Gute Blogs sind authentisch

Was sind gute Blogs? Die Antwort ist ganz einfach: Gute Blogs sind authentisch. Nichts weiter. Sie sind von echten Menschen geschrieben, haben einen glaubwürdigen Inhalt und erscheinen in einer zuverlässigen Regelmässigkeit. Ihr Inhalt ist originär. Sie reflektieren und kommentieren die Welt aus einer persönlichen und ehrlichen Sicht. Autor und Inhalt stimmen überein und geben nicht vor, etwas anderes zu sein als sie sind. Die Präsentation ihrer Inhalte ist oft schlicht und ungekünstelt. Sie sind eben authentisch. So einfach ist das.

Wie ist besipielsweise Authentizität in der deutschen Wikipedia definiert?

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch externe Einflüsse bestimmt wird, sondern aus der Person selbst stammt[…]. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders echt, das heißt, sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht notwendigerweise um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln, sondern es können auch Zuschreibungen des Betrachters diese Eindrücke verursachen, die etwa auch Teil einer gelungenen Inszenierung darstellen können.

Alles andere ist Gequatsche über Technik des Bloggens oder des Schreibens oder der Darstellung und hat somit mit der Authentizität überhaupt nichts zu tun. Der einzige Rat als halbwegs erfahrener Blogger, den ich jemandem auf dem Weg mitgeben könnte, wäre: Sei authentisch! Sei du selbst!

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb Corporate Blogs, PR und Marketing Blogs so häufig nicht funktionieren. Genausowenig wie offizielle Partei-Blogs. Sie sind meist nicht authentisch. Sie können wahrscheinlich auch gar nicht authentisch sein in dem politischen Umfeld. Viele haben die Schere ja schon im Kopf, wenn sie schreiben. Ich glaube, nur ganz wenige eigenständige Charakterköpfe könnten in einem Corporate-Umfeld authentisch bloggen.

Gute Blogs leben von der Authentizität ihrer Autoren und ihren Inhalten. Daran kann man sie erkennen.

44 Kommentare zu „Gute Blogs sind authentisch

  1. Das Problem ist doch, sobald du dir Gedanken machst, ob du selbst authentisch bist oder dir sogar jemand sagt, man moege dein „Blog“, weil du „authentisch“ bist, dann geht das Ganze den Bach runter, weil du dich staendig hinterfragst, kontrollierst oder ver(schlimm)besserst.

    (du = ich, du, er, sie, es, man)

  2. @Patrick, natürlich kann man sich auch selber fragen, ob man ehrlich ist beim Bloggen ohne dadurch automatisch unehrlich zu werden… Das ist ja nicht nur beim Bloggen so, sondern im Leben überhaupt. So gesehen ist „Authenzität“ eine Haltung. Keine Attitüde (im besten deutschen umgangsprachlichen Sinne). Finde ich.

  3. Stimme zu.Darueberhinaus kann ein Bog auch gut sein,wenn er originel,informativ oder lustig ist….
    Die Qualitaet der Kommentare traegt aber auch viel dazu bei.
    Nicht ganz unwichtig scheint mir,in was fuer einem Umfeld sich der blog befindet.(Community,hoster)..und ob er ueberhaupt gefunden wird!
    Ist es nicht eine Art selbstperpetuierendes System,wenn nur die blogs auf der Frontseite angezeigt werden mit den meisten Comments?
    So bleiben sie dann ja fast zwangslaeufig hits…

  4. Neben dem reinen authentischen habe ich auch viele Blogs gesehen, die den Schwerpunkt auf Information setzen. In so einem Rahmen kann man ja nur auf objektivität hoffen und weniger auf authentizität. Ansonsten stimme ich dir aber auch voll zu. Und bin weiterhin gespannt auf das Startup Weekend… Super Sache !

  5. Pingback: bojeonline.de
  6. Die Frage ist aber auf der anderen Seite dennoch: Kann man überhaupt unauthentisch sein?
    Mir scheint die Definition von Wikipedia wenig hilfreich.
    Wir sind IMMER durch äußere Umstände bestimmt. Alles hängt zusammen. Alles ist kontextspezifisch.
    Es kommt also auch darauf an, ob man echt wirkt? Dann ist der Begriff an sich schon nicht mehr konsistent! Denn entweder man ist „wirklich man selbst“, dann ist es egal, ob andere das anerkennen. Oder man spielt etwas, was man gar nicht ist, wirkt aber „authentisch“, dann ist die innere Einstellung egal.
    „Die ganze Welt besteht aus nichts als Posern. Das einzig „wirkliche“ was auch immer es ist, was Du jemals sein kannst, ist, wirklich Du selbst zu sein.“ Brad Warner
    http://buddha-stille.blogspot.com/2007/07/wirklich-du-selbst.html

  7. @stille, ich finde schon, dass man authentisch sein kann bzw. sich darum bemühen kann. Übrigens, dass alles „relativ“ ist, fand ich als Schüler schon nicht sehr hilfreich :-)

    Buddha, war sehr konkret und auch sehr authentisch. Buddhisten, wie der Dalai Lama, den ich in Hamburg erleben durfte, sind sehr praktische Menschen und ich empfand Seine Heiligkeit als aussergewöhnlich authentisch. Gar nicht relativ. Überhaupt in keiner Weise. Er war sehr konkret und sehr ehrlich und direkt.

    Aber das ist hier nicht die Stelle für eine religiöse Diskussion zu führen.

  8. Ich denke durchaus, dass Authentizität ein geeigneter Maßstab für gute Blogs ist. Das bedeutet aus meiner Sicht jedoch nicht, dass deswegen „Corporate Blogs … so häufig nicht funktionieren“. Vielleicht sind viele Corporate Blogs unauthentisch; ich wage allerdings die Behauptung, dass es an den Schreibern liegt und nicht am Umfeld. Vielleicht ist es schlicht und ergreifend schwierig, authentisch zu schreiben?

  9. @Stig, klar: Es liegt an den Schreibern. Wegen der Schere im Kopf beim Schreiben eben. Ein Abgeordneter beispielsweise kann wahrscheinlich gar nicht frei schreiben, da er ja stillschweigend und weitestgehend der Raison seiner Fraktion und seiner Partei unterworfen wäre. Der politische Gegener würde seine „frei (und unbedacht) geäusserten Worte“ als Munition gegen ihn benutzen. Schlimmer, die eigenen Parteimitglieder und Anhänger könnten ihn usw usw usw… you got the point :-)… Nein, wahrscheinlich wäre ein durchschnittlicher Abgeordneter kein authentischer Blogger. Coroprate Blogs dienen einem Zweck, der Unternehmenskommunikation, um die Unternehmensziele zu unterstützen. Ein Unternehmer allerdings oder ein Parteigründer würde möglicherweise einen authentischeren Blogger abgeben. Die Rollen „Manager“ und „Abgeordneter“ eher nicht, da sie der Sache dienen. Vielleicht etwas vereinfachte Sicht. Ein Manager oder Angestellter wäre natürlich privat vielleicht ein formidabler Blogger. das war etwas frei gedacht.

  10. Schön, dass hier auch die Assoziation zum Tagebuch passt: Wann ist ein Tagebuch hilfreich für mich? Wenn ich mich darin abbilde, ich mir begegne, wenn ich darin lese. Wenn ich authentisch bin, und so mit mir umgehe.
    Das gute Blog sei ein Tagebuch. Ein sehr Schickes kann es sein. Aber es trägt die Krux in sich:
    Anonymität erlaubt leichter Selbstdarstellung, Ent- und Verfremdung. Und:
    Interaktion. Ich kriege Applaus, Zustimmung oder Widerrede geboten, fühle mich beachtet oder übersehen. DURCH das Blog.
    Der Herausforderungen sind also viele. Wie in jeder Begegnung aber entscheide ich mit Frage und Antwort auf: Bin ich authentisch? über die Qualität des Augenblicks, meines Tuns, meiner Beschäftigung.
    Ja, ein Blog ist eine sehr gute Schule, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Zumindest ein klein wenig mehr.

  11. @Thinkabout; Ich glaube auch, dass ein Blog beim Schreiben sehr viel über einen selber verrät und vieles bewusster macht. Ein Grund mehr, ehrlich mit dem Blog umzugehen. denn wer will schon dauernd sich selber belügen :-)

  12. Das habe ich inzwischen auch begrifffen. Wenn mir etwas auf den Fingern brennt, einfach drauf los schreiben. Dann die Passagen die jemand als persönlich beleidigend empfinden könnten etwas entschärfen und auf den Publish Button drücken. Wenn das was man schreibt vom ganzen Herzen und mit ganzer Überzeugung kommt, dann kann es nicht besser werden, auch wenn man daneben liegt. Aber darum kümmern sich ja ganz gerne die Kommentatoren. ;)

  13. Ich weiss nicht. Klar ist Authentizität wichtig, wenn es sich um einen privaten (kleinen) Blog handelt.
    Aber ich kann auch über Fachthemen bloggen, und habe dabei sogar das Gefühl noch mehr Leser anzusprechen, als wenn ich über mein privates Erlebtes bloggen tue.

    Ich meine wer liest denn schon gerne was Person XY am Tag Z so tat? Ausser die Person ist hinlaenglich bekannt (wie Johnny, Malte, …, Holgi, …, Tim).

    Aber ansonsten machen doch grade Blogs mit *echten* Themen PlusPunkte (Netzpolitik, Handesblatt-Blog, …, Popnutten, … FSF Blog).

    Stricktes Konzept. Eng gespannte Themenwahl stehen für mich immernoch über privat Erlebnisse.

  14. Ich stimme dir zu – aber bin und bleibe optimistischer, was die Möglichkeiten angeht, auch in Unternehmenskontexten authentisch zu bloggen.

    Ja, das ist schwierig, wenn es nicht richtig angefasst wird und wenn nicht alle, die einem Blogger das Leben schwer machen könnten, von Anfang an mit im Prozess sind, der überlegt, ob und wie „wir“ bloggen wollen. Deshalb glaube ich vor allem nicht mehr an Schnellschüsse oder an ein „quick and dirty“, sondern an lange, lange, lange interne Diskussion….

  15. ich lesen gerade die robbie williams biografie von chris heath, ein wunderbar geschriebenes buch.
    williams wird als absolut authentisch geschildert, mit allen facetten seiner persönlichkeit: depressiv, rücksichtslos, egozentrisch, mitfühlend, höflich, rüppelhaft, sensibel, reflektiert, wach, ängstlich, geil, verunsichert, grandios, hemmungslos, kalkulierend, kindlich, schlagfertig, kokett, paranoid, intelligent, genial -> alles was eine authentische person eben ausmacht, und einen guten blog halt auch.

  16. ich kann nur zustimmen, es ist was es ist. authentizität ist das wichtigste überhaupt um etwas eben echt. ehrlich. erscheinen zu lassen und vor allem jemanden das gefühl zu geben, ein mensch steckt hinter der sache.

    die reine firmenblog, der nur als „mitläufer“, weil man „trendy“ sein will, erstellt wurde und nur dem zwecke dient, den leser für das eigene produkt zu sensibilisieren…der wird nicht lange erfolg haben. da wird jeder auch nur halt so aufmerksame leser erkennen, dass die reine information nur die des produktes und eben nicht der firma oder der menschen dahinter ist.

    vielen dank!

  17. Eine etwas ältere, aber immer noch aktuelle Lektüre ist Erich Fromm’s „Authentisch leben“, in welcher er allgemein auf die Problematik des Von-aussen-gesteuern-sein und dem, was einem selber kommt und schlussendlich die eigene Identität ist, eingeht. Lesenswert!

  18. Meiner Meinung nach auch heute noch gültig. Folgendes würde ich noch ergänzen:
    – Der Inhalt darf niemals belanglos sein, also „blosse Echtheit“ genügt nicht
    – Der Leser liest den Text, also sollte es auch einen gewissen Nutzen in irgendeiner Art geben (kann auch pure Unterhaltung sein)
    – Positiv ist, wenn aus dem Geschriebenen eine Freude rüberkommt, eine gewisse Leidenschaft ausgestrahlt wird….

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