Die Zukunft der Söhne..

Beruhigend. Keiner meiner Söhne will in Zukunft sein Geld als Kopfarbeiter im Büro verdienen.

S1 ist angehender Künstler. S2 will nach dem Abitur Tischler werden  und S3 hat sich beruflich noch nicht geoutet, scheint aber vielleicht auch eine solide, handwerkliche Laufbahn anzustreben.

Sie sind cleverer als ihre Alten. Schön. So soll’s ja auch sein..

Freiheit hat ihren Preis

Nach den Erfahrungen von gestern vormittag plane ich mein Blog selber zu hosten.

Ich habe vor, nach dem MBC09 Ende Januar auf meine eigene Domain basman.xxx umzuziehen, eine Domäne, die ich bisher nur für meine berufliche Mail genutzt habe. Die Präsenz wird einfach „Basman“ heissen.

Meine neue Heimat wird wahrscheinlich vier Bereiche haben:

  • .com: Commercial & Business – Meine berufliche Webpräsenz
  • .net: Networking & Messaging – Wie man mich erreicht und wo man mich findet
  • .org: Organizations & Non-Profit Activities – Meine gemeinnützigen Vorhaben
  • .de: Privates Blog in deutsch – Sprechblase 2.0

Die Toplevel-Domänen sind hier eher zunächst symbolisch zu verstehen, eher wie Labels oder Kategorien für Schubladen. Es hätte aber auch den Charme, sie wirklich als Toplevel-Domänen zu verwenden.

Zu kompliziert? Es sind ja noch einige Monate hin und ich werde in Ruhe die Idee noch optimieren können.

Ich werde dafür als Plattform wordpress.org nehmen. Mir ist bewusst, dass Eigengehostetes deutlich mehr Aufwand und Fummelkram bedeutet als ein fertig bereitgestelltes komplettes Bloghosting.

Freiheit hat ihren Preis.

Die Zukunft des Microblogging

Sean Carmody hat einen sehr guten Artikel verfasst zur Zukunft des Microblogging. Sein Schlusswort:

Whether it is the OpenMicroBlogging protocol, or something very much like it, an open approach to microblogging is clearly the way of the future. Of course, twitter could always respond by adopting the OpenMicroBlogging standard themselves, which would be great for their users. Unfortunately for their venture capital backers, that is likely to make it even harder for twitter to turn a profit.

Dank an Armin Auth, der diesen Artikel entdeckt hat.

Ich setze ebenfalls eher auf offene Systeme wie Laconica als auf proprietäre wie Twitter, das momentan den Markt eindeutig dominiert. Ich glaube, das meine Wette keine Aussenseiterwette ist. Das Rennen entscheidet sich in den nächsten 24 Monaten. Der Markt und die Communities entscheiden, wer gewinnt. Und diese Entscheidung ist immer gerecht.

BuzzMachine: Turn off the Press

Benjamin Birkenhake hat mich per Mail auf den recht lesenswerten Artikel von Jeff Jarvis Google as the new pressroom hingewiesen. Im Artikel sagt Jarvis, dass die Verlage im falschen Geschäft sind. Zeitungen und Verlage sind weder in der kostenintensiven Fertigungs- oder in der Absatzwirtschaft noch in der IT, da seien sie eben ziemlich schlecht. Sie sollten sich lieber fragen, was eigentlich ihr Kerngeschäft ist. Jeff Jarvis‘ Rat:

So take the advice, papers: Get out of the manufacturing and distribution and technology businesses as soon as possible. Turn off the press. Outsource the computers. Outsource the copyediting to India or to the readers. Collaborate with the reporting public. And then ask what you really are. The answer matters dearly.

Währenddessen hatte einer in England den selben Gedanken. Ben meinte daraufhin in seiner Mail: „Verdammt, die Zukunft überholt mich auf der rechten Spur“ – Ben ist Teamleiter für DIE ZEIT.

Hier und Jetzt

Ich empfinde die „Zeit“ nicht als eine kontinuierlich fortschreitende Ordnung am gerichteten unumkehrbaren Zeitstrahl wie die Naturwissenschaftler. Noch als im Bewusstsein wahrgenommene Form der Veränderungen oder der Abfolge von Ereignissen wie Philosophen. Ich empfinde „Zeit“, aber auch „Raum“ anders.

Meine Erinnerungen, meine Wahrnehmung in der Gegenwart und meine Vorstellung von der Zukunft fliessen ineinander über. Mein Ankerpunkt ist zwar das „Jetzt“, aber subjektiv verschmelzen die Zeiten „Vergangenheit“ und „Zukunft“ in der „Gegenwart“.

Ich bin vier Jahre alt, sitze im gleichen Moment heute vor dem Monitor, während ich diese Zeilen schreibe, und würde wieder gerne mal irgendwann nach New York fliegen. Alle diese Bilder und Gedanken empfinde ich wie „Gegenwart“. Das gleiche gilt für den Raum. Die Orte sind nicht voneinander entfernt. Sie sind alle hier und jetzt. Sie existieren in meiner Vorstellung gleichzeitig und auch gleichwertig. Parallel. Ein buchstäbliches Raumzeit-Kontinuum. Seltsam? Vielleicht.

Ich weiss nicht, ob es anderen auch so geht. Ich empfinde alle drei Zeiten und alle Orte in meinem Bewusstsein wie in einer riesigen hochkomplexen und hochvernetzten „Wolke“ assoziativ miteinander verknüpft. Nicht linear im Zeitstrahl oder zweidimensional geografisch wie auf einer Landkarte. Das fällt mir immer wieder beim Schreiben und Erzählen auf. Sprünge in die Vergangenheit oder Perspektivwechsel in diesem dynamischen Netz fallen mir nicht schwer. Vielleicht bin ich auch nur internetgeschädigt, denn auch dort ist alles „hier“ und „jetzt“ und „instant“. Gibt es einen Namen für diese Empfindungen?

Kann sein, dass Mehrsprachigkeit und häufige Kulturwechsel im Lebenslauf dieses Empfinden verstärkt haben. Kann sein, dass das nur ein Spleen von mir ist. Kann auch sein, dass alle das so empfinden.

Ich empfinde meine Existenz als zeitlos und ungebunden vom Raum. Nur, hat man einmal so empfunden, ist eine Rückkehr zur traditionellen Sichtweise nicht mehr möglich.

Websites als Gravitationsfelder und Aggregatoren für Informationen

Tim O’Reilly in Berlin auf der Web 2.0 Expo laut heise.de:

Die Firmengründer sollten sich darauf konzentrieren, Nutzer-zentrierte Services aufzubauen. Dabei sei es entscheidend, sich nicht alleine auf Software zu konzentrieren – wichtig sei vielmehr, welche Daten eine Firma besitze.

Websites als Gravitationsfelder und Aggregatoren für Informationen über Nutzer und ihr Umfeld. Die Sterne im Universum 2.0 mit der meisten Masse und Anziehungskraft sind die grossen oder spezialisierten Sozialen Netze, die jetzt mit Open Social noch zusätzliche Beschleunigung erhalten.

Wenn das alles tatsächlich so eintreten sollte, müssten Werkzeuge für Datenanalyse, Künstliche Intelligenz, Statistik, Information-Retrieval, Bibliometrie, Wissensmanagement, Web Mining, Text-Mining, Feedback-System, Informationsintegration, Informationsvisualisierung, Mustererkennung, Automatische Klassifikation, Clusteranalyse, Maschinelles Lernen,… demnächst Hochkonjuktur haben, um die erfassten gigantischen Datenmengen qualitativ und quantitativ zu interpretieren. Manches ist ja schon unterwegs wie Google Analytics. Aarrrggggh, schon wieder Big G.

Wird WordPress von einem Grossen geschluckt?

An manchen Stellen wird seit einigen Tagen das Gerücht gestreut, dass Automattic, die Company hinter WordPress und einer Reihe von weiteren feinen Produkten, von einem der üblichen grossen Verdächtigen geschluckt werden soll. Der Kaufpreis soll angeblich bei 150-300 Millionen US-Dollar liegen. Matt, Chefentwickler und Kopf von WordPress, sagte heute mittag via IM zu Charles Stricklin, Produzent und Co-Autor von The WordPress Podcast, sie würden definitiv kein Übernahmegespräch suchen. Mmh, offensichtlich wird aber WordPress bzw. Automattic seinerseits von Investoren gesucht. WordPress ist momentan weltweit die erfolgreichste Blogplattform mit mehr als 1,7 Millionen gehosteten Blogs und einer deutlich grösseren Anzahl von freien Lizenzen zum selber betreiben. Auttomatic hatte vor wenigen Tagen eine neue Finanzierungsrunde von gut 1 Millon US-Dollar abgeschlossen und hat zudem zeitgleich das kleinere Unternehmen Gravatar geschluckt.

Sollte Automattic wirklich verkauft werden, dann halte ich den gehandelten Preis für zu niedrig angesichts der Bonanza auf den internationalen Märkten. Gleichzeitig hätte ich aber auch Befürchtungen über Zukunft und Spirit des genialen Entwicklerteams, des Produkts und der Community. Das im August 2005 gegründete Automattic wird jedenfalls nun auf dem Markt als Übernahmeobjekt gehandelt.

Mit knapp zweieinhalb oder drei Jahren ist ein Unternehmen 2.0 im Lebenszyklus des Neuen Web typischerweise im heiratsfähigen Alter, wie wir mittlerweile gelernt haben. Grosse Fische fressen kleinere Fische fressen ganz kleine Fische fressen Plankton…

Asien 3.0

Robert raisoniert über einen möglichen Kontinentaldrift nach Asien.

Asien kommt nicht. Asien ist schon längst da. Wer glaubt, dass Chinesen, Inder & Co nur ein Reservoir an billigen Arbeitskräften sind, der irrt gewaltig. Das Investitionsvolumen in IT ist mittlerweile im grossen zweistelligen Dollar-Milliardenbereich. Vorallem Amerikaner investieren in grossem Stil. Und sie werden um ein mehrfaches getoppt von den Chinesen und Indern selber.

Ich rechne damit, dass allein aufgrund dieser enormen Thermik im IT Bereich zusätzlich mehrere tausend neue kleine Firmen und kreative Spinoffs in diesem Wirtschaftsraum per anno entstehen werden. Zudem gelten Asiaten als grosse Pragmatiker, die es sehr wohl verstehen, der scheinbar ersten Welt zu zeigen, wo der Hammer hängt. Ich rechne damit, dass völlig neue Geschäftsmodelle und Denkweisen auf diesem Weg im Web sichtbar werden. Ich rechne nicht nur damit, ich wünsche es mir sogar. Es könnte sogar sein, dass auf dem barcamp Shanghai (heute am 8.9.2007), die westlichen Gäste etwas lernen werden: In Asien entsteht das neue Web.

Das Jahrhundert des globalen Dialogs?

Das 19. und 20. Jahrhundert waren dunkle Jahrhunderte in der Weltgeschichte. So ziemlich alles, was die Welt in einen permanenten Krisenzustand getrieben hat, stammt aus dieser Zeit. Und alles ausnahmslos ursprünglich aus Europa. Imperialismus, Kolonialismus, Massenvernichtungswaffen, Umweltverschmutzung, menschenverursachte Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, Weltkriege, Nationalismus, Rassenhass und Völkerverhetzung, industrielle Völkervernichtung, die grösste Völkerwanderung aller Zeiten aus Armut, aus Verfolgung, aus Terror… Alles ausnahmslos Erfindungen aus Europa. Und das trotz (oder gerade wegen?) dem Zeitalter der Aufklärung und der modernen Demokratie.

Aber im Übergang zum 21. Jahrhundert scheint es auch Hoffnung zu geben. Ebenfalls aus Europa. Die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Völker in Europa. Völkerverständigung und Fall der Grenzen. Vielleicht wiederum ein Modell für die zerstörte und zerstrittene Welt. Vielleicht ist das der globale politische Auftrag Europas im 21. Jahrhundert. Die klassischen politisch-militärischen Weltmächte Amerika, Russland und China und ihre kleinen Nachahmer bekommen es ja nicht hin.

Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert des Dialogs werden. Und Europa sein Moderator.

NoseRub: Dirk Olbertz entwickelt eine Architektur für ein Dezentrales Social Network

Eskimos tun es. Saudis tun es. Sie reiben sich die Nasenrücken bei der Begrüssung aneinander. Sie schauen sich dabei in die Augen. Das ist mehr als ein Händedruck. Das ist ein sehr intimer Vertrauensbeweis. NoseRub. So nennt Dirk Olbertz, bekannt durch u.a. blogscout.de, seine Architektur für ein Dezentrales Social Network. Eine offene neutrale Architektur, die unabhängig von den kommerziellen Social Networks, die persönlichen Daten eines Nutzers privat und lokal halten, die aber gleichzeitig diese den anderen wieder auch zur Verfügung stellen.

Der Nutzen solch einer Lösung ist offensichtlich: Die Nutzer sind nicht mehr abhängig von den kommerziellen Social Networks u.ä. embedded Lösungen wie beispielsweise beim selbstverschuldeten Zensur-Desaster von flickr. Es war für viele schwer sich von flickr zu lösen und zu anderen Dienstleistern zu gehen. Der Fall Flickr zeigte

…die massiven Wechselwirkungen zwischen einer an sich banalen Webanwendung und dem darin entstandenen und eingebetteten Sozialen Netzwerk. Es zeigt eben auch, dass es kommerziellen Anbietern eigentlich um dieses Netzwerk geht und gar nicht mehr um die Anwendung.

Dirk hatte mich Ende Juni gefragt, ob ich Lust hätte mit ihm über die Lösung nachzudenken. Es hat mich sehr geehrt und ich hatte mit grosser Freude zugesagt. Kurz danach erwischte mich der StartupWeekend-Tsunamie! Ich bedauere zutiefst, dass ich an dieser Sache mit ihm nicht mehr zusammenarbeiten kann. Dirk, du hast dir wirklich die schönste Herausforderung gesucht und gefunden. Es ist ein Achttausender ohne Sauerstoffmaske. Der Weg ist steil. Aber die Fahne wird auf dem Gipfel wehen! Ich drücke dir die Daumen.

Dirk plant beim BarCamp Cologne 2 am 18./19. August 2007 seinen Prototypen vorstellen. Ich glaube das wird das Highlite. Ich halte Dezentrale Social Networks für eines der heisstesten Themen die in Web 2.0 derzeit zu vergeben sind. Sie sind engverknüpft mit den Themen um Identity 2.0, OpenID, Microformats und einiges, was noch neu dazu kommen wird. Nämlich die eigene Architektur, den Kleber für all die Standards, die es schon gibt. Es könnte NoseRub sein.