein sollte. Beide wegen dem Feuilleton und wegen der Reisereportagen. Dazu noch schnell ein Blick in das lokale Käseblatt. Eine FAZ/FAS habe ich sicher auch schon mal in der Hand gehabt. Tja.
  • Soweit zu Zeitungen. Fernsehen? Dazu fällt mit partout kein Grund ein. Fernsehen? Ich glaube, das ist tot. Filme schaue ich lieber im Kino oder auch mal auf DVD. Der Rest interessiert mich nicht wirklich im Fernsehen. Kaugummi für’s Auge. Sedativa für die Seele. So aufregend wie eine Überdosis Tai-Ginseng.

Ich fürchte, ich bin nicht die Ausnahme, meine Damen und Herren Intendanten und Verleger. Was machen Sie jetzt?

Ich lese gerne Zeitung

Vorzugsweise die dicken fetten Wochenendausgaben. Die mit der bunten Beilage. Die aktuellen Meldungen und die Kleinanzeigen interessieren mich da weniger. Eher schon die politischen und gesellschaftlichen Analysen und Hintergrundberichte. Das Feuilleton mit den Essays und Berichten zu Kunst und Film. Theater weniger. Obwohl Opern erstaunlicherweise schon. Gute Portraits zu allen Sparten immer. Geschichten über Menschen und Landschaften. Besondere Reisen. Und Sport. Und wie jeder leidenschaftliche Zeitungsleser lese ich natürlich von hinten nach vorn.

Und für das Aktuelle habe ich ja das Internet.

In einen Kiosk gehe ich liebend gerne. Entweder müssen sie verhutzelt und gedrängt sein wie in einem guten Stammkiosk an der Ecke. Die mit Oma und Opa im Wechsel hinter dem schmalen Tresen mit dem grossen abgenutzten Zahlteller aus Glas. Gehen die eigentlich je in Urlaub? Oder diese neuen grossen bunten grellbeleuchteten Bahnhofskioske mit den kilometerlangen Special-Interest-Magazinauslagen. Ach, herrlich. Ich hoffe nicht, dass Zeitungshändler aussterben werden! Auch wenn die Wetten gegen sie stehen.