User Generated Company Value (1)

Einer der Fragen in der Internetökonomie ist für mich, wie wir mit “User Generated Content” (UGC) umgehen. Einem der Grundpfeiler des sogenannten “neuen Web”. Hier gibt es viele ungeklärte Fragen auf unterschiedlichen Ebenen: Rechtliche, ethische, unternehmerische, betriebswirtschaftliche, organisatorische und natürlich auch technische. Aus dieser Frage ergibt sich wiederum die Frage nach der Bewertung von Beiträgen der Nutzer zum Unternehmenswert, dem User Generated Company Value (UGCV) wie ich es nennen möchte.

Für diesen wichtigen Bereich UGCV fehlen praktikable Geschäftsmodelle, die den Interessengruppen besser gerecht werden. Worum geht es dabei?

Ich habe dazu früher schon in einem Kommentar ausgeführt. Auch international stellen sich manche die ersten Fragen angesichts der monetären Entwicklungen von Web 2.0 Unternehmen. Es ist natürlich das alte Thema bei allen (kommerziellen) Crowdsourcing Projekten. Crowdsourcing, so die Wikipedia, setzt

“auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.”

Was passiert nun, wenn das Projekt i.d.R. nach 2-3 Jahren versilbert werden soll? Also entweder an die Börse geht, ein grosser Investor einsteigt oder ähnliches? Das ist ja der Moment, den die eigentlichen Initiatoren oder Gründer abwarten. Das ist ihr vorgeplanter Ausstieg. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Dieser Ausstieg wird für die fürstlich entlohnt. Auch gut. Was haben aber die tausenden Amateur-Content-Lieferanten davon?

Beim Verkauf von YouTube an Google bekammen die zwei Gründer weit über eine Milliarde Dollar. Was haben die User bekommen, die den eigentlichen Inhalt (und damit den Wert von YouTube) geliefert haben bekommen??

So gesehen versteht man die Motivation von einem Unternehmen bzw Projekt wie Dealjaeger. Ähnliches gilt für alle anderen kommerziellen Crowdsourcing Projekte … “Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte”.

Die Argumentation der Gegenseite lautet stereotyp “Die User haben ihren Spass dafür kostenlos”. Das berühmteste Beispiel, wo Arbeit als Spass verkauft wurde, sind “Die Abenteuer des Huckleberry Finn”, wo Huck, der eigentlich den Zaun streichen soll, Tom Sawyer gegen Geld den Zaun streichen lässt. Aber jetzt schweife ich doch ab …

Wie könnten Lösungen aussehen? Dazu mehr im Zweiten Teil.

20 Kommentare zu „User Generated Company Value (1)

  1. (Obendrauf kommt ja noch die Frage, was mit dem Dienst passiert, wenn er mal, wie geplant, verkauft worden ist. Ob der Spass dann immer noch kostenlos ist oder ob die Userdaten dann auch noch sorgfältig behandelt werden. Und damit die Frage, warum man so bekloppt sein sollte, überhaupt Content zu liefern.)
    Die User hätten den Spass ja auch für lau, wenn der Dienst dergestalt finanziert würde, dass er nur seine Kosten einspielt und gar nicht erst darauf angelegt wird, dass sich wenige Leute die Taschen vollmachen und dann verschwinden, um die Kohle zu verjuxen und im Fernsehen dummes Zeug zu reden. Darum räume ich genau dem Dienst eine grosse Chance ein, der von Anfang an gemeinnützig designt würde, bei dem ein eventueller Unternehmensgewinn in soziale oder Umweltprojekte fliessen würde, der das ganze vielleicht auf Stiftungsbasis laufen lasse würde.
    Eine Bindung an moralisch unfragwürdige Unternehmensziele wäre auch ein gutes Argument für eventuelle Sponsoren, so dass eine Mikro-Bezahlung der Contentlieferanten beispielsweise auf dem Wege von Freiminuten geschehen könnte, die ein Mobilfunkbetreiber dafür hergibt, dass er sich auf die Fahnen schreiben kann, den Regenwald tatsächlich zu retten und nicht so eine Augenwischerei betreibt, wie diese Bierfirmen.
    Eine wirklich angemessene Honorierung der Contentlieferanten halte ich für unfinanzierbar. Sonst hätte längst jemand eine entsprechende Redaktion aufgebaut und würde den Content gegen Bezahlung anbieten.

    Und schreib gefälligst schnell weiter. Ich hasse Mehrteiler ;-)

  2. Ich bin ja mitten in der Meinungsbildung, holgi. Alles ist im Flow. ich denke während ich schreibe. Aber ich weiss schon worauf ich hinaus will ;-)

    Aber guter Input: Ob die User „nach einem Verkauf“ noch mit dem gleichen Verve dabei sind? Und warum User motiviert sind mitzumachen? Und ob sie es auch für Absahner machen? … also: User und Plattformer aus der gleichen Community?

  3. User und Plattformer aus der gleichen Community ergäbe im Zweifelsfall sowas wie adical. Und was allein darum schon für ein albernes Gewese gemacht worden ist, haben wir ja gesehen. Und da geht es nur um ein paar Tausend Euro. Das halte ich für keine gute Lösung. Schliesslich wollen wir Millionen machen.

    Ich glaube wirklich, dass der Schlüssel in Gemeinnützigkeit liegt, denn dann stellen sich all diese Fragen gar nicht erst, weil jeder froh sein wird, mitmachen zu dürfen.
    Stell dir vor, die Menschen könnten quasi-spenden, indem sie Content an Qype liefern und die Zuwendungen würden umso höher, je mehr Beiträge geschrieben würden. Dann würde sogar ich mitmachen. So gebe ich lieber direkt Geld an diverse Einrichtungen und ignoriere Qype, weil ich eben nicht einsehe, honorarfrei für ein rein kommerzielles Medium zu schreiben.

  4. Ist da wirklich so viel user *generated* content? Oder sollte man nicht eher bei einigen Plattformen lieber von user *copied* content reden? Bei You Tube scheint das so zu sein (das meiste scheint mir mitgeschnittene Fernsehsendungen zu sein) und auch Qype ist nicht immer ganz frei davon (es gibt einige user, die gerne Inhalte anderer einstellen ohne die geringste Scham).

    Und dann ist da eigentlich das erklärte Ziel. Wenn ich für Qype schreibe, dann weiß ich, das Uhrenbacher beabsichtigt, auch mit meinen Inhalten Geld zu verdienen und ich ihm dazu weitgehende Rechte einräume. Wenn ich für wikipedia schreibe, dann weiß ich und kann mir sicher sein, dass die Inhalte bei der Allmende verbleiben.

    Ob es immer so klar ist, kann ich nicht sagen, ich habe nur endlich Zeit und bin zu langsam, um mir viele Mitmachplattformen ansehen zu können.

  5. Wenn der gemeinnützige Dienst in Sachen Bedienbarkeit, Nutzen etc. genauso gut ist wie der kommerzielle, dann hätte es ein kommerzieller Dienst sehr schwer, zu bestehen. Das stimmt. Aber wär das nicht prima?

  6. Beim Thema „gemeinnützig“ bin ich voll und ganz bei dir, holgi. Da stellt sich die Frage Arbeit und Profit nicht. Mein Fokus ist momentan bei kommerziellen, gewinnorientierten Unternehmen. auch die soll es ja geben ;-)

  7. Bei der Diskusssion um die Monetarisierung von Web 2.0-Diensten oder UGC wundert mich, dass diese dynamischen Strukturen vom Management als formbar angesehen werden. Zumindest ursprünglich stellt sich die Sache doch wie folgt dar. Nutzer erkennen den Mehrwert eines kollektiven virtuellen Gutes (z.B. Wikipedia) und sind bereit Inhalte bereit zu stellen. Dienste, die diese Strukturen zu Verfügung stellen werden langfrig funktionieren, insofern sie einen erkennbaren Mehrwert bieten. Diese Struktur entspricht den eigentlichen Stärken des Netzes als kooperatives Medium. Bezahlmodelle wird es im Internet immer geben, sind aber nicht nachträglich in auf Kooperation und Kollektivität beruhende Dienste zu implementieren.

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