700.000.000.000 US-Dollar

Damit aus amerikanischen Hausbesitzern keine Hausbesetzer werden. Präsident Bush konkretisiert Rettungsplan für die aktuelle Finanzkrise: 700 Milliarden sollen die Bankenkrise stoppen. Wie bitte? Ausgeschrieben: 700.000.000.000 US-Dollar. Das ist mehr als das Bruttonationaleinkommen Russlands. Oder das Bruttoinlandsprodukt von ganz Afrika. Mal ganz abgesehen von der Finanzierbarkeit. „Mit dem Geld sollen den Banken Hypotheken abgekauft werden, deren Besitzer zahlungsunfähig geworden sind. Die Regierung soll ermächtigt werden, die Schulden für die kommenden zwei Jahre zu übernehmen“ berichtet die tageschau.de weiter.

Privatisierung der Gewinne für die Aktionäre, Sozialisierung der Verluste auf Kosten der US-Steuerzahler. Oder auch ganz einfach: US-Wahlkampf um die Hausbesitzer. Oder ein grosses Geschäft [via] für den Staat?

Es könnte passieren, dass der US-Dollar in der Folge dieser verheerenden Finanzkrise und seinem rapiden Verfall als inoffizielle alleinige Leitwährung der Finanzwelt abdanken muss. Rohstoffpreise (Öl, Gas, Zucker, Kaffee) und grosse Industriegeschäfte (Anlagen, Flugzeuge, Schiffe) werden international immer noch in US-Dollar abgeschlossen. Politik und Wirtschaft der USA haben in den letzten sieben Jahren weltweit zunehmend an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren, das nicht einfach aufzuholen ist. Sie sind unkalkulierbar und zu riskant als Basis für langfristige internationale Entscheidungen.

Bezeichnend, dass Putin in Zukunft seine Gaslieferungen in Rubel abrechnen will. Russland hat einen Haushalts- und einen Einnahmenüberschuss im Außenhandel. Das stetige Wachstum der Gold- und Devisenreserven hat bereits mehr als 500 Milliarden Dollar angehäuft. Hier liegt Russland an dritter Stelle in der Welt hinter China und Japan.

Der Euro ist sowieso Musterschüler der internationalen Geld- und Währungswirtschaft. Ja, es könnte passieren, dass der US-Dollar demnächst seine Rolle mit anderen teilen müsste.


11 thoughts on “700.000.000.000 US-Dollar

  1. Ich bin erstaunt, ein wenig. Eigentlich ist Geld ja was zum tauschen. Ich geb‘ Dir nen Euro und bekomme ein belegtes Brötchen. Was bekommt denn der Staat nun für die 700.000.000.000? Da müssen die Bänker aber schon mit einem ziiiiiiiiiiiemlich guten Angebot kommen.

  2. Die New York Times weiß auf jeden Fall, was man dafür kaufen könnte: Der ganze Vietnam-Krieg hat 670 Milliarden gekostet. Und der hat immerhin 10 Jahre gedauert.
    http://www.nytimes.com/2008/09/21/business/21data.htm

    Aber ernsthaft. Als Regierung und Gesetzgeber wäre ich reichlich angepisst. Ich meine … ich bin ja weder Unternehmer noch Ökonom – Geld ist einfach nicht mein Ding – aber wenn die Marktwirtschaft schon so spektakulär versagt, das stimmt einen doch schon nachdenklich, ob das so der richtig Weg ist. Also als Staat würde ich jetzt einfach sagen: So für 700 Milliarden müßt ihr mir aber ein paar eurer wirtschaftlichen Freiheiten geben, damit wir künftig die Sicherheit haben, dass das nicht nochmal passiert.

    So ist das im Liberalismus – wir handeln aus, welche Freiheiten wir gegen welche Sicherheiten tauschen. Erstmal sollte jeder soviele Freiheiten behalten wie möglich. Aber um von denen auch was zu haben, brauchen wir Sicherheit. Naja. Aber die Amerikaner fanden Freiheit schon immer kuhler und ich bin ja ein deutsches Bildungsbürgerkind. Da ist einem der Sicherheitsdrang in die Wiege gelegt.

  3. Zum allgemeinen Verständnis: die Schulden zu übernehmen bedeutet hier nicht, dass der Staat sie bezahlt – er wird nur zum neuen Gläubiger. Ein gewisser – vergleichsweise hoher – Prozentsatz der Schulden, die er übernimmt, wird nie zurückgezahlt werden, aber es sind unter’m Strich keine 700 Mrd die er investiert. Damit ist es zum heutigen Zeitpunkt nur Zahlenschieberei mit dem Hintergrund, dass die USA praktisch nicht pleite gehen können. Schmerzhaft wird ist trotzdem und als US-Bürger würde ich auf’s heftigste protestieren, dass meine Steuergelder so rausgeschmissen werden.

  4. Richtig Martin. Dein Namensvetter Martin Varsavsky, der Gründer von FON, meinte ja auch, dass es sogar ein grosses Geschäft für den Staat sei. Ich würde nicht soweit gehen wollen. Wahr ist aber auch, dass diese 700 Mrd US-Dollar von der US-Regierung zunächst aufgebracht werden müssen und den Verschuldungsgrad der USA nicht unwesentlich hochdrücken. Wenn ich das richtig gesehen habe, im mittleren einstelligen Prozentbereich, was für ein Land, dass sowieso schon einen exorbitanten Verschuldungsgrad hat, mehr als schmerzlich ist. Nach den Erkenntnissen der Weltwirtschaft wird das den US-Dollar Kurs deutlich nach unten drücken. Daher meine Spekulation, der US-Dollar könnte auf Sicht seine praktisch alleinige Leitwährungsfunktion verlieren.

  5. Cem, nach dem oben verlinkten Artikel bzw. dessen Kommentar wird der Verschuldungsgrad tatsächlich nur unwesentlich hochgedrückt bzw. zu aktuellem Zeitpunkt eher positiv beeinflusst, da die 700 Mrd Schulden von anderen sind und somit Assets (je nach Bewertung ;-)). Nicht zuletzt handelt es sich doch wie oben schon geschrieben nur um Zahlenschieberei – alles digitales Geld, niemand muss konkret jemandem ein Koffer Geld bringen o.ä..
    Ich hoffe schon lange darauf, dass der USD endlich als Leitwährung abgelöst wird.

  6. Moin :)

    Es ist fast unmoeglich, das, was die letzte Woche passiert ist, in Worte zu fassen …

    Ich versuche, es einfach in Gedanken zu fassen … daher eine Auflistung … weder nach Wichtigkeit geordnet noch Anspruch auf Vollstaendigkeit versuchend …

    1. Dies ist die groesste Manipulation „freier Maerkte“ seit es sie gibt …

    2. Es geht seit Jahren nicht mehr um fundamentale Daten, sondern nur um Verarbeitung von Geldstroemen, auch von Fehlinvestments :)

    3. Derivative, frueher als kursglaettend erdacht, verstaerken die Kursschwankungen erheblich durch das unverantwortliche LEVERAGEN …

    4. Eigentlich sind alle US BAnken PLEITE … auch der US STAAT …

    5. Spaetestens jetzt, ist eine Waehrungsreform sicher

    6. US$ ist nur noch deshalb die „Leitwaehrung“, weil sowohl China als auch die Oelstaaten „STUCK“ sind … sie sind so gross, dass sie nicht aus dem Dollar herauskommen, ohne ihre eigene Economy zu schaedigen …

    7. Trotzdem bin ich persoenlich als Haendler den USA dankbar, weil ich jeden Tag, an dem sie das Sterben verlaengern, Geld verdienen kann … wir standen letzte Woche am Abgrund …

    8. Ich persoenlich habe in den letzten Jahren ALLES, was man in der Schule lernt, abgelegt und trade nur noch nach technischen Signalen … INTRADAY … mehr ist kaum moeglich, da teilweise ueber Nacht die REGELN geaendert werden …

    Schoene Zeit also … Ich sollte meinen Blog umbenennen in Riding the Bubble :)

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